Klänge von Blasinstrumenten dringen sanft durch die Wände bis an den Esstisch. Ist es nicht noch etwas früh für Neujahrsständchen? Richtig! Zumal diese Töne nicht von außen kommen. Sie bahnen sich ihren Weg von unten, aus dem Keller, durch das Haus der Familie Buckreus.

Dorthin hat sich gerade die 15-Jährige Tochter Sarah mit der gleichaltrigen Nachbarin Katharina Lauer zurückgezogen. Die eine mit ihrer Querflöte, die andere mit ihrem Fagott. Wenig später schließen sich Sarahs Mutter Elke (35), Vater Karl (46) und Schwester Sabrina (12) an. Gemeinsam wird Musik gemacht. Bei der Familie Buckreus gehört die Hausmusik nämlich fest zum Familienleben.


Im Verein und privat aktiv

Dem Pressiger Ehepaar Elke und Karl Buckreus, das es mittlerweile nach Kronach verschlagen hat, steckt das Musizieren im Blut. "Mit 16 habe ich privat den ersten Musikunterricht gegeben", erinnert sich die 35-Jährige. Später hatte sie etwa fünf Jahre lang die musikalische Leitung an der Orchesterschule Pressig-Stockheim inne. Inzwischen wurde aus ihrer Berufung auch ihr Beruf: Elke Buckreus unterrichtet an der Siegmund-Loewe-Schule und betreut dort auch die Holzbläser der Bläserklasse. Ihr Mann war als Dozent an der Orchesterschule und zudem als Dirigent des Musikvereins Pressig tätig. "Zurzeit bin ich Baritonist bei der Stadtkapelle Teuschnitz", stellt der begeisterte Musiker fest.

Die Töchter haben das Musik-Gen der Eltern geerbt. "Mit vier Jahren habe ich mit Geigespielen angefangen", sagt Sabrina, die inzwischen viel mehr Instrumente im Griff hat. E-Gitarre, Oboe, Klarinette, Gitarre und Saxofon zählt sie auf. Und ihre Schwester Sarah übt fleißig Gitarre, Fagott und Klavier.

Wenn es in den Keller geht, dann blüht die ganze Familie auf. Dort hat Karl Buckreus eigens einen Musikraum eingerichtet. "Ich find's schön, wenn wir zusammen spielen", freut sich Sabrina schon, die den modernen Chart-Hits nicht so viel abgewinnen kann. Dass die Kinder so viel Spaß am Musizieren haben, liegt sicher auch daran, dass die Musik im Hause Buckreus nicht zum Zwang wird. "Wir proben, wenn es passt, wir machen die Zeiten nicht so fest", erklärt Elke Buckreus.

"Die Kinder sind da mit reingewachsen", ergänzt ihr Mann. Sie hätten ihre Töchter früher zum Musikunterricht mitgenommen, und so hätten sie sich von Anfang an "reingehört". Inzwischen spielen beide Kinder auch mit dem Gedanken, später vielleicht sogar beruflich etwas mit Musik zu machen.

Manchmal ist beim Musizieren auch die Nachbarschaft vertreten. "Da trommelt man immer wieder mal ein paar Leute zusammen", freut sich die 35-Jährige auf das gemeinsame Spiel.

Und Karl Buckreus sieht gar überhaupt Problem darin, sich mit anderen Leuten für ein Ständchen zusammenzutun. "Musiker sind in der Regel offene Menschen", ist er überzeugt. "Musik ist etwas Generationen Übergreifendes. Die Kinder - zum Beispiel beim Jugendorchester - finden es auch toll, wenn mal Ältere mitspielen", fügt seine Frau an.

Elke Buckreus glaubt daher nicht, dass die Hausmusik am Aussterben ist. "Es gibt viele Musiker bei uns", blickt sie auf ihr persönliches Umfeld. Selbst den modernen Medien will sie nichts Schlechtes nachsagen. Sie sieht in ihnen weniger eine Ablenkung von traditionellen Hobbys wie der Musik als vielmehr eine Chance, diese Beschäftigungen auf eine andere Ebene zu hieven. "Ich glaube, dass iPod und Internet Musikern Vorteile bieten", sagt sie. Wo früher mühsam Noten und Interpretationen gesucht werden mussten, kann man sich heute mit Youtube auf Knopfdruck einen Überblick verschaffen.

Die Bandbreite der Melodien, die im Keller erklingen, ist groß. Kirchenlieder, weihnachtliche Klänge, Volksmusik - erlaubt ist, was gerade gefällt. Und was gebraucht wird. Die Familie Buckreus ist nämlich nicht nur in den eigenen vier Wänden aktiv. Bei verschiedenen Anlässen tritt sie auch gemeinsam auf. Bei Hochzeiten hat sie ebenso schon musiziert wie bei Beerdigungen. "Jetzt spielen wir auf einer Weihnachtsfeier", blickt Elke Buckreus auf die bevorstehende Adventszeit.

Kaum gesagt, erwachen die Blasinstrumente der fünf Musiker auch schon zum Leben, und festliche Melodien erklingen. Einen Musikraum "damit wir niemanden stören", hätte Karl Buckreus gar nicht gebraucht. Denn von diesen Klängen würde sich die Nachbarschaft vermutlich gerne in den Feierabend begleiten lassen.