Das Amtsgericht Kronach hat am Donnerstag einen 50-jährigen Mann wegen des Besitzes kinder-und jugendpornografischer Schriften zu einer Geldstrafe verurteilt. Mit 75 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro (3750 Euro) kam der Mann aus dem östlichen Landkreis Kronach mit einer verhältnismäßig milden Strafe davon. Beim Strafmaß profitierte der Angeklagte davon, dass seine Tat bereits über zwei Jahre zurückliegt und er somit nach damaligem Sexualstrafrecht verurteilt wurde. Vor etwa einem Jahr hat der Bundestag das Gesetz gegen Kinderpornografie an einigen Stellen verschärft.

Nach dem Verlesen der Anklageschrift, wurde aus der ursprünglich öffentlichen Sitzung für rund eine halbe Stunde eine nicht-öffentliche Verhandlung. Strafverteidiger Alexander Betz beantragte für die Einvernahme seines Mandanten, die Öffentlichkeit auszuschließen. "Es werden schutzwürdige Informationen über die Ehefrau gemacht, nichts Spektakuläres, aber die Angaben übersteigen das Öffentlichkeitsinteresse", begründete der Verteidiger aus München die Forderung. Staatsanwalt Timm Hain zeigte sich zwar überrascht, dass die Ehefrau in diesem Fall eine Rolle spiele, hatte aber nichts dagegen. Nachdem sich Richter Hendrik Wich für einige Minuten zurückgezogen hatte, kam er schließlich dem Wunsch des Verteidigers - aufgrund des Schutzes der Persönlichkeitsrechte - nach.

Der öffentliche Teil der Sitzung wurde mit der Vernehmung der beiden Zeugen fortgesetzt. Dabei schilderten zwei Coburger Polizeibeamte die Entwicklung des Sachverhalts. Im Oktober 2013 befand sich das Smartphone des Angeklagten zur Reparatur bei einem Spezialisten in Flensburg. Ein Mitarbeiter des Reparatur-Service entdeckte dabei auf dem Handy sechs Bilder von nackten Personen in "unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung". Laut Anklageschrift waren die abgebildeten Personen zwischen 14 und 18 Jahren alt. Der Mitarbeiter erstattete daraufhin Anzeige bei der Kriminalpolizei Flensburg.


1000 pornografische Dateien

Da der Angeklagte im Landkreis Kronach wohnhaft ist, wurde der Fall der Kripo Coburg übergeben. Bei der Hausdurchsuchung des 50-jährigen Angeklagten, konnten ein weiteres Handy, ein Laptop und diverse Speichermedien sichergestellt werden. Auf dem Laptop entdeckte die zuständige technische Stelle der Polizei 65 Bilder und acht Videos, die sexuelle Handlungen "von, an oder vor Personen unter 14 Jahren" zeigten. Darunter auch Videos, die den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern abbilden. Laut Anklageschrift war dem 50-Jährigen bekannt, dass die Kinder noch nicht 14 Jahre alt waren. Neben den kinderpornografischen Schriften, fand die Polizei auf dem Rechner insgesamt rund 1000 Dateien mit pornografischem Hintergrund.

Den Tatbestand an sich, den Besitz und die Aufbewahrung der Dateien, konnte der Angeklagte in der Verhandlung wegen der eindeutigen Beweislage nicht leugnen. Die äußeren Umstände allerdings stellte der 50-Jährige für sich anders dar. Ein 46-jähriger Polizeibeamter, der als Zeuge geladen war, stellte im Gericht die Ergebnisse der technischen Auswertung vor. So würden die Bilder und Videos auf dem Handy vom Nachrichtendienst "WhatsApp" stammen. Die Dateien seien dort im Bilderordner der gesendeten Nachrichten gefunden worden, erklärte der Polizeioberkommissar dem Richter. An welchem Empfänger die Dateien in WhatsApp geschickt wurden, wäre jedoch nicht bekannt. Die entsprechenden Bilder und Videos soll der Angeklagte dann bewusst von seinem Handy in verschiedene Ordner auf seinen Laptop kopiert haben. Diesen Vorwurf bestritt der 50-Jährige. Er habe die kinderpornografischen Dateien nicht bewusst auf seinen Laptop kopiert, sondern die Übertragung erfolgte durch eine automatische Sicherheitskopie.

Eine weitere Zeugin, eine 38-jährige Polizeibeamtin aus Coburg, erzählte von den drei Vernehmungen, die sie mit dem Angeklagten durchführte. Demnach wurden ihm die kinderpornografischen Dateien gegen seinen Willen von einer bestimmten Person zugeschickt. Normalerweise würde er solche Dateien sofort löschen. In dem Fall wollte er die Bilder und Videos sammeln, um später bei der Polizei Anzeige gegen diese Person zu erstatten, schilderte die Zeugin. Zu einer Anzeige kam es nie. "Ich halte diese Aussage nicht für ganz glaubwürdig", sagte die Polizeibeamtin im Gericht.

Nach der Vernehmung der Zeugen, befragte Richter Hendrik Wich den Angeklagten nach persönlichen und wirtschaftlichen Aspekten. Der Angeklagte kann ein geregeltes Einkommen vorweisen. Für den Unterhalt seines Sohnes bezahlt er monatlich rund 500 Euro. Eintragungen ins Bundeszentralregister hatte der 50-Jährige noch keine.


Angeklagter nicht pädophil

In seinem Plädoyer stellte Staatsanwalt Timm Hain fest, dass sich seine Meinung weiter verfestigt habe. Wegen des Besitzes von kinderpornografischen Schriften müsse der Angeklagte schuldig gesprochen werde. Wie die Dateien auf den Laptop übertragen wurden, sei irrelevant. Beim Strafmaß spreche zu seinen Gunsten, dass er ein Geständnis ablegte, mit der Einziehung und Vernichtung seines Handys und Computers einverstanden war und die Anzahl der Dateien vergleichsweise gering sei, so der Staatsanwalt. Da die Menge an sonstigem pornografischen Material um ein Vielfaches größer sei, gebe der Angeklagte eher das Bild eines "willkürlichen Sammlers" als das eines Pädophilen ab. Der Staatsanwalt plädierte für eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 70 Euro.

Einigkeit herrschte mit dem Strafverteidiger über den reinen Tatbestand. Strafmildernd führte Alexander Betz an, dass die Tat schon länger zurückliege und bei den Bildern auch viele "reine Posing-Bilder" dabei waren. Der Verteidiger schlug daher eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 45 Euro vor. Das abschließende Urteil von Richter Hendrik Wich lag dazwischen. Wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften wurde der 50-Jährige zu einer Geldstrafe von 3750 Euro verurteilt. Die Kosten des Verfahrens muss der Angeklagte tragen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Das letzte Wort hatte der Verurteilte: "Ich weiß, dass ich Mist gebaut habe. Es war ein Fehler, dass ich die Bilder nicht gelöscht habe. Dafür halte ich jetzt meinen Kopf hin."