Randaliert, geschlagen und misshandelt wurde ein 27-jähriger Mann in seiner Wohnung in einem Kronacher Stadtteil an einem Tag im September 2019 gegen 20 Uhr. Kaum ein Augenzeuge oder Nachbar wollte später etwas von den Machenschaften in dem Mehrfamilienhaus gehört oder beobachtet haben. Zwei mutmaßliche Täter aus dem Landkreis Kronach mussten sich dennoch seit Ende Dezember vergangenen Jahres vor dem Kronacher Schöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten (der FT berichtete).

Der Mieter der Wohnung hatte damals kurz nach dem Vorfall Anzeige gegen die beiden Angreifer und Sachbeschädiger erstattet und detaillierte Angaben zu Ross und Reiter gemacht. Dennoch: Wer die damaligen Täter waren, bleibt nun wohl für immer ungeklärt. Das Verfahren wurde am Freitag von Richterin Claudia Weilmünster gegen beide ohne Auflagen eingestellt.

Der Grund: Selbst der Geschädigte selbst und einzige Belastungszeuge, der damals mit angeblich gutem Erinnerungsvermögen bei der Polizei glänzte, zeigte in seiner Zeugenvernehmung erhebliche Gedächtnisverluste am gestrigen zweiten Verhandlungstag.

Die beiden angeklagten Männer im Alter von 23 und 27 Jahren sollen damals, so die einstigen Beschuldigungen der Staatsanwaltschaft, die Türe der Wohnung eingetreten und einiges an Mobiliar zerstört haben. Angeblich folgten mindestens 15 Schläge und Tritte gegen den Kopf und gegen den Körper des ihnen bekannten Bewohners.

Lediglich eine Zeugin und Mitbewohnerin des Hauses erinnerte sich im Gerichtssaal, dass sie den Höllenkrach aus der Wohnung mitbekommen und ihr Nachbar später körperlich "ziemlich verunstaltet" ausgesehen habe.

Angeklagter schweigt

Der 23-jährige Angeklagte hüllte sich zum Prozessauftakt gegenüber der Richterin in Schweigen und hielt das bis zum Ende durch. Der 27-Jährige glaubte, dass er von seinem ehemaligen Kumpel grundlos angezeigt wurde. Wohl ein Racheakt wegen schlecht abgelaufener Drogengeschäfte. Der Geschädigte war ohne Entschuldigung im Gerichtssaal nicht erschienen, deshalb wurde die Verhandlung fortgesetzt.

"Ich war damals krank", entschuldigte sich der Geschädigte am Freitag nun im Gerichtssaal für seine einstige Abwesenheit. Nur kleinlaut und zögerlich gab dieser auf intensive Nachfrage der Richterin über den damaligen Tatabend Auskunft.

"Es hat damals Schläge an meiner Tür gegeben, dann standen zwei Personen da", war einer seiner ansonsten spärlichen Lichtblicke. Ob die Eindringlinge die beiden Angeklagten waren, einer davon sein ehemalige Bekannter, habe er nicht erkannt. "Die hatten eine Maske auf", erklärte er. Richterin Weilmünster verwundert: "Im Jahr 2019 gab's noch kein Corona und keine Maskenpflicht." Der Zeuge weiter: Dann sei alles ganz schnell gegangen. Zwar habe er einige Schläge von den beiden Typen bekommen, wie viele, wisse er jedoch nicht. Ob es die Angeklagten waren könne er nicht sagen. Seine erlittenen Verletzungen minimierte er: "Ich hatte höchstens ein paar blaue Flecken."

Ein anonymer Anruf

Erst nach eindringlicher Nachfrage, ob er im Nachhinein von Personen wegen der Anzeige bedroht worden sei, gestand der Zeuge: Einmal habe er einen derartigen anonymen Anruf bekommen, von wem wisse er nicht. Der Zeuge beteuerte immer wieder, "ich kann mich an gar nichts mehr erinnern." Möglicherweise habe es auch daran gelegen, dass er damals kurz vor einem Drogenentzugsaufenthalt in einer Klinik gestanden habe.

Nach einem nichtöffentlichen Rechtsberatungsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten, jedoch ohne Angeklagte, beendete die Richterin das Verfahren folgenlos für die beiden mutmaßlichen Täter.