Die Amtsgerichtsstraße mit Blick auf die ehrwürdige Stadtpfarrkirche, das prägnante Hörings-Gebäude mit der anmutigen Muttergottes-Figur an der Hauswand oder das so einladend wirkende Café am Bamberger Tor, flankiert von der alteingesessenen Stadt-Apotheke, im Vordergrund der prächtige St.-Johannes-Brunnen - mit großer Detailverliebtheit hält Ernst Ludwig Wollitz diese und weitere vertraute Kronacher Ansichten in seinen Bildern fest und fängt darin auch den Alltag aus dem Stadtleben ein. Jeder noch so feinste Pinselstrich ist eine Hommage an seine frühere Heimat, die er weiterhin fest im Herzen trägt.

Architektonische Vielfalt motiviert

" Kronach ist eine reizvolle Stadt. Ihre architektonische Vielfalt ist überwältigend und motiviert. Ihr Charme sowie die verblüffenden bautechnischen Varianten beeindrucken mich sehr", schwärmt der 79-Jährige, der von 2004 bis 2008 im Landkreis Kronach lebte. Obwohl er mittlerweile in Hassenberg im Landkreis Coburg beheimatet ist, bezeichnet er die Lucas-Cranach-Stadt nach wie vor als seinen Lieblingsort, was man seinen mit viel Akribie und Sorgfalt geschaffenen Kronacher Bilderwelten dann auch deutlich anmerkt.

In der Spielzeugindustrie zu Hause

"Ich male seit meiner Jugend mehr oder weniger intensiv. Öfter legte ich den Malstift ganz beiseite", erzählt Ernst Ludwig Wollitz , der sich - auf Drängen seiner Mutter - 1958 an der Akademie für bildende Kunst in Dresden bewarb und dort drei Jahre Malerei studierte. Ein Jahr danach besuchte er die Spezialschule für Spielzeug in Sonneberg. "Dort fand ich meine ,künstlerische Heimat' und widmete mich intensiv der Spielzeugindustrie - unter anderem zehn Jahre der Modelleisenbahn , zwölf Jahre der Puppenindustrie und mehrere Jahre danach intensiv dem Spielzeugdesign", so der Künstler, der auch zwei Handbücher für Puppenmacher und Spielzeug für Kleinkinder verfasste ( Augustus Verlag GmbH Augsburg 1992 und 1994). Beide Bücher sind mit ausführlichen Handzeichnungen versehen. Nach der Wende verschlug es ihn nach Limburg a.d. Lahn. Von dort wurde er zwei Jahre später nach Sri Lanka berufen, um "junge Leute zu inspirieren und anzutreiben". Nach mehreren späteren Ausflügen dorthin, machte er sich bis zur "Rente" selbstständig.

Skizzen und Fotos

Seine Maltechnik ist nicht festgelegt. "Sie wird eher vom Vorbild bestimmt. Ich verwende Aquarell, Öl sowie auch Tempera und Acryl. Die Größe der Bilder ergibt sich durch die Vorlage des Originals", verdeutlicht Ernst Ludwig Wollitz , der zu Hause in seinem kleinen Atelier arbeitet. Im Stile seiner Kronacher "Momentaufnahmen" hat er rund 15 Bilder geschaffen. Die Fertigstellung eines Bildes beansprucht dabei - je nach Intensität - 20 bis 30 Stunden. "Ich fertige an Ort und Stelle Skizzen per Block. Danach mache ich einige Farbfotos, um Proportionen und Farben einigermaßen zu kompensieren", erklärt er. Einige seine Bilder - eher Skizzen und Porträts - schmücken sein Wohnzimmer.

Ein Fahrrad ist immer im Bild

Was für ein wunderschönes Kronach ! Was für zauberhafte Bilder! Faszinierend an seinen geradezu liebevoll gestalteten Impressionen, denen er immer einen blauen Himmel, Sonnenschein und jede Menge "Wohlbehagen" schenkt, sind insbesondere ihre Lebendigkeit, oftmals auch mit fröhlichen Menschen - ob im Café sitzend, beim Anstellen an der Eisdiele oder beim gemütlichen Plausch. Viele sehr kleinteilige Motive zeugen von einer großen Detailverliebtheit und guter Beobachtungsgabe. Auffällig ist ein Fahrrad, das auf keinem seiner Werke fehlen darf. "Das ist so etwas wie mein ein Erkennungszeichen. Meine Leidenschaft war Radfahren. Ich bin etwa 50 Kilometer pro Tag gefahren. Daher ist das Rad mein Talisman", verrät der Hassenberger, der aktuell an mehreren Motiven arbeitet. Was diese zeigen? Wie könnte es anders sein: natürlich Kronach !