Eine lebensprägende, schicksalhafte Begegnung machte eine 16-Jährige aus dem Landkreis Kronach im Mai auf dem Gelände der Landesgartenschau in Kronach. Die Schülerin wurde damals von einem 25-Jährigen angesprochen, und um ihre Hilfsbereitschaft gebeten. Der Lohn für ihre Gutmütigkeit: Sie wurde Opfer seiner sexuellen Übergriffe. Eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren erhielt der Familienvater am Dienstag vom Kronacher Jugendschutzgericht unter Vorsitz von Richter Jürgen Fehn wegen sexueller Nötigung.

Der 25-Jährige wurde kurz nach der Tat nach öffentlicher Fahndung schnell ermittelt, vor allem auch durch die Täterbeschreibung des Opfers und deren Freundin. Er saß zu Verhandlungsbeginn am Dienstag bereits zehn Wochen in Untersuchungshaft.

Angeklagter bittet Jugendliche ihm zu helfen - dann kommt es zum Übergriff

Die einstigen Geschehnisse nach Schilderung von Staatsanwalt Frank Dietze: Der Angeklagte soll die Schülerin zuerst gegen 20.30 Uhr aufgefordert haben, ihr bei der Suche seines verlorengegangenes Handys zu helfen. Im Pavillon in der Nähe des Einkaufsmarktes soll er dann mit seinen Übergriffen begonnen haben. Es folgten versuchte Küsse und Zungenküsse, gewaltsame Übergriffe auf den Oberkörper und im Intimbereich über und unter der Kleidung. Obwohl die Schülerin sich mit ihrer zur Verfügung stehenden Kraft gewehrt und ihn zum Aufhören aufgefordert habe, soll dieser erst abgelassen haben, als die Freundin des Opfers zum Tatort kam. Der Angeklagte flüchtete mit dem Fahrrad.

Weitgehend mit Händen über den Augen, gepaart mit stetigem weinerlichen Schluchzen folgte der Angeklagte der Verhandlung. "Ich entschuldige mich bei allen, ich kann mich aber an die Geschichte nicht mehr erinnern, zumindest nicht an die Details", informierte er über seine Dolmetscherin. Dennoch gestand er, dass es wohl die sexuellen Übergriffe, wie vom Staatsanwalt geschildert, gegeben habe. Als Grund für seinen Filmriss nannte er: An dem Abend habe er in kürzester Zeit fünf Bier getrunken. Sein normaler Konsum ansonsten drei Flaschen täglich. Erneut betonte der Angeklagte: "Ich war nicht ganz da."

Dennoch erinnerte er sich: "Ich habe gedacht, dass das sie älter ist, vielleicht 20." Auf die Frage des Richters gab er weiter zu, dass er damals, weil verheiratet, unter keiner sexuellen Abstinenz gelitten habe. Seiner Ehefrau habe er bis heute noch nicht erzählt, warum er im Gefängnis sitzt.

Angeklagter: Seine Frau weiß bis heute nicht, warum er im Gefängnis sitzt

Die 16-jährige Schülerin, Opfer der Übergriffe, berichtete von ihren einstigen Erlebnissen, die sie noch heute psychisch schwer belasten. "Ich schlafe weniger, habe Ängste bei der Dämmerung alleine unterwegs zu sein." Demnächst werde sie sich in psychiatrische Behandlung begeben. Auch sie erinnerte sich teils unter Tränen: Ihre Bekannten, mit denen sie damals in der Gartenschau unterwegs gewesen sei, hätten für kurze Zeit das Gelände verlassen. Der Angeklagte, ohne Deutschkenntnisse, sei auf sie zugelaufen, habe "Hallo" gerufen und sie um die Mitsuche ihres Handys gebeten.

Die Zeugin: "Ich war nicht unfreundlich, ich wollte ihm helfen." Sie habe nicht den Eindruck gehabt, dass er betrunken war. Der habe seinen Vornamen und sein Herkunftsland verraten. Im Pavillon, wo man noch nach dem Handy suchte, sei er dann unter anderem aggressiv und fordernd geworden. Dann folgten die Geschehnisse wie vom Staatsanwalt geschildert. Erst als die Freundin zurückkehrte und gerufen habe "Lass sie in Ruhe", sei der Angeklagte geflüchtet. "Im Nachhinein habe ich gedacht, er wollte mich vergewaltigen." Erst auf Drängen ihrer Freundin habe sie die Geschehnisse am nächsten Tag ihren Eltern erzählt, die Anzeige erstatteten.

Der Angeklagte beteuerte während der Aussage der Zeugin stetig wiederholend: "Ich bereue es so, ich kann mich nicht erinnern, verzeihen Sie mir. Ich kann ihr nicht ins Gesicht schauen, ich schäme mich so." "Die Geschädigte ist durch die Folgen der Tat in ihrem Alltag erheblich geschädigt", kritisierte der Staatsanwalt. Diese fühle sich durch die Übergriffe beschmutzt, die Folgen seien für sie eklatant. Dem Angeklagten verdeutlichte er, dass die Tat für ihn, der als Asylbewerber in Deutschland zur Zeit nur geduldet sei, zur Ausweisung führen kann. Dietze wollte eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. "Es gibt keine Zweifel an den Aussagen der Geschädigten", gab auch Verteidiger Michael Linke zu. Er gab auch zu bedenken, dass in der Kultur des Angeklagten bedauerlicherweise mit Frauen anders umgegangen werde, was jedoch keinesfalls eine Entschuldigung sei.

"Vielleicht ist es strafrechtlich doch ein minderschwerer Fall", gab Linke zu bedenken. Zum Glück habe es nur Berührungen gegeben. In der Haft sei seinem Mandanten klar geworden, dass er sich in Deutschland an Regeln zu halten habe. Linke wollte eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren, die vielleicht zur Bewährung ausgesetzt werden könnte.

"Kein minderschwerer Fall"

Es sei kein minderschwerer Fall, sagte der Richter in seinem Urteil. Bei der Tat handele es sich um einen Verbrechenstatbestand. Die Zeugin habe keinen Belastungseifer gezeigt. "Sie hat beileibe nicht übertrieben." Ohne Geständnis hätte dem Angeklagten eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren gedroht. "Es muss ein Zeichen gesetzt werden, dass es so nicht geht", so der Richter.