Wer aufmerksam vom Parkplatz hinter dem Kronacher Rathaus zur Festung Rosenberg spaziert, wird in der Grünfläche vor der Justizvollzugsanstalt, dem "Salzbau", eine Sandsteinmarter wahrnehmen, die den Eindruck erweckt, als stünde sie schon immer an diesem Platz. Aber weit gefehlt. Dieses harmonische Bild mit dem Kriegerdenkmal und der Festung im Hintergrund gibt es erst seit dem Jahr 1974. Vorher war hier nur eine Grünfläche. Wie kam es nun dazu, dass sich hier eine Marter präsentiert, die einst an einem ganz anderen Ort stand?
Auslöser war der Abbruch der nördlichen Häuserzeile auf dem Marktplatz im Jahr 1972, wodurch die hinter den Häusern liegenden Gärten zugänglich wurden. Beim Sichten der Baustelle und des Abbruchmaterials kamen die Überreste einer Sandsteinmarter zum Vorschein, von deren Existenz bislang niemand wusste. Es handelte sich dabei um einen mit seitlichen Voluten verzierten Sockel, der erkennen ließ, dass er einmal eine Säule getragen hatte: Der Eisendübel als Verbindungsstück ragte noch aus dem Stein und lieferte auch die Erklärung, warum fingerbreite Risse den Sockel gespalten hatten. Unweit vom Sockel, zum Teil eingesunken und von Erdreich überdeckt, befand sich ein schlanker Aufsatz, der an allen Seiten mit religiösen Motiven verziert war.

Nach dem Reinigen der Reliefs zeigte sich die Schönheit der Bildhauerarbeit: An den breiten Schauseiten war eine Darstellung der Krönung Mariens zu erkennen und auf der gegenüber liegenden Seite ein reliefiertes Kreuz mit Kleeblattenden. An den Schmalseiten, unter schützenden Muschellünetten angeordnet, hatten sich die Reliefs vom Heiligen Antonius von Padua mit dem Jesuskind und dem Heiligen Petrus mit den Himmelsschlüsseln sehr gut erhalten. Von der dazugehörigen Säule oder dem Kapitell war allerdings nichts mehr zu finden. Nachforschungen über die Herkunft der Marternteile verliefen ebenso ergebnislos, sodass es ein Geheimnis bleiben wird, an welchem Ort sich die Marter ursprünglich befand.

Beim damaligen 1. Bürgermeister Baptist Hempfling rannte man offene Türen ein mit dem Anliegen, die historischen Stücke aus dem 17./18. Jahrhundert zu erhalten und eine Restaurierung und Wiederaufstellung in die Wege zu leiten. Er übernahm sogar die Restaurierungskosten. So blieb nur noch die Frage nach einem geeigneten Standort. Man war sich einig, dass das Kleindenkmal unweit des Fundortes aufgestellt werden sollte - die von niedrigen Hecken umgrenzte Grünfläche vor dem Justizgebäude bot sich an. Da diese Fläche jedoch nicht der Stadt, sondern dem Freistaat Bayern gehört, führte der Bürgermeister ein Gespräch mit dem damaligen Leiter der Anstalt, der bereitwillig seine Zustimmung gab.


Vier Einzelteile

Nachdem der Stadtbauhof das nötige Fundament geschaffen hatte, wurde das Denkmal am 14. Juni 1974 aufgestellt. Ohne maschinelle Hilfe, nur unterstützt durch die städtischen Arbeiter, setzte man die vier zentnerschweren Einzelteile aufeinander. Als Schaft verwendete der Bildhauer Heinrich Schreiber eine Sandsteinsäule, die von einem eingelegten Pavillon aus dem Linkschen Garten im Dobersgrund stammte. Ein neues Kapitell, das als Zierelemente die Voluten des Sockels wiederspiegelt, nahm den Aufsatz auf.
Mit Sicherheit wären die historischen Steine durch die Großbaustelle des Rathausneubaus verloren gegangen, hätte es nicht diese Aktion gegeben, denn am Fundort der Marternfragmente entstand der heutige Parkplatz hinter dem Rathaus.