An Christi Himmelfahrt ist es in vielen katholischen Gebieten heute noch üblich, dass sich die Gläubigen zu einer Flurprozession zusammenfinden, um gemeinsam betend und singend durch Wald und Feld zu ziehen. Seit Jahrhunderten begeben sich auch die Kronacher alljährlich zur Wallfahrtskirche nach Glosberg, um den Segen Gottes für die Fluren zu erbitten.

Vielen Menschen in Kronach und Umgebung ist deshalb der Franziskanerweg bekannt, den die Prozession in früheren Jahren nahm. Dieser Weg führt vom Kloster in Kronach ausgehend durch das Haßlachtal, immer am westlichen Fuße des Kammberges entlang zu den "Heiligen Teichen" bei Birkach, um schließlich als Ziel die Wallfahrtskirche "St. Maria" in Glosberg zu erreichen. Seinen Namen erhielt er in Erinnerung an die Franziskaner, die von 1732 bis 1745 täglich den Weg von Kronach nach Glosberg zurücklegten, um die vielen Wallfahrer geistlich zu betreuen.

Entwürdigender Zustand

Entlang dieser Wegstrecke stifteten gläubige Pilger etliche Gebetsstationen in Form von mehreren Bildstöcken und einem Kreuzweg mit fünf Stationen. Bei einer von 1969 bis 1974 durchgeführten Inventarisation fand der Verfasser diese Kreuzwegstationen in einem entwürdigenden Zustand vor. Zum Glück hatte die erste Station mit dem Relief von Christus am Ölberg einigermaßen unbeschädigt die Zeiten überdauert. Sie steht unterhalb vom Krugsberg und ermöglichte es, die Restaurierung exakt im Stil des 18. Jahrhunderts auszuführen.

Die zweite, die dritte und die vierte Station lagen in Trümmern und nicht nur sprichwörtlich im Dreck. Kein Wunder, dass man die Steine zweckentfremdete. So verwendete man Einzelteile der religionsgeschichtlichen Denkmäler als Trittsteine über den Wassergraben oder sie lagen unbeachtet am Wegesrand. Richtig traurig erging es der fünften Station bei den Heiligen Teichen. Zusammengestürzt störten auch hier die Überreste des Denkmals die angrenzenden Grundstücksbesitzer bei der Feldbestellung.

Mehrmals wanderten die Steine über die Grundstücksgrenze zum Nachbargrundstück und wieder zurück, da sich keiner zuständig fühlte. Schließlich entschloss sich einer der Beteiligten dazu, den "Zankapfel" zu beseitigen und als Schüttgut zur Hofbefestigung in Gut Birkach zu verwenden.

Wer war der Bildhauer?

Leider kann bis heute kein Nachweis darüber geführt werden, wer der Bildhauer war, der einstmals diese kunstvollen Bildwerke schuf. Jedoch gelang es zwischenzeitlich, zumindest einen Stifter namentlich zu ermitteln. Das Stadtarchiv Kronach verwahrt einen handschriftlichen Zettel von Stadtbaurat Werner, auf dem er eine äußerst hilfreiche Beobachtung festgehalten hat. Vermutlich auf einer Wanderung über den Franziskanerweg war ihm in Höhe von Knellendorf ein beschrifteter Stein aufgefallen, der als Trittstein über dem Wassergraben lag. Er berichtet, dass sich auf einem "Durchlaßstein bei Knellendorf am Kloßbergerweg" eine Inschrift mit folgendem Wortlaut befindet: "Die Kleider werden hier dem Heiland abgerissen, er steht da kalt und bloß als ein rechtes Jammerbild und wird für uns gegeißelt..."

"Bürger in Lichtenfels"

Unterhalb dieser eingemeißelten Inschrift befand sich der Name des Stifters, der leider schon damals nicht mehr zu entziffern war: "Johann (M) ar..er, Weißgerber, Bürger in Lichtenfels 1735." Mit Sicherheit war dieser Schriftstein einstmals das Mittelstück einer Kreuzwegstation, vermutlich der dritten. Im Relief ist u. a. Christus am Boden liegend dargestellt, wie er seiner Kleider beraubt und geschlagen wird.

Bemerkenswert ist die Feststellung, dass die Bildinhalte der einzelnen Stationen am Franziskanerweg ihre Vorbilder in den Reliefs der Kreuzwegstationen im Ordensfriedhof in Vierzehnheiligen haben, denn sie zeigen nahezu identisch jeweils die gleichen Leidensszenen. Die Kreuzwegstationen in Vierzehnheiligen wurden im Jahre 1691 geschaffen. Sie werden dem Umfeld des Bildhauers Georg Burckhart zugeordnet, der auch weitere Martern und Denkmäler im Landkreis Lichtenfels geschaffen hat. Bezeichnenderweise ist es ein Lichtenfelser Bürger, der als Stifter einer Station am Franziskanerweg nachzuweisen ist. Man darf davon ausgehen, dass er die Bilder an den Stationen in Vierzehnheiligen kannte, die ihn dazu veranlassten, thematisch gleichgestellte Kopien in Kronach anfertigen zu lassen. Oder war es gar ein Lichtenfelser Bildhauer, der unsere Stationen schuf? Wie lange die Stationen eingestürzt am Boden lagen, wusste schon damals niemand mehr zu berichten. Fest stand nur, dass sich kein Grundstücksanlieger, keine Gemeinde und kein Politiker für die religiösen Flurmale verantwortlich fühlte, um sich für eine Restaurierung einzusetzen.

Vorbildliche Zusammenarbeit

Die Wiederherstellung der Stationen erfolgte schließlich im Jahre 1977 im Zuge der in diesem Gebiet durchgeführten Flurbereinigung. Angeregt durch die Kreisheimatpfleger Willi Schreiber und Roland Graf, welcher die "Aktion zur Rettung der Flurdenkmäler im Landkreis Kronach" ins Leben gerufen hatte, zeigte sich die Teilnehmergemeinschaft bereit, die anfallenden Kosten von 20.000 DM zu übernehmen. In vorbildlicher Zusammenarbeit zwischen der Flurbereinigungsdirektion Bamberg, der Teilnehmergemeinschaft, den Heimatpflegern und dem Bildhauer Heinrich Schreiber, gelang es, den Stationen entlang des Franziskanerweges wieder ihr ursprüngliches Aussehen zu verleihen. In einer Feierstunde, an der neben dem ständigen Vertreter des Präsidenten der Flurbereinigungsdirektion Bamberg, Lorenz Bundscherer und der verantwortliche Leiter vor Ort Reinhard Kröniger, teilnahmen, zeigten sich auch die Vertreter des öffentlichen Lebens beeindruckt von der Ausstrahlung, die von den Stationen ausgeht.

Heute, nach fast vierzig Jahren, stehen sie immer noch in voller Größe und zur Freude der Wallfahrer und Wanderer entlang des Franziskanerweges. Sie haben in der Zwischenzeit Patina angenommen und vermitteln den Eindruck, als seien sie niemals zerstört gewesen. Kaum jemand wird sich noch daran erinnern, dass sie vor rund 40 Jahren in Trümmern am Boden gelegen und dem Verfall preisgegeben waren.