Der Wolf ist Gesprächsthema im Frankenwald. Unsere Zeitung erhielt den Hinweis einer Leserin, dass kurz vor Weihnachten ein Wolf im Wald von Nordhalben gesichtet worden sei. Weiter heißt es, dass man Wölfe gar nicht mehr so selten in der Region sehe. Stimmt das? Ist der Wolf wirklich im Frankenwald?

Wölfe in Franken: Wie verhält man sich bei einer Begegnung richtig?

Die Antwort des Kronacher Landratsamts lautet nein. Dort liegen keine bestätigten Erkenntnisse über eine Wolfssichtung vor, sagt Petra Brehm von der Unteren Naturschutzbehörde. "Wenn dem so wäre, wüssten wir davon." Einen Hinweis auf eine Wolfssichtung im Wald von Nordhalben hat es allerdings gegeben. Die Pressestelle des Bayerischen Landesamts für Umwelt bestätigt, dass am 14. Dezember ein Hinweis über ein großes Tier eingegangen ist.

Kein bestätigter Hinweis

Derartige Hinweise prüft das Landesamt anhand der sogenannten SCALP-Kriterien (siehe Infokasten). Da es sich bei der Sichtung Mitte Dezember lediglich um eine Beobachtung gehandelt hat, könne man diese nicht überprüfen, teilt die Pressestelle mit. Demnach handelt es sich um einen nicht bestätigten Hinweis (C3).

Dass jemand einmal einen Wolf im Landkreis zu Gesicht bekommt, schließt Brehm allerdings nicht gänzlich aus. "Wölfe legen sehr weite Strecken zurück. 60 Kilometer sind für sie so gut wie nichts", sagt Brehm. Einen Wolf auf Durchreise könnte man also tatsächlich gesehen haben. Damit von einem standorttreuen Wolf gesprochen werden kann, muss dieser allerdings über einen Zeitraum von sechs Monaten nachgewiesen werden.

Gerhard Müller, stellvertretender Forstbetriebsleiter Nordhalben, ist ebenfalls nichts von einer Wolfssichtung bekannt. "Allerdings rechnen wir damit, dass sich der Wolf früher oder später bei uns im Landkreis einstellen wird", sagt Müller. Wann das ist, könne aber niemand sagen.

Problematik mit Nutztieren

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Daher verfolgt Müller ganz genau, welche Erfahrungen seine Kollegen in anderen Forstbetrieben, wie im Veldensteiner Forst im Landkreis Bayreuth, mit Wölfen machen. Problematisch wird es nämlich, wenn Nutztiere gerissen werden. "Da sind mir aber keine Schäden bekannt", sagt Müller. Am schwierigsten ist aus seiner Sicht die Lage für Weidetierhalter. Diese müssten zusehen, dass sie ihre Tiere ausreichend schützen, zum Beispiel mit Elektrozäunen. "Ansonsten meiden Wölfe den Menschen", sagt Müller.

Eine größere Gefahr für den Menschen kann er daher nicht erkennen. Der Umgang mit dem Wolf sei einfach ungewohnt, sagt Müller. "Daran müssen wir uns erst wieder gewöhnen." Die Statistik unterstreicht das. Seit die Wölfe Mitte der 90er-Jahre wieder heimisch sind, hat es keinen Angriff auf Menschen gegeben. So ist es der Website des Landesamts für Umwelt zu entnehmen. Zum Vergleich: Seit 1989 starben dagegen 40 Menschen durch Hunde.

Viel Spekulation

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Bernhard Schmitt vom Jagdschutz- und Jägerverband Kronach weiß, dass beim Thema Wolf viel Spekulation dabei ist. Daran möchte er sich nicht beteiligen. "Eine gesicherte Erkenntnis, dass der Wolf im Frankenwald ist, gibt es nicht", betont Schmitt. Erst wenn einer auf einer Kamera auftaucht, habe man einen Beweis. "Und dann müssen Fachleute das erst einmal noch bestätigen", sagt er. Solange das nicht passiert ist, muss im Frankenwald weiter auf den Wolf gewartet werden. Gesprächsthema wird er wohl bleiben.