Nicht nur das Projekt der P-Seminare "Kirchenräume - Kirchenträume" dürfte ein Novum sein, sondern auch, dass 29 Schüler der zwölften Jahrgangsstufen des Kaspar-Zeuß- und des Frankenwald-Gymnasiums sich gemeinsam unter der Leitung von Matthias Simon mit einem Projekt auseinandersetzten.

Zwei davon waren Franziska Winter und Maria-Sophie Zipfel. 18 Monate lang haben sich die beiden Mädchen - ebenso wie die anderen Teilnehmer - mit Kirchen befasst. Sie begutachteten ihre Dorfkirche, studierten den Baustil, untersuchten die Tauglichkeit für die Gottesdienstfeiern.

Sechs Kirchen unter die Lupe genommen

Weitere Inspirationen gab es bei einer Exkursion nach Köln, die unter dem Thema "Kirchenbau am Rhein" stattfand.
Sechs Kirchen aus verschiedenen Epochen, einschließlich des Kölner Doms, wurden unter die Lupe genommen und mit Hilfe der Kunsthistorikerin und Theologin Martina Langel erschlossen.

Im nächsten Schritt ging es dann an die Arbeit. Und das, so Franziska Winter, war mit einer Menge Arbeit und Überlegungen verbunden. Wie entsteht ein Kirchenraum? Welchen Anforderungen muss dieser genügen? Welche Vorgaben gibt es seitens der Kirche?

Sie achteten bei ihrer Kirche darauf, dass die Räume im Innern viel Wasser symbolisierten. Denn Wasser sei ein Symbol des Lebens und dokumentiere Naturverbundenheit.

Die Umsetzung sei eine richtige Herausforderung gewesen, berichteten sie. Die rechteckige Inneneinrichtung musste mit dem achteckigen Umriss kombiniert werden.

Jede Woche habe man sich getroffen, berichteten die Mädchen. "Und es hat unheimlich Spaß gemacht!" Beide Schülerinnen räumten ein, dass sie durch das Projekt "Kirchenräume - Kirchenträume" eine andere Einstellung zur Kirche bekommen haben.

Glaskuppel und bewegliche Stühle

Domvikar Detlef Pötzl war beeindruckt: "Ich werde dem Bischof raten, dass er in den nächsten zehn Jahren mindestens drei Kirchen nach den Entwürfen bauen soll!"

Anregungen gibt es viele bei der Ausstellung und auch die anwesenden Pfarrer, unter anderem Regionaldekan Thomas Teuchgräber, staunten über die Kreativität der Jugendlichen. Beispielsweise wurde ein Taufbecken mit individuellen Hockern geschaffen, eine Kirche die einem Eistüten-Gutschein gleicht, bunte Glasfenster, feste und bewegliche Stühle etc.

Eine Kirche wurde in Form eines Fisches entworfen. Damit wollen die "Planer" auf die Dreifaltigkeit Gottes und auf die Urchristen hinweisen. Beeindruckend auch die Kirche mit der großen Glaskuppel, die bei den Besuchern Aufmerksamkeit wecken soll.

Aber auch auf das Areal "rund um die Kirche" wurde geachtet, es wurden beispielsweise Ruhebänke und Bäume angebracht, die zum Innehalten und die Naturverbundenheit zu Gott zum Ausdruck bringen sollen.
Deutlich wurde bei den Ausführungen der Schüler, dass sie bei der Realisierung ihrer Projekte auch darauf achteten, dass ihre Kirchen nicht nur ein Anziehungspunkt für Christen, sondern auch für Andersgläubige sein sollen. Die Kirchen "sollen offen für alle sein!"

Stellvertretender Landrat Gerhard Wunder war begeistert. "Ihr habt jetzt nicht nur Mathe gepaukt, sondern auch die Praxis kennengelernt." Er hatte auch gleich eine Idee für das folgende "P-Seminar", nämlich "Wie können wir diese Gotteshäuser mit Leben erfüllen!"

Stolz war auch der Leiter des Projektes "Kirchenräume - Kirchenträume", Matthias Simon. Er unterrichtet an beiden Gymnasien. Für viele junge Menschen sei die Kirche langweilig, altmodisch, sagte er . Die Kirche berührt sie nicht. Eine wesentliche Rolle für dieses Empfinden spiele auch der Raum, in dem Gottesdienste stattfinden.

Lob sprachen den Schülern die Schulleiter beziehungsweise stellvertretende Schulleiter der beiden Gymnasien, Klaus Morsch (FWG) und Günther Helmreich vom Kaspar-Zeuß-Gymnasium aus. Für die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung sorgte Philine Weissbach.