Schwierige Zeiten durchleben auch die Künstler. Die Corona-Pandemie hat ihnen die Möglichkeiten zur Präsentation ihrer Arbeit vielfach genommen. Ausstellungen können zurzeit nicht stattfinden. Ungeachtet dessen wird weiterhin intensiv gezeichnet und gemalt. Die Kunstschaffenden hoffen, dass bald wieder alles gelockert werden kann. Und dann können wir mit viel Kreativem rechnen, denn es tut sich einiges in den Ateliers.

Zwar konnte die Auswahl-Ausstellung zum internationalen Lucas-Cranach-Preis durchgeführt werden, aber auf die Finissage musste coronabedingt verzichtet werden, erklärt Ingo Cesaro, Vorsitzender der "Regionalen Kunstförderung Kronach e. V.". Ausgefallen sind auch der 15. Mitwitzer Künstler-Markt zusammen mit dem Fränkischen Gartenfest, der 2019 mit Cesaros 2. internationalen Vogelscheuchen-Wettbewerb noch mehr Interessierte nach Mitwitz lockte.

Ebenfalls musste die 38. Kunstmesse "ARTkronach" in der Kronacher Synagoge abgesagt werden. Beide Ausstellungen bieten vor allem für Künstler aus der Region die Möglichkeit, aktuelle Arbeiten einem breiten Publikum vorzustellen.

Hier ein kleiner Überblick über die Künstlerszene in Corona-Zeiten:

"Coronaopfer" im Rathaus

Die Bilder der letzten Ausstellung von Dieter Backert aus Küps hängen als "Coronaopfer" im Rathaus von Küps. Geplant war die Ausstellung von März bis Jahresende. Seit der Eröffnung im März ist das Rathaus nicht geöffnet und der Besuch schwierig. Ob die Ausstellung verlängert wird ist noch nicht klar. In den Sommermonaten des Corona-Jahres malte er ein großes historisches Acryl-Bild vom Gries und dem westlichen Küps um 1900. Es hängt wenig beachtet in der geschlossenen Rathaus-Galerie. Der Besuch der Ausstellungs-Eröffnung war überwältigend, ein kleiner Trost für Dieter Backert. Z. Z. arbeitet er an einer Serie von Porzellan-Tassen mit Ansichten der Schlösser des Marktes Küps. Und zu tun hat der Maler ständig, denn der kreative Teil meines Gehirns steht ja wegen Corona nicht still, betont er.

Anders dagegen Gabriele June Michel, deren Ausstellung zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Ulrike Bernardt "eins und eins = eins" in der Kronacher Synagoge für den 2. Mai geplant war, dann verschoben und schließlich vorerst abgesagt werden musste. Ingo Cesaro denkt an Mitte Juni 2021, wartet aber noch ab. Gabriele June Michel malt unbeirrt weiter, aber ihre Stimmung ist nicht besonders gut. Ihr fehlen, wie auch Dieter Backert, die Ausstellungen mit den zahlreichen Kontakten in Mitwitz und der Kunstmesse "ARTkronach", mitten in der Innenstadt Kronachs, also Kontakte überhaupt.

Abstraktes auf Flaschen

Christine Hirt aus Kronach vermisst vor allem die Kunstmesse mitten in der Lucas-Cranach-Stadt und den Mitwitzer Künstler-Markt. Und natürlich die Kontakte. Sie ist fleißig am Malen und hat gerade einen Zyklus mit vier Bildern von ihrer Lieblingsstelle hinter dem Biegenwehr an der Kronach den Jahreszeiten entsprechend gemalt.Und dann ihre bemalten Flaschen. Es macht ihr viel Spaß, erzählt sie, unterschiedlichste Flaschen, auch Bocksbeutel, mit speziellen Eddings mit abstrakten Motiven zu bemalen.

Bernd Dittmann, der von Anfang bei der "ARTkronach" und dem Mitwitzer Künstler-Markt dabei ist, wartet auf seine Einzel-Ausstellung die für Anfang April in der Galerie EINblicke geplant war. Nach der ersten Verschiebung hat er weitere Arbeiten gemalt, die dann mit in die Ausstellung kommen sollen.Es fehlen ihm auch die Kontakte, aber er ist zuversichtlich.

Auch die Malerin Karin Schöntag vermisst die immer wieder interessanten Kontakte und Gespräche mit Interessierten auf beiden Ausstellungen. Trotzdem ist sie weiterhin aktiv und hat eben erst ein Corona-Bild fertiggestellt. "Intensivstation ist nicht schön" hat sie ihre Arbeit sarkastisch betitelt. Struktur schaffte sie mit Asche, die sie dann mit Acrylfarbe übermalt hat. So verarbeitet sie eindrucksvoll diese schwierige Zeit und bleibt aktiv und malt weiter. Sie wartet auf die Lockerung und dass sich alles wieder normalisiert, damit sie wieder Kontakte pflegen kann.

Auch Horst Böhm findet man bei der Arbeit in seinem Atelier in der Oberen Stadt. Seine Ausstellung in der Galerie EINblicke musste abgebrochen werden. Nach Wochen des Wartens auf die Wiedereröffnung hat er dann nach Absprache mit Ingo Cesaro die Arbeiten in sein Atelier zurückgeholt. Er ist dabei, teilweise schon ausgestellte Arbeiten fertig zu malen. Es gab ja vor Jahren eine Ausstellung in der Kronacher Synagoge, wo nur noch nicht fertige Arbeiten ausgestellt waren, teilweise noch nicht einmal trocken. Und Erholung findet er im Wald.

Unermüdlich: Michael Huth

Wenn man ins Atelier von Michael Huth in der ehemaligen Klosterturnhalle kommt, so kann man mit ihm das Gefühl der ablaufenden Zeit empfinden. An der Wand hängt seit kurzem eine Wanduhr. Hier hat man das Gefühl, dass Michael Huth mehr denn je arbeitet. An Papierarbeiten: Immer an zwei gleichzeitig, aus denen er Teile ausschneidet, austauscht und übermalt. Oder an den zahlreichen Tonarbeiten auf dem Tisch, die noch nicht gebrannt sind. Die gebrannten an einem anderen Tisch möchte man alle mal anfassen. Man könnte sofort an "Wabi Sabi", an den Mut zum Unvollkommenen denken, an nicht so total Gestaltetem, an Arbeiten, die nicht vollkommen sind, es aber auch nicht zu sein beanspruchen. Die ganz einfach durch die Hände entstanden sind. Zufällig, nicht ganz.

Und dann seine Malerei. Aus zwei großformatigen Tafelbildern wird ein einziges Tafelbild entstehen. Titel gibt es noch nicht, nur eine Himmelsleiter ist links und rechts eine Triage zu erkennen. Auf der Rückseite der beiden alten Arbeiten sind noch die Titel lesbar. "Lavley Rita" und "Bad Bad Liroy Brown". Es stehen Portraits an der Wand herum, die einen Blick wie in einen Spiegel gewähren auf die Gefahr hin, dass das Gegenüber wegbricht, verloren geht.

Eine Galerie im Freien?

Im Sommer hat Michael Huth täglich wechselnd zwei Arbeiten an die Wand im Hof gestellt. Ohne dafür zu werben. Die Mundpropaganda reichte aus. Er war mit der Resonanz sehr zufrieden und erwägt eine Fortsetzung, ohne Details zu nennen. Eine Galerie im Freien. Eventuell denkt er auch an die Arbeit im Klosterhof nach. Und und und.

Dabei fällt einem gleich Mitwitzer Künstler-Markt und die "HolzART" ein, "offene Ateliers", wo beteiligte Künstler ihre Techniken vorführen und Interessierte ihnen zwanglos über die Schultern schauen können.

Und bei Ingo Cesaro? Hier in Kronach hat er alle Ausstellungen, Lesungen und Literatur-Projekte abgesagt, auch bereits im Februar sein internationales Kunstprojekt "HolzART". Allerdings konnte er dann den "Kunstpark am Rennsteig" in Steinbach am Wald organisieren. Es sind 2020 in der Freipresse Bludenz über zwanzig "Pop up poetry art" mit Gedichten von ihm publiziert worden, dazu sind zwei weitere Gedichtbände erschienen. Und er hat mittlerweile drei Editionen mit Texten anderer Autoren herausgegeben.