Ein defizitäres Schwimmbad, marode Straßen und eine klamme Kasse schweben seit Jahren wie ein Damoklesschwert über dem Gemeinderat Weißenbrunn. Diese Punkte führen immer wieder zu Diskussionen im Ratsgremium. "Doch das permanente Jammern hilft nichts", beteuerte die Verwaltung mit Geschäftsleiter Christian Reuss und Bürgermeister Egon Herrmann (SPD). Gleich in der ersten Sitzung des Jahres mussten die Räte ihre Grenzen erkennen.
Auf der Tagesordnung stand zwar unter anderem - beinahe lapidar anmutend - die "Bekanntgabe des Defizits im gemeindlichen Freibad und Änderung der Öffnungszeiten auf Grund des Besucherverhaltens 2011 sowie auf Grund des großen Defizits". Bei der Bekanntgabe dieses Defizits in Höhe von über 92 000 Euro verschlug es dann aber manchen Räten fast den Atem. Bisher hatte dieses Defizit stets zwischen 30 000 und 50 000 Euro gelegen. Die neue Größenordnung sorgte für Zündstoff und viel Diskussionsbedarf.
Heinz Roth (Freie Wähler) empfand es als eine "total frustrierende Situation". Selbst die Regierung von Oberfranken wies die Gemeinde darauf hin, sich Gedanken darüber zu machen, ob das Freibad auf Dauer finanziell gestemmt werden kann. "Auf Grund dessen bin ich der festen Überzeugung, wir können uns das Freibad nicht mehr leisten", stellte Roth fest. In die gleiche Richtung ging Friedrich Thaler (CSU). "Hätten wird das Schwimmbad vor sechs Jahren geschlossen, hätten wir 300 000 Euro gespart und weniger Schulden", betonte er. "Wir kommen nicht umhin, das Schwimmbad zu schließen."
Ralf Oßmann (CSU) hielt dagegen: "Wie wollen wir Bauwillige und junge Familien in die Gemeinde holen, wenn wir diesen Standortfaktor einfach aufgeben?" Herbert Spindler (Freie Wähler) befürchtete: "Wenn das Schwimmbad zu ist, wird es nie mehr aufgemacht!" Er war sehr enttäuscht, dass keine Bürger an der Sitzung ihr Interesse zeigten, und "vor allem vermisse ich Stimmen aus den Reihen der Schwimmbadfreunde, die sich den Erhalt des Schwimmbades auf die Fahnen geschrieben haben."

Straßen contra Bad


Günther Oßwald (SPD) meinte, dass das Schwimmbad nicht mehr zu halten sei. "Wir haben kein Geld zum Straßenbau, daher ist das Defizit nicht länger tragbar. Bernd Schneider (SPD) erinnerte daran, dass sich die SPD in ihr Wahlprogramm geschrieben habe, eine familienfreundliche Wohngemeinde erreichen zu wollen. Er vermisse die staatliche Förderung für solche Einrichtungen, die vor allem auch der Kindern zuliebe erhaltenswert sein müssten. "Da muss man halt in München weniger Museen bauen und Schwimmbäder auf dem Land fördern", schlug Schneider vor.
Die über einstündige Diskussion ging quer durch die Fraktionen. Schließlich wurde das Gremium kreativ und erarbeitete Vorschläge, die das Schwimmbad vielleicht durch niedrigere Kosten am Leben erhalten könnten. Um auch die Bürger in die Anregungen und Vorschläge einzubeziehen braucht man noch etwas Zeit, daher fasste das Gremium mit 12:3 Stimmen den Beschluss, die Öffnungszeiten zu verändern. Zusätzlich wurde die Verwaltung beauftragt, neue Nutzungsmöglichkeiten und deren finanzielle Machbarkeit schnellstmöglich zu prüfen.
Auch im Straßenbau ist ohne Moos nichts los. Die Sanierung der Ortsstraße Sonnenleite in Thonberg steht seit drei Jahrzehnten an. Von einem Ingenieurbüro wurden nun auf Wunsch des Gremiums zwei machbare Varianten mit Kostenrechnungen vorgeschlagen. Bei Variante eins handelt es sich um einen Vollausbau (Deckenbau mit Erneuerung der Wasserversorgung und Kanalsanierung). Bei Gesamtkosten von rund 620 000 Euro bliebe für die Gemeinde ein Eigenmittelanteil von circa 334 000 Euro. Bei Variante zwei bliebe der Gemeinde ein Eigenmittelanteil von 250 000 Euro, dabei sind aber ein aufwendiger Unterbau und der Neubau der Stützmauern nicht vorgesehen.

Kein Spielraum


Bürgermeister Egon Herrmann hielt jedoch fest, dass weder die eine noch die andere Variante in diesem und im nächsten Jahr realisierbar wäre. Christian Höfner (Freie Wähler) wollte es nicht glauben. Doch auch auf mehrmalige Nachfrage, ob denn überhaupt keine Straßen im laufenden Jahr saniert werden können, kam eine deutliche Antwort vom Bürgermeister: "Wir haben im aufzustellenden Haushalt die Kanalisation Grün und den Hangrutsch in Reuth mit insgesamt 1,6 Millionen Euro Investitionssumme eingeplant - da ist keine Luft mehr", erklärte das Gemeindeoberhaupt.

Maßnahme verschoben


Darauf beschloss der Gemeinderat mit 14:1 Stimmen, dass die Sanierung der Ortsstraße Sonnenleite wegen der angespannten finanziellen Lage dieses Jahr nicht ausgeführt werden kann und die Maßnahme zunächst in das Haushaltsjahr 2013 verschoben wird.