Mühsam und entbehrungsreich muss es gewesen sein, wie die Gelehrten früher - ohne jegliche technische Hilfsmittel - ihr Material zusammentrugen. Im heutigen Computerzeitalter gibt es Internet, Hochleistungs-PCs und jede Menge Hightech. Trotzdem benötigte Wolfram Zimek für seine Übersetzung unzählige Stunden.
Der Studienrat, der am Clavius-Gymnasium in Bamberg Latein, Griechisch und Chemie unterrichtet, übersetzte aber auch nicht einen x-beliebigen Standardtext, sondern die Einleitung einer der größten Leistungen in der Sprachwissenschaft aller Zeiten: die "Grammatica Celtica", 1853 erschienenes Monumentalwerk von Johann Kaspar Zeuß. Zimek schilderte infranken.de seine Übersetzungsarbeit und die Bedeutung des Zeußschen Werks.
Als in jeder Hinsicht bahnbrechend bezeichnet Zimek die erste Gesamtdarstellung der keltischen Sprachen, die Zeuß - aufbauend auf den ältesten Sprachdenkmälern - geschaffen hatte. "Zeuß gilt zu Recht als Gründer der deutschen Keltologie. Für seine Arbeit vollbrachte er eine fast unvorstellbare Leistung und absolvierte ein enormes Studium originaler Quellen", sagt Zimek beeindruckt. Noch heute bilde seine Pionierleistung Maßstab und Grundlage für alle folgenden Fachwissenschaftler.
Wie Zeuß aus den alten Texten die Sprache verstanden und ihr System aufgebaut habe, sei genial. "Die Einleitung zu diesem für die keltische Sprachforschung grundlegenden Werk gibt einen umfassenden Einblick in das Schaffen von Zeuß", erklärt der Studienrat, der erstmals mit der "Grammatica Celtica" bei seiner Promotion an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen, Institut für Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft, in Berührung kam. "Mein damaliger Professor, Bernhard Forssman, machte mich 1998 darauf aufmerksam und riet mir, mich damit auseinander zu setzen. Intensiv habe ich mich aber erst in den Sommerferien 2002 damit befasst. Dabei entstand ein Großteil der Rohversion", blickt der 43-Jährige zurück. Trotzdem habe er seine Arbeit erst 2005 fertiggestellt.
"Wie lange ich insgesamt dafür gebraucht habe, ist schwer zu sagen, weil ich mich nicht am Stück damit beschäftigt habe, sondern die Übersetzung meist nebenher lief. Trotzdem - einige Wochen am Stück benötigt man sicher dafür", überlegt Zimek. Seine Übersetzung habe er auf einem alten Computer geschrieben mit einem nicht mehr zeitgemäßen Programm. "Daher ist meine Arbeit über einen längeren Zeitraum im Sande verlaufen. Erst vor etwa zwei Jahren kam sie wieder ins Rollen, als der Kontakt zum Verein 1000 Jahre Kronach entstand", erinnert er sich.
Der hohe Zeitaufwand und die schwierige Übersetzung seien bedingt durch den speziellen Stil des Keltologen Zeuß. "Die Texte sind sehr anspruchsvoll und die Sätze sehr lang. Eine Wiedergabe Eins zu Eins ins Deutsche war nicht möglich", erklärt Zimek. Er habe sich deshalb gründlich in die Materie einarbeiten sowie Fach- und Sachkenntnisse erwerben müssen. Er resümiert: "Jeder Silbe von Zeuß merkt man sein fundiertes Wissen an. Seine Ausdrucksweise erinnert an den Stil eines Cicero. Dieser seiner ganz eigenen Art habe ich versucht, so gut wie möglich gerecht zu werden."
Am Dienstag findet um 19 Uhr in der ehemaligen Synagoge in der Johann Nikolaus-Zitter-Straße die Vorstellung der Übersetzung der Einleitung der "Grammatica Celtica" statt. Dabei wird Zimeks Arbeit in Buchform vorgestellt. Hans Hablitzel wird über die Bedeutung von Johann Kaspar Zeuß sprechen, während Wolfram Zimek seine Übersetzungsarbeit schildern wird.
Das Übersetzungsbuch kann bei der Präsentation erworben werden. Anschließend ist es im Buchhandel oder beim Verein 1000 Jahre Kronach (Bestellung per E-Mail) zu kaufen.
Zeuß schuf sein Werk während seiner Bamberger Zeit. Es erschien 1853 in zwei Bänden. Er schrieb die - in den Bibliotheken von Würzburg, St. Gallen, Karlsruhe, Mailand, London und Oxford vorhandenen - altirischen und altcymrischen Glossen handschriftlich ab. Allein das Abschreiben und Entziffern des Textes stellt eine außergewöhnliche Leistung dar. Er ordnete die Glossen alphabetisch, wobei meist mehrere Worte als eines zusammengeschrieben sind. Die richtige Zerlegung, Deutung und Verwertung dieses Materials zu grammatischen Zwecken gilt in Fachkreisen als genial.
Der deutsche Philologe Johann Kaspar Zeuß ( 22. 07.1806 bis 10.11.1856, beides in Vogtendorf) sollte auf Wunsch seiner Eltern Priester werden. Er entschied sich aber für ein Leben als Gelehrter. In seiner Schule in Bamberg und beim Studium in München entwickelte er besonderes Interesse an Geschichte und Sprachforschung. Nach dem Abschluss unterrichtete er am dortigen Gymnasium. Sein 1837 veröffentlichtes Buch "Die Herkunft der Baiern von den Markomannen" brachte ihm den Ehrendoktor der Universität Erlangen ein. Im gleichen Jahr wechselte Zeuß nach Speyer und nahm schließlich 1847 eine Professur - wieder in München - an. Ab 1842 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Krankheitsbedingt zog er sich 1848 von der Lehrtätigkeit zurück und arbeitete in Bamberg als Lehrer des Lyzeums. Er starb nach längerer Krankheit. Sein Nachlass befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek.