Unterhalb der Festung Kronach - am Jägerstein - brannten Fackeln im Schnee. Viele junge Jäger kamen mit Freunden, Verwandten und Bekannten, um sich feiern zu lassen. Denn die Erhebung in den Jägerstand mit dem traditionellen Jägerschlag ist ein unvergessliches Erlebnis, eine Ehre.

Johannes Ritz aus Schneckenlohe ist erst 17 Jahre alt und damit der Jüngste von allen. Er freut sich wie ein Schneekönig auf das Zeremoniell. Doch eigentlich weiß er genau, wie alles abläuft. Denn er kennt die Jägerei schon von Kindesbeinen an. "Wir haben ihn doch schon im Kinderwagen mitgenommen", sagt Opa Konrad Ritz (73) lachend. Auch Johannes Ritz' Vater Harald Ritz (50) freut sich riesig, dass der Sohn in die Familientradition tritt. Die Familie hat ihr Revier in Mödlitz.


Die Natur interessiert ihn

"Bis Johannes 18 ist, werden wir immer zusammen jagen.
Denn er darf nur unter Aufsicht schießen", sagt Harald Ritz. Doch Johannes Ritz nimmt die Aufsicht sportlich, hat damit überhaupt kein Problem. Noch geht er ans Frankenwald-Gymnasium. "Mich interessiert einfach die Natur", erklärt er, weiß aber schon jetzt, dass er beruflich wohl eher in die technische Richtung gehen wird.

Dann beginnen die Jagdhornbläser Kronach zu blasen. Und nach dem Signal "Blatt schlagen" ist es soweit. Der Vorsitzende der BJV-Kreisgrupe Kronach, Bernhard Schmitt, erklärt, dass man mit dem Jägerschlag die alten Traditionen wahren möchte. Früher mussten die Jäger ein Gelöbnis ablegen, das ist heute nicht mehr üblich. Doch der Jägerschlag soll die Jäger daran erinnern, wie wir uns "einen Jäger im Frankenwald vorstellen", sagt Schmitt. Und natürlich ist es immer noch so, dass die Jungjäger drei Lehrjahre vor sich haben. Denn erst in drei Jahren können sie eine eigene Jagd pachten. In den ersten drei Jahren können sie Erfahrungen sammeln, bei anderen mitgehen, an Gesellschaftsjagden teilnehmen.


Ein prächtiger Hirschfänger

Und dann öffnete der Schulleiter Bernd Laaß ein hölzernes Kästchen und zog einen prächtigen Hirschfänger heraus. Mit diesem Hirschfänger sollte der ehemalige Kreisvorsitzende Alexander Lücker nun die Jäger zu echten Jägern schlagen. "Der erste Schlag soll Dich zum Jäger weih'n, der zweite Schlag soll Dir die Kraft verleih'n, zu üben stets das Rechte. Der dritte Schlag soll Dich verpflichten, nie auf die Jägerehre zu verzichten", sagte Lücker und waltete seines Amtes. Drei Mal schlug er den jungen Jägern auf die Schulter. Dann bekamen sie einen Tannenzweig an den Hut gesteckt - und konnten den prächtig gestalteten Jägerbrief in Empfang nehmen.
Der Youngster des Jahres, Johannes Ritz, strahlte übers ganze Gesicht. Doch nicht nur er und wurde auch gleich von der Oma geknuddelt. Vor lauter Freude.

Beim Jägerkurs war in diesem Jahr auch eine Frau mit von der Partie: Kathrin Kutschka aus Kronach. Mit 54 Jahren möchte sie nun Jägerin werden. "Ich bin seit 2006 bei den Jagdhornbläsern und kam über einen Bekannten dazu", erzählt Kathrin Kutschka. Durch die Musik hat sie Zugang zur Jägerei gefunden. Und schließlich wollte sie unbedingt auch selbst Jägerin werden. "Eigentlich bin ich Orthopädiemechanikerin und Bandagistin", sagt Kathrin Kutschka lachend. "Es geht mir eigentlich nicht ums Schießen, sondern darum, zu beobachten. Und man lernt wirklich viel", sagt Kutschka. Dass sie auf diese Weise zur Jägerei gefunden hat, darüber kann Kutschka selbst lächeln. "Ich bin wirklich total jungfräulich dazu gekommen, aber jetzt gehe ich mit und ich freue mich schon darauf. Und vielleicht kann ich ja auch in drei oder vier Jahren wirklich eine eigene Jagd bekommen", erklärt Kutschka. Für sie war eigentlich der Umgang mit der Waffe der schwierigste Teil der Prüfung. "Da tun sich Männer vielleicht doch leichter", sagt sie. Doch sie hat die Prüfung mit Bravour gemeistert. "Eigentlich ist immer eine Quotenfrau dabei", sagt Kathrin Kutschka und lobt die Kameradschaft und den Zusammenhalt der Männer. Doch wie sieht es mit dem Aufbrechen aus? "Das ist kein Problem. Man bereitet ja in der Küche auch Fleisch zu und arbeitet damit. Das ist nicht so schwer, wie man denkt", sagt Kutschka.


Heuer gab's die Urkunde

Auch im vergangenen Jahr gab es eine Frau im Kurs: Jasmin Bauer aus Marktzeuln. Sie hat, weil sie vergangenes Jahr bei der Zeremonie nicht dabei sein konnte, aber erst in diesem Jahr den Jägerschlag erhalten.

Jeder Jäger erhielt vom Vorsitzenden der BJV-Kreisgruppe Kronach, Bernhard Schmitt, noch einen Spruch mit auf den Weg. Dann ertönte das Jagdhornsignal "Zum Essen" - und die ganze Gesellschaft zog ins "Antla" zum Feiern.