Zurück an der alten Schule, ihrer ehemaligen "Wirkungsstätte": Die Ausbildungs-Scouts Svenja Schröder und Ferdinand Mayr stellten am Donnerstag beim P-Seminar "Lese-Patenschaft" ihren "Weg in die Ausbildung" vor - mit so manchen Parallelen. Die Stockheimerin machte 2012 ihr Abitur am Kaspar-Zeuß-Gymnasium (KZG), der Küpser ein Jahr später. Beide begannen ein Studium - Svenja im Bereich Ökotrophologie (Ernährungswissenschaften) in Gießen, Ferdinand Geographie B.Sc. in Bayreuth. Beide brachen ab und befinden sich nunmehr im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung Groß- und Einzelhandelskaufmann/-frau bei Baur in Burgkunstadt - und beide sind Ausbildungs-Scouts!
"Ausbildungs-Scouts sind Auszubildende in verschiedensten IHK-Ausbildungsberufen. Sie gehen in die Schule, um den Schülern ihre Berufe und den Ablauf ihrer Ausbildung auf Augenhöhe vorzustellen. Warum lohnt es sich, eine Ausbildung zu machen? Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Was kann man im Anschluss an die Ausbildung machen", erklärt die Koordinatorin Ingrid Krauß von der IHK für Oberfranken Bayreuth. Da sie schon genügend Erfahrungen aus der Berufspraxis mitbringen sollen, kommen die Scouts aus dem zweiten oder dritten Ausbildungsjahr.
Damit wolle man einen Beitrag zur Berufsorientierung leisten und Schüler für die duale Berufsausbildung begeistern - Stichworte Nachwuchsgewinnung und Fachkräftesicherung. Zielsetzung dieses Gemeinschaftsprojekts der bayerischen Industrie- und Handelskammern mit Unterstützung durch das Bayerische Wirtschaftsministerium sei es, die ?Informationslage von Schülern über das System der Beruflichen Bildung, die Ausbildungsberufe und die Beschäftigungs- und Karrierechancen schulartübergreifend zu verbessern.
Svenja und Ferdinand gaben dabei den Elftklässlern umfassend Auskunft über den Ablauf ihrer Ausbildung, das eigens erlebte Bewerberverfahren, ihre beruflichen Perspektiven und Gründe für ihren Studiums-Abbruch. "Mir fehlte der Praxisbezug", räumte die 23-Jährige ein. Und auch der 22-Jährige hatte sich darunter etwas anderes vorgestellt. "Auch die Aussage unseres Dozenten, dass 90 Prozent von uns danach eh arbeitslos sind, fand ich nicht gerade ermutigend", blickt er zurück.
Zu ihrer Ausbildung kamen beide sehr kurzfristig, bereits nach Bewerbungsschluss: Svenja sechs Monate vor Ausbildungsbeginn, Ferdinand zwei Wochen (!) vorher. "Ich bin auf Baur gestoßen, weil ich in Richtung BWL wollte, aber ohne Studium. Mir war es wichtig, in einem großen Unternehmen zu arbeiten - mit vielen unterschiedlichen Bereichen", erklärt die Stockheimerin. Die Bewerbung lief bei beiden in sehr entspannter Form ab. Auch das Betriebsklimma ist locker. "Wir duzen uns alle. Am Anfang fand ich das gar nicht so einfach, zum Chef Du zu sagen", verrät Ferdinand. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Wer Abitur hat, kann auf 2,5 Jahre verkürzen. Zweifel habe er schon vorher gehabt, räumt der Küpser ein: "Schaffe ich wenigstens das, wenn ich schon mein Studium abgebrochen habe?"


"Man verdient gleich Geld"

Sie arbeiteten an den wichtigsten E-Commerce-Themen mit und lernten, wie Onlinehandel funktioniert. Im Mittelpunkt stehen dabei der Einsatz von verschiedenen Online-Vertriebskanälen, die Shop-Bewirtschaftung, Online-Marketingmaßnahmen sowie die verschiedenen Prozesse des E-Commerce. Ab dem kommenden Ausbildungsjahr wird die Ausbildung Kaufmann/-frau im E-Commerce bei Baur den Beruf Groß- und Einzelhandelskaufmann/-frau ablösen. "Mit unserer Ausbildung können wir danach in allen Abteilungen und Bereichen arbeiten: Personal, Einkauf, Vertrieb, Marketing, Logistik", freut sich Svenja, die auch die vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten so unter anderem zum Handelsfach- oder Betriebswirt schätzt. Möglich ist auch ein Studium. Man verdient gleich Geld und ist nicht mehr auf seine Eltern angewiesen. Außerdem ist es ein guter Einstieg in das Berufsleben - "besser als frisch von der Uni", ist sich Ferdinand sicher.
Beide haben ihren Weg in die Ausbildung nicht bereut und wollen auch danach bei Baur weiter arbeiten. Dann stehen ihnen immer noch alle Möglichkeiten offen.

Die Seminaristinnen Julia und Pauline dankten für die sehr interessanten, informativen Live-Einblicke. Sie und auch die anderen insgesamt 13 Mitglieder des P-Seminars "Lese-Patenschaft" unter Leitung von Oberstudienrätin Friederike Breitenbach würdigten, dass die beiden Ehemaligen so offen von ihren Erfahrungen berichtet hätten. Auch von der Möglichkeit, Fragen zu stellen, wurde rege Gebrauch gemacht. Weitere Infos zum Projekt gibt es unter www.ihk-ausbildungsscouts.de.