Die zum Auktionssaal umgewandelte Kaiserhofbierhütte auf dem Schützenplatz ist am Samstag randvoll. Erwartungsvoll stehen die potenziellen Käufer vor der Bühne, wo sich die unterschiedlichsten "Schätze" türmen. Überdimensionale kitschige Bilder sind dort ebenso zu sehen wie hochwertige Haushaltsgeräte und Einrichtungsgegenstände sowie allerhand kulinarische Leckereien. Es gibt Gutscheine für Kurzreisen, jede Menge Artikel für Kinder und Heimwerker-Sets. Highlight ist ein nigelnagelneuer Loewe-Fernseher.
Eineinhalb Stunden preist der Notar die Objekte an, wobei er sich die eine oder andere spöttische Bemerkung nicht verkneifen kann. Das Startangebot bestimmt er oder die Bieterschar, die mal lachend und mit offenem Mund, mal stirnrunzelnd und im Nacken kratzend die Szenerie verfolgt. Immer, wenn ein neues Stück gezeigt wird, weiten sich die Augen der Bieter, Hände schnellen in die Höhe. Es entwickelt sich ein munteres Überbieten.
Unbestritten die größten Schnäppchen dürfte wohl Ingelore Mecklenburg aus Kronach gemacht haben, die zweimal "mächtig zuschlug". Voller Stolz betrachtet sie ihre wunderschöne Stehlampe, die fast so groß ist wie sie selbst. 390 Euro - das ist der Verkaufspreis des guten Stücks. Sie hat es für 50 Euro ersteigert. Aber nicht nur das: Auch beim Loewe-Fernseher hatte sie den längsten Atem, und auch hier liegt sie mit ihrem Gebot von 500 Euro mehr als deutlich unter dem tatsächlichen Wert. "Eigentlich bin ich heute hergekommen, weil ich ein Stück Balserholz für den Physikunterricht suche", verrät die Lehrerin für Mathematik und Physik an der Realschule I. Dabei sei sie nicht so recht fündig geworden. "Mein Mann und ich dachten, wir schauen uns halt die Versteigerung einmal an, weil sie interessant und lustig ist. Außerdem ist es ja für einen guten Zweck. Die Käufe waren überhaupt nicht geplant, zumal wir ja zu Fuß da sind und natürlich auch nicht so viel Bargeld dabei haben", so die Schnäppchenjägerin. Ihr Mann Thomas Janik, ergänzt schmunzelnd: "Ich werde hier warten und die Stellung halten. Während ich auf unsere Einkäufe aufpasse, wird wohl meine Frau unser Auto oben am Kreuzberg holen. Schließlich hat sie ja auch gesteigert." Mit den beiden Schnäppchen ist er sehr einverstanden. Er lobt: "Das hat sie gut gemacht. Wir finden für beides mit Sicherheit ein schönes Plätzchen."
Und Auktionator Thomas Reich weiß: "Es gibt zwei Gruppen von Bietenden. Die Einen wollen Schnäppchen machen, also möglichst günstig an ein gutes Stück kommen. Die überlegen sich genau, wie viel ihnen das wert ist. Anderen geht es um den guten Zweck und auch um Spaß. Sie überbieten sich dafür sogar selbst. Wir stehen in der Verantwortung, Gutes zu tun. Das gilt auch für diese Veranstaltung. Die Käufer sollen ein gutes Geschäft machen und freudestrahlend ihre Sachen mit nach Hause nehmen. Wir würden ihnen bei der Versteigerung nie irgendetwas ,andrehen‘, das wertlos ist oder nur unerheblich teurer in einem Geschäft zu kaufen wäre", betont er. Interessant sei für Reich das Verhalten der Bieter, die sich zunächst oft zurückhielten und abwarteten. "Sobald aber einer ein Erstgebot gemacht hat, geht es - im wahrsten Sinne des Wortes - ,Schlag auf Schlag‘."
Der Flohmarkt ist eine nicht kommerzielle Veranstaltung. In diesem Jahr ging er bereits in die 15. Runde. Mitglieder und Unterstützer des Lions Clubs Festung Rosenberg haben Sachen gesammelt und sortiert. Der Erlös kommt der Illumination der Festung Rosenberg zugute. Die Umrüstung kostet 100 000 Euro. Davon übernimmt der Lions Club Festung Rosenberg 30 000 Euro.