FriesenWas für ein herrlicher Anblick, was für ein lebendiges Glaubenszeugnis und was für berührende Momente, bei denen sich selbst "gestandene Mannsbilder" ihrer Tränen nicht schämen: Der alljährliche Zapfenstreich am Sonntag nach Fronleichnam ist für Friesen etwas Besonderes - ein Zeugnis tiefer Frömmigkeit, das seitens der Bevölkerung mit vielen Emotionen verbunden ist. Aber auch "Nachbarn" aus den umliegenden Ortschaften sind Jahr für Jahr dabei und säumen den Wegesrand, wenn der Zapfenstreich mit dem zu Ehren der Mutter Gottes in der Friesener Ortsmitte erklingenden "Engel des Herrn" seinen ergreifenden Höhepunkt findet.

Neben politischen Vertretern - so Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein und einigen Stadträten - beteiligten sich am Sonntag auch Pfarrer Sven Raube sowie viele örtliche Vereine und Gruppierungen an dem gelebten Stück Heimatkultur.
Der feierliche Zug startet alljährlich im Oberen Dorf und führt seine Teilnehmer in einem Rundgang durch die mit festlichen Fahnen, sakralen Motiven, reichem Blumenschmuck und natürlich den traditionellen Birkenbäumchen geschmückten Straßen des Flößerdorfes.


Kastanienblatt als Schmuck

Zur Tradition gehört es auch, dass die Teilnehmer des Umzugs ein Kastanienblatt an ihre Hüte, ihr Revers oder wo es halt günstig ist, heften. Was es mit dem Ritual genau auf sich hat, war - trotz Recherche - nicht in Erfahrung zu bringen. Doch dass der Hintergrund beziehungsweise die Bedeutung dieses schönen Brauchs nicht mehr bekannt ist, stört eigentlich niemanden in Friesen.

Für die stimmige Umrahmung sorgte wiederum der Musikverein Friesen. Die Musiker und Musikerinnen führten den Zug an, spielten mit zünftigen Militärmärschen auf und brachten schließlich auch den "Engel des Herrn" beim Zwischenstopp bei der Brücke musikalisch zum Klingen.

Friesen hält als einziger Ort im gesamten Landkreis diese besondere Art der Brauchtumspflege, die schon über Generationen Bestand hat, aufrecht. Alljährlich endet der Zug dort, wo er zuvor auch beginnt: im Oberen Dorf. Dort verweilen nach dem Rundgang nicht nur die Teilnehmer, sondern die gesamte Bevölkerung trifft sich zum geselligen Beisammensein. Damit enden zugleich die mehrtägigen Festlichkeiten rund um Fronleichnam, das im Flößerdorf alljährlich groß gefeiert wird. Für viele Friesener ist es eines der schönsten Kirchenfeste überhaupt.

Die Bezeichnung Zapfenstreich stammt noch aus der Zeit der Landsknechte und war früher das Zeichen für den Beginn der Nachtruhe in den Quartieren. Im Jahre 1596 wurde erstmals ein Abendsignal in Verbindung mit dem Zapfenschlag erwähnt, das mit der Trommel, dem Horn oder der Trompete gegeben wurde. Danach durften sich Soldaten abends ohne besondere Erlaubnis nicht mehr außerhalb ihrer Quartiere aufhalten. Bis heute hat diese schöne alte Tradition in vielen Gemeinden Deutschlands, aber ebenso in Österreich, nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Auch Friesen ist in diesem Zusammenhang ein Musterbeispiel für aktiv gelebte Brauchtumspflege.