Die Mitarbeiter des Impfteams stehen bereit, das Seniorenheim in Küps wartet auf die ersten Schutzimpfungen in ihrem Haus. Doch plötzlich wird am Sonntagvormittag alles abgeblasen. In allen oberfränkischen Landkreisen bis auf Bamberg wird der erste offizielle Impftag jäh von einer Panne gestoppt. 100 Mitarbeiter und Bewohner des Altenpflegeheims Sonnen-Blick werden an diesem Sonntag nicht geimpft.

Martin Schmidt, BRK-Mitarbeiter und Leiter der Verwaltung des Impfzentrums, erklärt, dass nun immerhin bewiesen ist, dass die Notfallmechnismen funktionieren. Was genau beim Transport der ersten Impfdosen schief gelaufen ist und ob die Schutzimpfungen mit dem offiziellen Namen Cominarty noch verwendet werden kann, wird wohl erst eine Untersuchung durch die Verantwortlichen, darunter auch Mitarbeiter der Firma Biontech, restlos geklärt werden können.

Ein Datenlogger hat nach der Auslieferung der Kühlboxen eine nicht geplante Temperaturerhöhung angezeigt. Die einzelne Pakete wurden von Bayreuth und Bamberg aus auf die anderen Landkreise verteilt. Bis zu fünf Tage kann der Impfstoff zwischen zwei und acht Grad gelagert werden. Für einen längeren Zeitraum müssen die Impfdosen bei mindestens minus 70 Grad aufbewahrt werden.

Zahlreiche Dosen wurden daher aus Sicherheitsgründen vorläufig aus dem Verkehr gezogen. "Es ist wirklich wichtig, dass absolute Sicherheit herrscht", erklärt Martin Schmidt und ergänzt, dass auch sein Team im Impfzentrum auf solche Ausfälle vorbereitet ist. "Das Ziel war ja immer, dass wir so gut strukturiert sind, dass wir auch mit solchen Situationen umgehen können."

Wann beginnt nun das Impfen?

Ob nun noch am heutigen Abend oder erst morgen eine neue Charge in den oberfränkischen Landkreisen eintrifft, lässt sich am Sonntagnachmittag noch nicht mit Sicherheit sagen. Eigentlich hätte das Team von Martin Schmidt morgen frei gehabt, um Erfahrungen nach den ersten geplanten Impfungen auszutauschen und sich auf mögliche Verbesserungen einzulassen.

Nun steht noch nicht fest, ob Bewohner des Seniorenwohnheims Sonnen-Blick in Küps bereits am Montag oder doch erst am Dienstag geimpft werden. Auch dass kurzfristig ein anderes Seniorenheim im Landkreis vom Impfteam besucht wird, kann der Leiter des Impfteams noch nicht mit Sicherheits sagen. Das entscheidet sich wohl, nachdem alle offenen Fragen geklärt sind.

Landräte stimmen sich ab

Das Problem sei bereits am Sonntag um 7.30 Uhr bekannt geworden, erklärt Landrat Klaus Löffler, der sich nach der Panne noch einmal mit seinen Amtskollegen und Mitarbeitern der Firma Biontech in einer Konferenz kurzgeschlossen hat. Er und Ralf Schmidt sind sich einig, dass die Entscheidung, die Impfungen nicht wie geplant zu verabreichen, richtig sei: "Patientensicherheit geht vor."

Aus dem Nachbarlandkreis Kulmbach heißt es, dass die Panne bei der Auslieferung sich bereits am Samstagabend abgezeichnet hat. Daraufhin wurde die Regierung von Oberfranken eingeschaltet, erklärt der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner. Gemeinsam habe man entschieden, auf eine Impfung zu verzichten.

"Die Sicherheit der Menschen hat Vorrang. Sollte es nur den geringsten Anhaltspunkt geben, dass der Impfstoff nicht zu 100 Prozent den Qualitätskriterien entsprechen, wird diese Charge auch nicht verimpft. Die Bevölkerung vertraut darauf, dass sie einwandfreien Impfstoff gegen das Corona-Virus erhält. Deswegen kann es keine andere Lösung geben", erklärt Söllner.

Wer nun Schuld an der Panne hat, lässt sich bis Sonntagabend noch nicht nachvollziehen, allerdings schließt der Landrat ein Fehlverhalten der Landkreise aus. Das bestätigte auch der Leiter des Kulmbacher Krisenstabs, Oliver Hempfling. Die Boxen seien im Verteilzentrum so übernommen und von dort ausgeliefert worden.

Auch der Transporteur könne nichts dafür. Einen Fehler durch das Aufzeichnungsgerät, einem so genannten Datenlogger, schloss er ebenso aus. Das Gerät sei überprüft worden und funktioniere. Das Aufdecken des Temperaturschwankung zeige, so Hempfling, dass die Dokumentation funktioniere.

Wie bereits Martin Schmidt vom Kronacher BRK erklärt, wird es wahrscheinlich erst nach der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse Aufschluss darüber geben, was wirklich passiert ist. In der Zwischenzeit haben die Landräte der betroffenen oberfränkischen Landkreise eine Erklärung abgegeben und warten nun auf die Untersuchungsergebnisse.