Um Einwohner in der Region zu halten und junge Familien zu gewinnen, muss ein Landkreis ein attraktives Lebensumfeld schaffen - und dieses auch nach außen darstellen. Darin stimmt die Leiterin der Geschäftsstelle Demografie-Pilotregion Oberfranken, Claudia Ringhoff, mit den Inhalten des Demografie-Konzepts vollkommen überein. Und der Landkreis Kronach habe in dieser Hinsicht einen guten Weg eingeschlagen.

"Es hat eine deutliche Entwicklung gegeben", meint Ringhoff, die zuletzt viereinhalb Jahre als Projektmanagerin bei Kronach Creativ genau in diesem Bereich tätig war. "Die Gemeinden machen heute von sich aus mobil. Sie warten nicht mehr ab, sondern wollen selbst etwas bewegen", schildert sie ihre Eindrücke. Mit ihren Angeboten und Leistungen würden die Gemeinden auch offensiver als früher auftreten und damit nach draußen gehen. "Das ist ein echter Gewinn", lobt Ringhoff diese Entwicklung.


Natürlich wäre ein Vergleich - etwa der Freizeitangebote - zwischen einer Metropolregion und dem ländlichen Raum an den Haaren herbeigezogen, wie die Geschäftsstellenleiterin betont. Aber ländliche Regionen hätten auch Möglichkeiten, die eine große Stadt so nicht bieten könne - gerade wenn es um Familien gehe. "Wir haben ein gutes Netz", stellt Ringhoff fest und nennt als Beispiel die Kinderbetreuung. Wohlfahrtsverbände würden hier noch Hand in Hand arbeiten, während sie sich in einer Metropolregion oft nur als Konkurrenten sähen. Und das "Bündnis Familie" schaue, wie das Zusammenleben der Generationen vorangetrieben werden kann.

Stadt contra Land

Durch die rosarote Brille dürfe man die Situation aber auch nicht sehen. "Es hat sich inzwischen schon etwas verändert", sagt Ringhoff mit Blick auf das Zwischenmenschliche im Frankenwald. Das "moderne" Leben halte auch hier Einzug. "Aber die Anonymität der großen Städte ist noch nicht da!" Gerade in den Dorfgemeinschaften funktioniere noch erstaunlich viel. Auch Verwandtschaft und Vereinsleben hätten weiterhin eine große Bedeutung.

Wo die Bande in der Nachbarschaft lockerer würden, etablierten sich Alternativen. "Die Seniorengemeinschaft hat ein Modell, wie es künftig klappen kann. Das ist super. So etwas zu leisten, das geht nur auf dem Land", ist sich Ringhoff sicher.

Gute Rundumversorgung

Insgesamt gebe es im Landkreis eine gute Rundumversorgung und das Bewusstsein in den Gemeinden, dass man in die Zukunft investiere. Jetzt sei die Aufgabe, zu erkennen, welche Faktoren dazugehören, welche die Region zukunftsfähig machen. Die Spanne reiche von der sozialen Versorgung über die Bildung bis hin zum Ehrenamt.

Claudia Ringhoff, die aus Norddeutschland stammt und seit 16 Jahren im Kreis Kronach zu Hause ist, will auch in ihrer neuen Funktion dazu beitragen, dass sich die Menschen hier erfolgreich dieser Aufgabe stellen. Sie sucht deshalb den Kontakt zu allen, die etwas bewegen wollen. Wenn alle ihre Talente einbringen würden, ergäbe sich eine "runde und bunte Gesellschaft". Doch viele Menschen seien noch zu sehr in ihrer gewohnten Wartestellung; sie hofften, dass die Hilfe für die Region irgendwann von außen kommen werde.

Die Veränderung darf Ringhoffs Ansicht nach natürlich auch keine Radikalkur werden. "Wir müssen genau hingucken, wie neu wir werden wollen, was wir von dem Alten aufgeben wollen." Deshalb ist sie auch froh darüber, dass das Demografie-Konzept aufgestellt wurde. "Es ist ein großer Wurf", ist sie überzeugt. Diese wichtige politische Willenserklärung müsse nun aber noch mit dem jeweiligen Fachpersonal durchgearbeitet werden.

Ehrenamt und Altenpflege

Als wichtige Punkte, bei denen man auf dem Weg zu einem noch familienfreundlicheren Landkreis tätig bleiben oder werden müsse, nennt sie beispielsweise die Altenpflege und das Ehrenamt. Bei Letzterem müsse man nicht nur die Strukturen auf den Prüfstein legen, sondern auch versuchen, den Blick der Jungen für den Nächsten und das Ehrenamt zu schärfen. "Man muss sozusagen zwei Gebiete verbinden, die sich voneinander isoliert haben", erklärt sie. Eine Herausforderung werde daher sein, solche Themen auch an den Schulen anzudocken.

Gleichzeitig müssten ältere Mitbürger im Gemeinwesen bei der Stange gehalten werden. Sie sollten auch im Rentenalter weiter aktiv mitmachen - nicht weil sie müssen, sondern weil ihnen diese Aufgabe Freude macht.
Was hier in einem Teilbereich gelte, treffe aber auch allgemein zu. "Wir müssen lernen, wie die Generationen in Kontakt bleiben. Wir sind aufeinander angewiesen", betont Ringhoff.

"Not macht erfinderisch und stark, wenn wir uns zusammenschließen. Und dieser Wille zum Zusammenwirken wird im Konzept deutlich", stellt sie in ihrem Fazit fest. Was sie dabei besonders zuversichtlich stimmt, ist das praxisorientierte Vorgehen. Auf alle Fälle meint sie: "Es ist ein toller, wichtiger Schritt, dass ein Landkreis fragt: ,Wohin wollen wir?‘" Dieser Prozess dürfe nicht einschlafen.