Was ist los beim Steinwiesener Werkzeugbauer LeadMould? Mehrere Gläubiger haben dem Unternehmen Ende des vergangenen Jahres öffentlich vorgeworfen, Rechnungen nicht oder erst Monate nach Ablauf der Zahlungsfristen zu begleichen. Zuletzt standen auch nicht bezahlte Mietnebenkosten eines Jahres im Raum, woraufhin der Vermieter die Heizung abstellen ließ und die Produktion zwischenzeitlich eingestellt werden musste. Jetzt bezieht der Geschäftsführer einmal mehr Stellung und weist die in unserem Beitrag vom 10. Dezember "Rechnungen nicht bezahlt? Betrugsvorwürfe gegen Werkzeugbauer aus dem Kreis Kronach erhärten sich" berichteten Vorwürfe zurück.

Unter anderem wartet Thomas Ruffershöfer von TRMT Maschinen bis heute auf eine Restsumme von rund 80000 Euro für eine Fräsmaschine, die er im März 2020 in Steinwiesen abgeliefert hat. Obwohl dem Unternehmen bereits im September 2020 ein Mahnbescheid vom Amtsgericht Coburg zugestellt wurde und Thomas Ruffershöfer inzwischen eine Kontopfändung gegen LeadMould erwirkt hat, ist das Geld entgegen diverser Versprechungen des Geschäftsführers bis heute nicht auf seinem Konto eingegangen. Dass LeadMould zuletzt nicht immer pünktlich gezahlt habe, räumt Ralf Börner unumwunden ein und verweist auf Zahlungsschwierigkeiten aufgrund der Corona-Pandemie. Doch zu keinem Zeitpunkt habe er vorgehabt, berechtigte Forderungen nicht zu bezahlen. Die verbleibende Forderung des Herrn Ruffershöfer erkenne er voll an und sei auch bemüht, diese zu begleichen. Im März 2020 habe eben noch niemand ahnen können, wie das Jahr coronabedingt ablaufe. Überall in der Branche der Automobilzulieferer komme es zu Zahlungsverzögerungen, weshalb auch LeadMould offene Forderungen zwischen 2,5 und drei Millionen Euro habe.

Einem weiteren Geschäftspartner soll LeadMould laut dessen Aussage bereits vor Ausbruch der Pandemie Geld schulden. Der Gläubiger hat über die Forderung in Höhe von 922000 Euro inzwischen Klage beim Landgericht Darmstadt eingereicht. Ralf Börner stellt klar, dass er nicht gewillt ist, besagtem Geschäftspartner auch nur einen Cent zu zahlen - im Gegenteil: "Hier ist es so, dass diese Firma uns schadensersatzpflichtig ist und ich hier keine Forderung zu begleichen habe." Wer wem Geld schuldet, muss nun das Gericht in Darmstadt klären.

Ob Ralf Börners Geschäftspraktiken Straftatbestände erfüllen, prüft auch die Staatsanwaltschaft. In unserem vorangegangenen Artikel haben wir berichtet, dass Gläubiger von LeadMould in Betracht ziehen, den Geschäftsführer wegen Betrugs anzuzeigen. Inzwischen wurde aus den Reihen der LeadMould-Gläubiger Strafanzeige gegen ihn gestellt. Bei der Staatsanwaltschaft Coburg ist am 29. Dezember 2020 eine Strafanzeige unter anderem wegen Betrugs eingegangen.

Weil sich die Coburger Staatsanwaltschaft nicht zuständig sieht, hat sie das Verfahren an die Staatsanwaltschaft in Hof weitergeleitet. Von der dortigen Pressestelle hat der Fränkische Tag erfahren, dass besagtes Verfahren dort eingegangen ist und nun ebenfalls auf Zuständigkeit geprüft wird. Ob die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnimmt, Anklage erhebt und das Gericht diese dann zulässt - all dies ist in diesem frühen Stadium noch nicht absehbar. Ralf Börner weist diese Vorwürfe weit von sich und betont, dass er zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt habe, etwas nicht zu zahlen, wozu er verpflichtet sei. Solange es kein rechtskräftiges Urteil gibt, gilt natürlich die Unschuldsvermutung.

Doch warum wurde im Dezember 2020 die Heizung in der Steinwiesener Produktionsstätte abgedreht? Als wir Ralf Börner zum damaligen Zeitpunkt auf die Heizung angesprochen hatten, hat er behauptet, dass sie kaputt sei. Nun erklärt er: "Es war so, dass bis 2020 die Miet- und Nebenkosten vom Mutterkonzern in China gezahlt wurden." Dann hätte LeadMould aber vereinbart, dass das Steinwiesener Unternehmen zukünftig die Nebenkosten selbst zahlt, um diese steuerlich geltend machen zu können. "Dies hat sich dann allerdings verzögert und einen entsprechenden Schuldbeitritt habe ich erst nach dem Zeitungsartikel am 16. Dezember vom Vermieter bekommen." Einen Tag nach unserer telefonischen Nachfrage hat LeadMould die ausstehenden Nebenkosten jedoch beglichen.

Wie es mit LeadMould, seinem Geschäftsführer und den Gläubigern weitergeht, werden wir berichten.