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Kronach
Gericht

Illegales Autorennen in Franken: Angeklagter ist sich keiner Schuld bewusst

Zwei Männer aus dem Landkreis lieferten sich ein illegales Autorennen im Stadtgebiet Kronach. Einer von ihnen ist sich allerdings keiner Schuld bewusst.
 
Zwei Männer lieferten sich in Kronach ein illegales Rennen. Ihnen winkt eine saftige Geldstrafe. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa
Zwei Männer lieferten sich in Kronach ein illegales Rennen. Ihnen winkt eine saftige Geldstrafe. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Ein prickelndes Nervenabenteuer mit ihren sportlichen Karossen gönnten sich zwei volljährige Männer aus dem Landkreis Kronach im November vergangenen Jahres. Der 31-Jährige und der 25-Jährige wollten sich damals auf der B 173 im Stadtgebiet Kronach gegenseitig beweisen, dass sie überaus leistungsfähige Motoren unter der Haube haben. Ein Kick animierte sie, sich auf einer Strecke von knapp 400 Metern im Stadtgebiet eine Wettfahrt mit Blitzstart zu liefern. Einen saftigen "Strafzettel" für ihr mitternächtliches Kräftemessen in Höhe von 1000 Euro und 1500 Euro zugunsten der Staatskasse verpasste der Kronacher Strafrichter Christoph Lehmann dem Duo am Dienstag (22. September 2020).

Mit der Ahndung des Amtsgerichts kamen die beiden Männer dennoch mit einem "blauen Auge" davon. Denn: In einem Strafbefehl hatte die Staatsanwaltschaft von dem älteren der Angeklagten, einem Paketzusteller, 1600 Euro und von dem Mechatroniker 2000 Euro wegen "unerlaubter Beteiligung an einem Autorennen" gefordert. Die zusätzliche Krux: Beide sollten ihren Führerschein für ein halbes Jahr abgeben, was für den Paketzusteller mögliche Arbeitslosigkeit bedeutet hätte. Am Ende wurde das Verfahren gegen diese genannten Geldauflagen eingestellt. Die Annahme des Friedensangebots durch die Angeklagten wertete der Richter: "Das waren weise Entscheidungen, ich hoffe, die Beteiligten lernen daraus."

Angeklagter ist sich keiner Schuld bewusst

"Wir haben uns bis zu diesem Tag nicht gekannt", erläuterte der Ältere zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Die glaubte, dass die Angeklagten mindestens 100 statt der vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer gefahren seien.

Der 31-Jährige weiter: Nach einer nächtlichen Kaffeepause an der Shell-Tankstelle sei er von der Kulmbacher Straße mit seinem 150 PS starken Alltagswagen von der Kulmbacher Straße kommend in die B 173 Richtung Küps eingebogen. "Mir ist plötzlich eingefallen, dass ich am nächsten Tag früh rausmuss". Der 25-Jährige sei mit seinem sehr sportlich aussehenden Wagen von der Ampel aus sehr langsam losgefahren, höchstens mit 30. Deshalb habe er diesen bis zur Einfahrt zur Abbiegung Real etwa mit 50 überholt, dabei sei er nicht zu schnell gewesen. Hinterher habe er sich wieder ordnungsgemäß vor dem Überholten vor ihm eingeordnet. Plötzlich habe er jedoch hinter sich Blaulicht gehört. In Neuses seien beide dann von einer Streife angehalten und gestellt worden.

Der 25-jährige Angeklagte - sein Fahrzeug hat einen 275 PS starken Motor unter der Haube - zeigte sich vor dem Richter auch keiner Schuld bewusst. Er sei auf der B 173 aus Richtung DM-Markt angefahren gekommen. Als er von dem schwächeren Wagen überholt wurde, habe er sich gedacht: "Vielleicht bin ich zu langsam". Beschleunigt habe er dann höchstens auf 70 Stundenkilometer. Die Verkehrslage sei sehr ruhig gewesen. "Ich habe ein besonderes Verhältnis zu Autos, schon aufgrund meines Berufes", gab er auf Anfrage des Richters zu, beteuerte aber: "Ich bin eher ein ruhiger Fahrer, Raser wäre übertrieben."

Autorennen: Ausgebaute Strecke sei "verlockend"

Ein angeblich unabhängiger Zeuge, der hinter den beiden Angeklagten fuhr, informierte, dass die Höchstgeschwindigkeit der beiden wohl höchstens bei 80 Stundenkilometer lag. "Es war kein Straßenrennen", schilderte er seine Eindrücke aus der Ferne. Die gut ausgebaute Strecke an der Stelle sei halt für Schnellfahrer etwas verlockend.

Sie seien mit hoher Geschwindigkeit ohne Sicherheitsabstand knapp hintereinander hergefahren, erklärte der Streifenbeamte, der beide stoppte. Bemerkt habe man dies, als beide entgegenkamen. Vor allem der 31-Jährige sei für seine rasante Fahrweise bereits bekannt. Beide Angeklagte habe man mit ihren schnellen Autos hin und wieder beobachtet, dass sie sich in Gruppen der sogenannten "Kronacher Tuning-Szene" treffen. Gravierende Verkehrsdelikte seien aber von beiden nicht bekannt. Eine Geschwindigkeitsmessung sei in der Nacht nicht erfolgt.

Der Richter erklärte die mögliche Einstellung des Verfahrens: Erforderlich sei es für den Strafbestand des unerlaubten Autorennens, dass einer oder beide grob fahrlässig und rücksichtlos handeln. Gewertet werden könne auch, ob ein gemeinsamer Start und Ziel geplant wird, was in diesem Fall nicht vorliege. Dennoch hätten sich die beiden Angeklagten verkehrstechnisch mehr als unrechtmäßig verhalten. "Sie wollten sich wohl beide groß machen und mal richtig auf die Tube drücken". Richter Christoph Lehmann offerierte: Jeweils ein Monatsgehalt reiche aus, vor allem da beide verkehrsrechtlich bisher kaum oder gar nicht auffällig geworden seien. Weiter hoffe er, dass die Verurteilung anderen Verkehrsrowdies eine Warnung sein wird.