"Das war schon ganz nett. Bitte noch ein bisschen überzeugender, noch einladender", wünscht sich Sigurd Knopp, als der SMS-Chor Ludwigsstadt im Gemeindehaus St. Michael Schafstall "Nun freut euch, liebe Christengmein!" anstimmt. Das biographische - von Luther selbst geschriebene - Lied über seinen inneren Kampf für oder gegen ein Leben im Kloster zieht sich wie ein roter Faden durch das Oratorium von Siegfried Fietz. In einer Kombination aus Originalworten und Chorälen des Reformators sowie neuen Liedern wird in einem Lebensbild des jungen Augustinermönchs sein Durchbruch zur Gewissheit geschildert.
Das beindruckende Werk wurde vom Dekanatskantor mit den Sängerinnen und Sängern aus der fränkischen-thüringischen Rennsteigregion schon einmal einstudiert und 2012 mehrfach zur Aufführung gebracht - mit vielen begeisterten Gästen.
Bereits damals hatte der Chorleiter das Werk teilweise für den zum Projektchor erweiterten SMS-Chor umgestaltet und auch heuer hat er die Chorsätze noch einmal angepasst. "Vor dem Hintergrund des großen Lutherjahrs "500 Jahre Reformation" soll das Oratorium noch intensiver, noch stahlender klingen", wünscht er sich.
Eineinhalb Stunden lang scheint dann auch an diesem Abend alles andere vergessen. Die Hektik und die Last des Alltags - sie sind für die Sänger weit weg bei der Einstudierung des so viel Hoffnung schenkenden sakralen Werks. Seit Juni 2016 wird geprobt. Nach einer Sommerpause geht es seit September im 14-tägigen Rhythmus weiter, nach der Weihnachtspause ab Januar weiter bis Ende April, wenn die erste Aufführung ansteht.
Obwohl der Dekanatskantor mit dem einen oder anderen flotten Spruch für so manche Erheiterung sorgt, nimmt er es doch mit der Probenarbeit und Vermittlung des Inhalts und der Botschaft des musikalischen Glaubensbekenntnisses sehr genau.
Für die Mitwirkenden - Franken und Thüringer verschiedener Generationen und Konfessionen - gibt es überwiegend Lob, beispielsweise beim Chorsatz "Dem Teufel ich gefangen lag." - "Das war jetzt sehr schön. Da steckt so viel Kraft drin und ihr habt das schön geheimnisvoll gesungen", ist er begeistert. Aber er tadelt seinen Chor auch, doch mehr in seine Richtung nach vorne zu schauen. "Blickt zu mir und nicht so tief in die Noten hinein", fordert er höchste Konzentration und vollen Einsatz. Insgesamt ist er aber doch sehr zufrieden: "Das ist schon schön, keine Frage. Wir kommen noch dorthin, wo wir hinwollen - zu einem wunderschönen Klang", ist er sich sicher.
Das erste gemeinsame Musikprojekt des zum Projekt-Chor erweiterten SMS-Chor Ludwigsstadt war "Jerusalem Schalom" im Jahr 2002. Alle zwei Jahre übt man seitdem verschiedene neue Musikprojekte ein. Dann stoßen zum festen Kern des Chores mit seinen rund 30 Mitgliedern jedes Mal projektbezogen etwa 15 weitere Sänger beziehungsweise Sängerinnen hinzu, so dass man auch dieses Mal wieder um die 45 Mitwirkende zählt. Die Altersspanne reicht dabei von 15 Jahren bis zu unglaublichen 93 Jahren. In guter konfessions- und grenzüberschreitender Gemeinsamkeit werden diese im Oratorium anhand von Liedern aus alter und neuer Zeit Luthers Lebensweg erfahrbar machen.
Die Lieder werden mit Zwischentexten verbunden, die Einblick in die theologischen Ansichten des Reformators geben und sein Verhältnis zu Gott vermitteln. Die Musik stammt aus der Feder von Siegfried Fietz wie auch Sigurd Knopp, der Text von Johannes Jourdan. Erzählt wird aus Luthers Leben, von seiner inneren Zerrissenheit und dem Zweifel daran, ob er ein guter Mönch ist und genug bete - klagend und zweifelnd, aber auch fröhlich und heiter, je nach seiner Stimmung: eine musikalische ungewöhnliche Umsetzung, die jedoch Luther sehr gerecht wird. Während zuvor in verschiedenen Gottesdiensten vom Chor bereits Lutherchoräle aus diesem Oratorium eingeflochten werden, wird das komplette Werk erstmals am 30. April in Markt Einersheim erklingen. Es folgen weitere Termine, bevor es schließlich am 5. November in Ludwigsstadt zum letzen Mal zur Aufführung gelangen wird.


Termine 2017

Sonntag, 30. April, 18 Uhr: Markt Einersheim,
Sonntag, 4. Juni, 17 Uhr:
Coburg - Feste beziehungsweise Heilig Kreuz Kirche,
Montag, 5. Juni, 17 Uhr:
Langenau oder Kleintettau, Sonntag, 25. Juni., 18 Uhr:
Kronach - Seebühne,
in Planung Juni 2017: Lahm - Itzgrund,
Dienstag, 3. Oktober, 17 Uhr: Gleisenau,
Samstag, 7. Oktober, 19 Uhr: Lehesten,
Sonntag, 8. Oktober, 17 Uhr: Schmölz,
Dienstag, 31. Oktober, 17 Uhr: Judenbach,
Sonntag, 5. November, 17 Uhr: Ludwigsstadt. hs