Nach gut zweieinhalb Stunden kann man ungefähr nachvollziehen, warum ein Lehrer lieber ins Dschungelcamp gehen will als zurück in die Schule. Dabei sind die Umstände im fiktiven "Lukas-Podolski-Gymnasium" nicht schlimmer, wohl aber auch nicht besser als andernorts.

Um den Alltag an "seiner" Schule greifbar zu machen, stellt Klaffl vier Lehrerprototypen vor: den Gemütlichen mit Bauchansatz, der seit den 70er Jahren denselben Cordanzug trägt; die Betroffenheitslehrkraft Grünlich, deren Geschlechtszugehörigkeit optisch nicht auszumachen ist; den rustikalen Sportlehrer, der seine Schüler als natürliche Feinde betrachtet, sowie den intellektuellen Humanisten, der "alte und ganz alte" Sprachen lehrt.
An der heiteren Reaktion des Publikums ist ablesbar, dass diese Zusammenstellung nicht aus der Luft gegriffen ist.
Und das Publikum kennt sich schließlich aus, denn wer nicht selbst Lehrer ist, war auf jeden Fall einmal Schüler.

Im Prinzip verrät das Programm nicht viel Neues. Die Kernthemen des Schulalltags scheinen sich in den vergangenen 40 Jahren nicht wesentlich geändert zu haben. Die Kunst Klaffs aber liegt darin, das bekannte derartig frisch, pointiert und zeitgemäß darzubieten, dass es eine Freude ist. Ein genauer Beobachter ist er - und noch dazu einer, der darüber nicht verzweifelt und zum Zyniker mutiert ist. Sein Humor ist der eines augenzwinkernden Menschenfreundes, deshalb ist die Heiterkeit im Saal entsprechend ausgelassen fröhlich.

Bereits unmittelbar nach Betreten der Bühne, mit seinem ersten tiefen Seufzer und dem resignierten Schulterzucken, hat er das Publikum auf seiner Seite: Der Stapel Steigreifaufgaben, der korrigiert werden will, dazu die Flasche Rotwein, Ordner mit bedrohlichen Aufschriften wie "Drohbriefe" und "Kultusministerium" sind ein Stillleben, das viele wieder erkennen.

Im Laufe seiner 40-jährigen Lehrerlaufbahn hat Klaffl einen wunderbaren Fundus an Stilblüten gesammelt. "Die hohen Töne sind leiser als die lauten", schreibt eine Schülerin. Um das zu verstehen, braucht es freilich erst einen tiefen Schluck aus der Flasche. Eines wird jedenfalls klar: Was dem Schüler die Hausaufgabe, ist dem Lehrer das Korrigieren. Aber nicht nur Schüler kriegen ihr Fett weg. Die Kollegen werden genauso durch den Kakao gezogen wie die Herrschaften aus der Politik, respektive dem Kultusministerium. Da hocken welche im Keller, denken den ganzen Vormittag nichts, "und so lange ist es auch gut".


Große Kabarettkunst

Das Programm ist gespickt mit kleinen feinen Spitzen und zeigt große Kabarettkunst. Wenn ihm scheinbar nicht mehr einfällt, welcher Gegenstand ihm in der Lehrerkonferenz aus der Hand gefallen ist, taucht dieser als gelungene Pointe später wieder auf. Die eingangs skizzierten Lehrertypen melden sich auch immer wieder zu Wort. Das gelingt Klaffl mit wenigen Kniffen und zeigt sein schauspielerisches Können.

Wunderbar sind die Nummern an Klavier und Kontrabass. Die demonstrierte Lethargie der Elftklässler unterlegt mit Bassläufen nach "Take a look at the wild side" von Lou Reed ist fast körperlich zu spüren. Und wenn er sich ans Klavier lümmelt wie die Schüler auf ihre Stühle, trifft er deren Gestus und Diktion perfekt. Lehrer, Schüler, Eltern, Kultusbeamte scheinen ein unerschöpflicher Fundus zu sein. Das gezeigte Programm ist nämlich Teil einer Triologie. Als Zugabe macht Klaffl, wie in einem Kinotrailer, neugierig auf die beiden anderen Programme. Da kann man nur hoffen, dass er bald wieder nach Kronach kommt, denn wer will schließlich nicht wissen, wie sich Kollege Grünlich auf dem Wandertag schlägt?