Helmut Wesolek tritt bei der Landtagswahl für die Grünen im Wahlkreis Kronach-Lichtenfels an. Im Interview ging er besonders auf die Verkehrsanbindung ein. Da müsse man schnellere und billigere Lösungen finden, meint er. Ewig auf eine vierspurigen Bundesstraße 173 zu warten, bringe nichts.

Der Großteil des Wahlkampfs findet/fand in den Ferien statt - ist das Fluch oder Segen?
Helmut Wesolek: Da wir den Familienurlaub schon im vergangenen Jahr festgelegt hatten, fehlt mir jetzt Zeit im Wahlkampf, ich hätte gern mehr Kontakt zu den Menschen, insbesondere um Nichtwähler zu mobilisieren.

Was wollen Sie in München für die Region erreichen?
Die Energiewende, regional schon gut gestartet, braucht klare Rahmenbedingungen, um auch für Haushalte und Industrie zukunftsfähige Versorgung bei fairen Preisen
anzubieten. Hierzu muss in Bayern auch die Windkraft eine Zukunft haben.

Die Verkehrsinfrastruktur ist bei uns sehr vernachlässigt, trotz vieler großer Ankündigungen geht es kaum voran, weil das Geld fehlt. Deshalb müssen wir umdenken und schnelle und billigere Lösungen erarbeiten für Ortsumgehungen und damit Entflechtung von Orts- und Durchgangsverkehr (B173). Bildung ist unser höchstes Gut. Hierfür brauchen wir auch im ländlichen Raum mehr Lehrer, um die Schule im Dorf zu lassen.

Worin sehen Sie in der nächsten Legislaturperiode die größte Herausforderung?
Genügend Geld für alle Infrastrukturprojekte, Bildung und Kultur in die Region zu bekommen.

Was macht für Sie persönlich die "Faszination Politik" aus?
Ganz klar die Herausforderungen, je schwieriger die Situation, desto mehr Einsatz kann und werde ich bringen, das habe ich in 30 Jahren internationaler Greenpeace-Arbeit gelernt.

Wie schalten Sie nach einem langen Arbeitstag oder einer langen Arbeitswoche am besten ab?
Wir nutzen jede zeitlich sinnvolle Möglichkeit, in Ebensfeld am Altmainsee auszuspannen. Dort lese ich viel, was ich auch auf langen Bahnfahrten gern mache.

Welche drei Dinge (keine Personen!) würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?
Ein Messer, eine Axt und einen Spaten, alles andere könnte ich mir dann selbst gestalten.

Die Firma Loewe macht derzeit schwere Zeiten durch. Wie können Sie das Unternehmen unterstützen? Was können Sie generell tun, um den Wirtschaftsstandort Kronach zu stärken?
Eine staatliche Bürgschaft (von der Landesregierung angekündigt) wird der Firma Loewe auch kaum helfen, die Arbeitsplätze zu erhalten. Leider liegt ein Teil der Probleme von Loewe in fehlender Anpassungsfähigkeit an globale wirtschaftliche Veränderungen. Was weiterhin fehlt, sind infrastrukturelle Maßnahmen (wie schon erwähnt), um Fachkräfte in Kronach zu halten und eine bessere Bildungspolitik.

Seit langem kämpfen Vertreter aus Politik und Wirtschaft im Kronacher Raum gegen das bestehende Fördergefälle in Richtung Südthüringen. Die Hoffnungen, mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung mit dieser Benachteiligung des Westens gegenüber des Ostens Schluss zu machen, ruhten vor allem auf einer kompletten Neuregelung der Fördergebiete innerhalb der EU ab 2014. Die Sonderlösung von Bundes- und Landesregierung scheint sich nun aber eher negativ auszuwirken. Kronach läuft Gefahr, den Status "C-Fördergebiet" zu verlieren. Das würde die Betriebe im Kreis aber erneut schwächen. Was können Sie tun?
Kronach braucht innovativ denkende Menschen, die verstehen, auf Herausforderungen der Zukunft zu reagieren. Hierzu haben wir bereits einige Initiativen. Kronach ist ein idealer Standort für Fachschulen. Hierfür braucht es Förderungen.

Seit Jahrzehnten wird ein Ausbau der B 173 zwischen Lichtenfels und Kronach gefordert. Bisher reichte es nur zum vierspurigen Ausbau von Kronach bis Neuses. Wäre der weitere Ausbau Richtung Lichtenfels nicht auch ein wichtiger Schritt für den Erhalt des Industriestandorts und zahlreicher Arbeitsplätze? Wie können Sie sich dafür einsetzen?
Der vierspurige Ausbau wird innerhalb einer Generation nicht kommen, nicht weil der Bund Naturschutz oder wer auch immer es nicht will, sondern weil einfach kein Geld im Bundeshaushalt dafür da sein wird. Dieses Projekt steht im "weiteren Bedarf", nicht im "vordringlichen Bedarf" des Bundesverkehrswegeplans und hat damit praktisch keine Realisierungschance. Das muss den Bürgern endlich einmal deutlich gesagt werden. Deshalb finde ich es wichtig und ehrlicher, kurzfristig realisierbare Lösungen für Ortsumgehungen voranzutreiben. Damit wäre allen Beteiligten mehr geholfen als mit einem Kilometer "Kronacher Stadtautobahn". Für Küps halte ich die oberflächennahe Einhausung mit zweispurigem Durchgangsverkehr und einer Überführung für den Ortsverkehr im Bereich der zentralen Ampel für realisierbar.

Seit Jahrzehnten wird ein Ausbau der B 173 zwischen Lichtenfels und Kronach gefordert. Bund Naturschutz und Bürger von Trieb und Hochstadt sind gegen die Trassenvariante Süd. Wie stehen Sie dazu?
Wie die meisten Bürger von Trieb und Hochstadt befürworte ich die mittlere Variante, die auch vom BN bevorzugt wird. Es wäre die einfachste, billigste und damit auch schnell realisierbare Variante. Wie vorher schon erwähnt wäre der vierspurige Ausbau in absehbarer Zeit nicht finanzierbar und würde die Bürger für weitere Jahrzehnte in der gegenwärtigen Situation gefangen halten. Ich betone noch einmal: Die Entflechtung von Ortsverkehr und Durchgangsverkehr mit zweispurigen Ortsumgehungen und entsprechenden Abbiegespuren, gegebenenfalls auch einer Überholspur an Steigungen, würde den Verkehrsfluss, die Sicherheit und für die Bürger vor Ort endlich die Situation verbessern.



Helmut Wesolek:

Alter 63 Jahre

Geburtsort Berlin

Familienstand verheiratet, die Tochter ist 13 Jahre, der Sohn 27 Jahre und Diplominformatiker
Beruf Schreiner und Kaufmann, selbstständig und Teilzeit-angestellt

Aktuelle Tätigkeit Verwaltung eigener Ferienwohnungen sowie angestellt in der Praxis der Ehefrau .