Walter Stingl schüttelt den Kopf. "Ein Trauerspiel" nennt er das, was er am Donnerstagabend in der Sitzung des Wilhelmsthaler Gemeinderates erlebt hat. Dort ging es um eine Hausnummer. Genauer gesagt um die von Stingls Anwesen.Sie sorgt nämlich für Ärger bei einigen Gemeinderatsmitgliedern.
Wolfgang Hugel und Georg Fischer (beide Freie Wähler) beantragten, dass in Effelter keine eigenen Straßenbezeichnungen geführt werden. Bei Stingls Anwesen ist aber genau das der Fall. Es trägt den Straßennamen Bergleite und die Nummer 1. Stingl hat das Baugebiet nach eigenen Angaben im Jahr 2000 gekauft.
"Seit jeher gibt es im Ortsteil Effelter keine Straßenbezeichnungen", schreiben die beiden Gemeinderäte in ihrem Antrag. Das Anwesen Stingl müsse ihrer Meinung nach die Hausnummer 17 a oder 82 beziehungsweise 83 tragen. "Es ist richtig, dass im Innerortsbereich von Effelter zunächst keine Straßenbezeichnungen, sondern nur Hausnummern vergeben wurden", erklärte Geschäftsleiter Manfred Zeitler, ergänzte aber: "Eine erste Ausnahme erfolgte 1987 bei der Effeltermühle." Das im Außenbereich angesiedelte Dekanatsjugendheim mit der ehemaligen Hausnummer 8 habe damals keine neue Hausnummer erhalten, sondern die Bezeichnung "Effeltermühle". Die zweite Ausnahme sei eben bei dem ebenfalls im Außenbereich liegenden Anwesen Stingl erfolgt. Es habe die Bezeichnung "Bergleite" erhalten - in Anlehnung an den Namen des Bebauungsplans. Es sei gängige Praxis, so Zeitler, dass diese Bezeichnung von der Verwaltung zugeteilt und nicht vom Gemeinderat beschlossen wird.
Georg Fischer sprach in der Diskussion davon, dass es sich bei der Effeltermühle nicht um eine Straßenbezeichnung handle. "Aber selbstverständlich", wurde Zeitler laut. Hugel behauptete gar, bei der Effeltermühle handle es sich seit 1988 um einen Ortsteil. Auch dem widersprach Zeitler heftig.
Hugel und Fischer verwiesen darauf, dass das Anwesen zwar im Baugebiet Bergleite liege, die Zufahrt aber von der Staatsstraße aus angedacht gewesen sei. Die Zufahrt erfolge jetzt aber über einen Privatweg und könne daher keine Straßenbezeichnung tragen. Beides wies Zeitler als falsch zurück, die Zufahrt sei nicht von der Staatsstraße aus angedacht gewesen und Zufahrten über Privatwege könnten einen Straßennamen tragen.

Innerhalb oder außerhalb?


Zudem verwiesen die beiden Gemeinderatsmitglieder auf das Anwesen Pfadenhauer, das ebenfalls im Baugebiet Bergleite liege, allerdings nicht diese Bezeichnung trage. Auch hier erklärte Zeitler, dass das falsch sei. Dieses Anwesen liege "außerhalb des räumlichen Geltungsbereichs des Bebauungsplans Bergleite" und sei vom Landratsamt noch als Innerortsvorhaben genehmigt worden - anders als das Stingl-Anwesen.
"Das Anwesen Stingl liegt auch innerhalb geschlossener Ortschaft", beharrte Hugel. "Liegt es nicht, sonst hätte es ja keinen Bebauungsplan gebraucht. Das ist nur im außerörtlichen Bereich üblich", hielt Zeitler dagegen. Letztlich gebe es "nicht einen gewichtigen Grund", die Hausnummerierung für das Stingl-Anwesen zu ändern.
Bürgermeister Wolfgang Förtsch (CSU) sprach in diesem Zusammenhang auch davon, dass die Beschilderung des Anwesens mehrfach unerlaubt entfernt worden sei, es sich dabei um Sachbeschädigung handle und die Gemeinde das deshalb zur Anzeige gebracht habe.
Als "komisch" bezeichnete Susanne Grebner (SPD) das Ganze: "Bei dem Anwesen handelt es sich ja um ein Geschäftshaus. Herr Stingl müsste, wenn die Adresse geändert würde, auch seine ganzen Briefköpfe wieder ändern und die Adressänderung seinen Kunden mitteilen. Und das alles, obwohl er gar nichts dazu kann."
"Die Straße Bergleite gibt es offiziell nicht", sagte Richard Bayer (Freie Wähler) und begründete dies damit, dass sie nicht im Navigationsgerät zu finden sei.
"Was diskutieren wir da jetzt eigentlich groß herum", appellierte Jochen Gleich (CSU) an die Vernunft seiner Gemeinderatskollegen und ergänzte: "Ihr könnt doch dem Mann nicht die Adresse wegnehmen". In die gleiche Kerbe schlug Matthias Barnickel (Freie Bürger): "Ich kann die Diskussion nicht verstehen. Prinzipiell verstehe ich zwar nicht, warum das Bergleite heißt, aber wenn Herr Stingl kein Problem damit hat, warum soll das Schild dann weg?"
Die Adressänderung wurde mit neun zu sieben Stimmen abgelehnt. Das Anwesen Stingl trägt also weiterhin die Bezeichnung Bergleite 1.
Und Stingl? Der sagt, "ein Kindergarten ist intelligenter als der Gemeinderat", denn "die Räte selbst haben das Baugebiet unterschrieben. Ich habe das Baugebiet Bergleite gekauft und dann heißt es auch Bergleite" - das sei für ihn gar keine Frage gewesen. Andernfalls hätte er die Anschrift ja auch bei Ämtern ändern lassen müssen. "Und wer hätte das dann bezahlt?"