"Da müsste Musik sein, überall wo du bist, denn wenn es am schönsten ist ..." - Die Hymne an das Leben und die Kraft der Musik durchdrang am Sonntagnachmittag die Pfarrkirche "Ad portam coeli" in Tettau. In den besonderen Momenten unseres Lebens - beim Gefühl der Erfüllung, überschwänglicher Freude, beim Erleben "göttlicher Momente" - müsste Musik sein. Darin zeigte sich auch Pfarrer Jörg Zech in seiner Predigt an Kantate, dem Sonntag der Kirchenmusik, sicher.

Musik müsste daher überall dort sein, wo man den Glauben spüre und erkenne, dass Gott die richtige Antwort auf alles sei. "Müsste? Ja; aber ist es oft nicht", meinte der Pfarrer. Mit der "Musik" - also mit der Freude und dem Erlöstsein - sei das so eine Sache, wenn man von anderen Seiten Skepsis und Missgunst erfahre, wenn Alteingesessene sagten: "So geht das nicht. Das wollen wir nicht. Das ist zu teuer. Das ist gegen die Tradition." Alles, so der Pfarrer, durchaus vernünftige Gründe. Doch dabei gehe auch mehr und mehr die Freude verloren und man bekomme oft selbst Zweifel, ob das, was man sich ausgemalt hat, tatsächlich so genial und perfekt sei. "Das Gefühl der Freude und der Erlöstheit löst sich auf. Es geht ein Stückchen Musik verloren", bedauerte er.


Viele ähnliche Erfahrungen

In Tettau habe er viele - teilweise ähnliche - Erfahrungen gemacht. Es habe gute Ideen gegeben, es habe sich etwas bewegt und Lösungen hätten sich angebahnt; gute Gedanken - "Und dann blieb doch manches stecken", erinnerte sich der Pfarrer - aufgrund der Lustlosigkeit von außen, aber auch von ihm selbst.

Er und seine Frau, Pfarrerin Sigrid Ullmann, hätten immer wieder versucht, "Musik" zu machen, hätten sich aber auch teilweise selbst davon abgehalten. "Immer wieder bin ich aber auch Menschen begegnet, die begeistert waren, die ein Lied angestimmt haben, die Neuland betraten und sich an eine Sache heranwagten", würdigte er. Vielleicht taten sie dies am Anfang ohne genauen Plan, aber dafür mit Freude und Erfüllung. Dies bewundere er - und in diesem Sinne sollten sie weiter machen, auch ohne Pfarrer. "Es ist wichtiger, dass es geschieht, als sich Gedanken machen, wie es passiert", appellierte er. Pfarrerin Kristine Wachter hatte eingangs die Gottesdienstbesucher willkommen geheißen. Am Sonntag Kantate stelle man die Musik in den Mittelpunkt. Musik und Lieder seien wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes, sie täten der Seele gut.


2011 ordiniert worden

Einen Rückblick in das Wirken des Pfarrers in Tettau hielt Dekanin Dorothea Richter. Zech war im Oktober 2011 ordiniert worden. Nach einem Jahr sei seine Ehefrau, Pfarrerin Sigrid Ullmann, als Stellenteilung hinzugestoßen. Diese habe ihren Dienst in Tettau Ende vergangenen Jahres beendet, während der Pfarrer am 1. Mai seine Stelle in Lauscha angetreten habe. "Beide waren in Tettau unermüdlich tätig", würdigte die Dekanin. Sie hätten sich sehr im Gottesdienst eingebracht, bei der Vorbereitung der Präparanden beziehungsweise Konfirmanden, im Bereich der Seelsorge. Besonders erwähnenswert seien Zechs Bemühungen um die Ökumene sowie seine Affinität für die neuen Medien - mit der Gründung eines Technik-Teams, einem Facebook-Aufritt der Pfarrgemeinde, die Einführung eines digitalen Schaukastens, um diejenigen zu erreichen, die sonst nicht in die Kirche gehen.


Die Flüchtlingsarbeit

Sehr großen Einsatz habe er in der Flüchtlingsarbeit gezeigt. "Die Zeit ist schnell vergangen", meinte sie und zeigte sich dankbar für alles Gelungene. Seit dem 1. Mai habe Pfarrerin Kristine Wachter die Pfarrführung inne. Die Dekanin selbst sei Ansprechpartnerin für den Kindergarten. Das ganze Pfarrkapitel habe seine Bereitschaft erklärt, die Vakanz zu überbrücken.

Im Anschluss an den Gottesdienst, dessen Orgelpart Antje Kraus innehatte, waren alle Gläubigen zu einem Kaffeetrinken im Gasthaus Possecker eingeladen. Hier bestand die Möglichkeit einer persönlichen Verabschiedung und für Grußworte. "Kommen und Gehen bestimmt das Leben", meinte 2. Bürgermeister Falk Wich, der sich namens des Marktes für die gute Zusammenarbeit bedankte. Das Pfarrer-Ehepaar habe in Tettau Vieles bewirken können, den Gemeindemitgliedern mit Rat und Tat zur Seite gestanden und viele Anstöße gegeben.

Pfarrer Johann Beck stimmte für die beiden mit den Anwesenden das Rennsteiglied an. Namens der Flüchtlingshilfe dankte Franz Kluge dem Pfarrer für seinen immensen Einsatz. Zech habe die Abschiebung einer in Tettau untergebrachten Familie verhindert. Er habe sich gekümmert, ihr eine Wohnung besorgt und viel Bürokratisches erledigt. Zusammen mit dem Kirchenvorstand habe man damit ein tolles, wichtiges Zeichen gesetzt. Seitens des Kirchenvorstands überreichte Anja Knabner ein Lunchpaket in die "Lausch". Seniorin Alina Ellgring erinnerte sich an schöne gemeinsame Erlebnisse - beispielsweise eine in Tettau abgehaltene Dekanatssynode. Zech sagte, er habe sich in Tettau sehr wohl gefühlt und sei dankbar für das Entstandene. Das Wichtigste sei, dass es in Tettau weitergehe.