In Töne gesetzte Gefühle, die Entwicklung von leichtem Nieseln über Prasseln bis hin zum ausgewachsenen Sturm - Musik wie ein beginnendes kubanisches Gewitter: Leo Brouwers "Cuban Landscape with Rain" lässt den beginnenden Tropenregen förmlich vor dem geistigen Auge ablaufen - bis hin zum akustischen "Wolkenbruch": welch musikalisches Naturereignis.

Zurücklehnen und die herrliche Musik auf sich wirken lassen: Es war eine wunderbare Reise, ein Spaziergang durch die Seelenlandschaft - verträumt, nostalgisch, spritzig und lebendig -, zu dem die Gitarrenklassen von Gerhard Bauer und Maria Kuhn am Samstag geladen hatten. In ebenso eindrucksvoller wie berührender Art und Weise brachten Solisten wie auch Ensembles in verschiedenen Zusammenstellungen eine Fülle großartiger Musikkompositionen aus verschiedenen Epochen zum Klingen.
Mit Anmut und Sensibilität spielten sich die jungen "Saitenvirtuosen" durch eine Reihe anspruchsvoller Werke unter anderem von Tobias Hume, John Dowland, Leo Brouwer, Jaques Ibert und Paco Peña. Neben solistischen und kammermusikalischen Darbietungen wurde das Programm durch reizvolle Literatur für Flöte, Gesang sowie perkussive Begleitung bereichert.

Die großartigen Solisten Tim Wunder und Franz Beckert über die Duette bis zum ganzen Ensemble mit seinem angenehm warmen Klang: Das Spiel der Musikschüler war geprägt von einfühlsamer Methodik, beeindruckender Fingerfertigkeit und einem hohen technischen Niveau. Mühelos entführten diese ihre Gäste in die wunderbare Welt der Gitarrenmusik. Ihr nuancenreiches Spiel drang bis in die letzten Winkel der ehemaligen Gebetsstätte, deren hervorragende Akustik vollends die Palette der Klangschattierungen unterstrich.


Sanft und gefühlvoll

Fast zärtlich nahmen dabei die Saitenvirtuosen ihre Instrumente in die Hand, um sie mal sanft und gefühlvoll zu bearbeiten - bisweilen aber auch, um im temperamentvollen Spiel auszubrechen. Fast schienen sie die Welt um sich vergessen zu haben. Nicht anders erging es dem Publikum, das sich schweigend von der Klarheit und Tiefgründigkeit des Klanges angezupfter Saiten gefangen nehmen ließ.

Für zwei echte Highlights sorgten Valeria Stein an der Querflöte sowie der junge Sänger Willi Rentsch. Im schönen Zusammenspiel sowie stilsicheren Musizieren ließen Valeria Stein und Florian Knottek "Entr'Acte" aus der Feder von Jacques Ibert erklingen. Gesegnet mit einem hellen, ausdrucksstarken Tenor, trug Willi Rentsch - begleitet von Franz Beckert an der Gitarre - zutiefst anrührend die wunderschöne französische Ballade "Dirait-on" vor, in der der amerikanische Komponist Morten Lauridsen ein Gedicht von Rainer Maria Rilke vertont. Gänzlich verschmolz dabei sein strahlender Gesang mit dem weichen, sich zurücknehmenden Spiel von Franz Beckert. Beeindruckend war auch die Interpretation des "Herencia Latina" von Paco Peña, für das sich Florian Knottek, Philipp Mohr und Leonard Reißenweber selbst ein Arrangement mit perkussiver Begleitung ausgedacht hatten.

Für die vielen zauberhaften Momente der Musizierstunde, durch die Maria Kuhn geführt hatte, bedankten sich die Besucher mit reichlich Applaus.