Mit jährlich rund 3000 Besuchern sollte man doch eigentlich zufrieden sein. Musste man jetzt unbedingt mit Umbauten anfangen und das Ludwigsstadter Schiefermuseum in eine Baustelle aus Farben, leeren Tafeln, ungefüllten Vitrinen und Massen an handbeschriebenen Blättern verwandeln? Die Ehrenamtlichen der Geologisch-Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft (GHAG) meinen: "Ja! Es ist an der Zeit, den Einheimischen und den Besuchern etwas Neues zu präsentieren."

Das Schiefermuseum zeigt seit 17 Jahren in seiner ganzen Vielfalt, wie Schiefer in Ludwigsstadt und den umliegenden Ortsteilen wirtschaftlich genutzt wurde. Präsentiert werden unter anderem Geologie, die harte Tätigkeit im Schieferbruch, die Arbeitsbedingungen in Spalthütten aber auch die Herstellung von Schiefertafeln und -griffel. Die Besucher können aber auch Kunstwerke der Schieferdecker und ein historisches Klassenzimmer bestaunen.



Chaos vor der Einweihung


Wie die Zeiten sich gleichen: Ein paar Tage vor der Eröffnung des Schiefermuseums herrschte im Frühjahr 1999 in den Ausstellungsräumen Chaos. Herumstehende Vitrinen, Tafeln, Kartons und Ehrenamtliche prägten das Bild. In Nachtschichten verschraubten Freiwillige Rohre für die Infotafeln, schoben Ausstellungsobjekte an ihren endgültigen Platz, installierten Lichter und klebten Beschriftungen und Fotos auf.

Die Männer rund um Martin Weber machten das Unmögliche möglich und schufen ein Museum zum Anfassen. Wie geplant konnte die Eröffnung am 17. April 1999 stattfinden.

"Nichts hält länger als ein Provisorium", so sehen es Martin Weber und Siegfried Scheidig auch heute noch. Schließlich habe sich die Einrichtung in den vergangenen Jahren bewährt. Die inzwischen weit über 40 000 Besucher hat es jedenfalls nicht gestört, ganz im Gegenteil. Die meisten Gäste sind von den Museumsräumen begeistert. Gerade die Älteren fühlen sich in die eigene Kindheit zurückversetzt und schwelgen in Erinnerungen. Den ganz jungen Besuchern vermittelt das Museum eine Zeit ohne "moderne Medien", dafür aber mit einer ganz anderen Lebensqualität.


Ein besonderes Haus


"In den vergangenen Jahren haben wir jede Menge neuer Informationen und Ausstellungsstücke bekommen, vor allem auch von Einheimischen. Da werden alte Dachböden entrümpelt oder ganze Häuser abgerissen und überall finden sich Relikte unserer "Schiefervergangenheit, die ins Museum gehören", sagt Martin Weber.
Einigen Zufällen hat es das Schiefermuseum zu verdanken, dass nun aus den provisorischen Bereichen "richtige" Ausstellungsräume werden. Bereits vor einigen Jahren hatte Siegfried Scheidig bei einer Fahrt durch Zeyern festgestellt, dass dort ein besonderes Haus steht - verkleidet mit einer Schieferfassade, auf der Reste alter Stanniolmalereien zu erkennen sind.

Stanniol ist eine ganz dünne Zinnfolie, ähnlich der heutigen Alufolie, mit der Ornamente auf Dachschieferplatten aufgeklebt wurden. An eben jener Hauswand war die Jahreszahl 1673 zu erkennen - somit der älteste datierbare Schiefergiebel mit Stanniolverzierungen. Inzwischen ist das Haus abgerissen, der Wandschiefer fachmännisch abgenommen und im Museum wieder aufgebaut. Dass die Europäische Union und die Oberfrankenstiftung Fördergelder gaben, war ein weiterer Zufall. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, mit dem Aufbau des neuen Giebels auch die provisorischen Tafeln aufzuarbeiten und auf den aktuellsten Stand zu bringen.


Nachtaktive Helfer


Das Problem: Um Fördermittel zu bekommen, muss ein Projekt in einem festen Zeitrahmen abgewickelt werden. Die strengen Vorgaben passen nicht immer mit ehrenamtlichem Einsatz zusammen. In vielen Stunden suchten die Helfer Fotos aus Archivent, sichteten und scannten sie. Aus etwas mehr als 5000 Aufnahmen mussten die passenden 50 ausgewählt werden - und das alles außerhalb der Öffnungszeiten, also nachts.

Nach mehr als 400 Arbeitsstunden ist es nun geschafft. Mehr als 30 neue Tafeln, der Zeyerner Schiefergiebel und neu bestückte Vitrinen laden auch Einheimische dazu ein, das Schiefermuseum wieder einmal neu zu erleben. Die Meinung der GHAG-Veranswortlichen ist klar: Das Museum ist wieder ein Stück schöner und interessanter geworden und wird die Besucher in seinen Bann ziehen.

"Aber auch in den nächsten Jahren werden wir nicht stehenbleiben und Stück für Stück am Museum arbeiten. Wir haben noch so viele Ideen, das reicht für mindestens zwei weitere Menschenleben", schmunzelt Siegfried Scheidig.