Der letzte Vorhang für die Rosenbergfestspiele 2018 ist gefallen und das letzte Lied ist gesungen. Bei "Da Capo! - Einen Vorhang haben wir noch" auf dem Festspielgelände der Festung Rosenberg lauschten zahlreiche Gäste dem Abschluss-Song "Ode an den Lieblingsort des Ensembles in den Probenpausen" und hofften, "dass der Herrgott den Weg nach Kronach uns bald wieder bahne." Humorvoll, geistreich, hintergründig... Was Stefan Haufe, der Initiator und künstlerischer Leiter an diesem Abschlussabend mit seinem Ensemble auf die Beine stellte, war wohl die Geburt einer künftigen Traditionsveranstaltung.


Ausblick auf den Herbst

Zu hören waren nicht nur die Lieblingseissorten des Ensembles oder Episoden aus dem Leben der Schauspieler. Es war vor allem ein gespielter Dank an das Publikum und ein kurzer Ausblick auf die Kammer-Theater-Tage im Herbst. Hier werden Gregor Nöllen, Susanne Rösch und Lutz Leyh jeweils ein Soloprogramm in der Alten Markthalle im Historischen Rathaus bieten.

Auszüge daraus waren jetzt schon bei Da Capo zu hören. Gregor Nöllen las zum Beispiel mit mimischer Bravour ein paar Zeilen aus "Reineke Fuchs", bevor die "Geheimwaffe des Ensembles", Jürgen Malcher alias "Captain Schmois", seinen Auftritt hatte. Der Oberrodacher Dialektjongleur (niederbayrisch mit österreichischem Einschlag) erzählte auf der "roten Couch" unter anderem, dass er zum Ensemble "wie die Jungfrau zum Kind" gekommen sei. Dass die österreichische Schauspielerin Daniela Ilian "Nowotny nicht leiden kann", aber trotzdem Kinder mit ihm habe, erzeugte beim Publikum eine Lachsalve. Witzig und augenzwinkernd beschrieb sie die österreichische Seele: "Eigentlich müssten alle Österreicher ein T-Shirt tragen, wo vorne steht: Ich bin nicht deppert und hinten: Ich auch nicht."

Klaus Meile outete sich, als Kind von Otto Waalkes inspiriert worden zu sein. Er präsentierte zwar keine "gewählte Sprache" mit seinem Beitrag "Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs", von Robert Gernhardt, artikulierte aber in deutlichen Worten, was er von einer "Sonette" hält. Und wer hier noch nicht Tränen lachte, der tat das spätestens beim Beitrag von Susanne Rösch.


Mimisches Feuerwerk

"Ich wollte dem Taxifahrer sagen: 'Rutsch mir den Buckel runter und fick dich ins Knie', aber leider kam nur ein 'rutsch dir ins Knie' aus meinem Mund." In einem mimischen und gestenreichen Feuerwerk machte sie ihrem Ärger über den Einkauf einer Thunfischdose und einen störrischen Taxifahrer Luft.

Über seinen "Matratzenarm" klagte Lutz Leyh. "Als ich den Arm wieder benutzen wollte, war er tot." Er beschrieb anschaulich die Situation des Armes, der sich bei der "Löffelchenstellung" unten befindet und bei dem man nicht wisse, wohin damit. Auch mit "schlafäugigen Blondinen", die im Fitnessstudio ihre "Reithosen einbügeln" hatte er so seine Probleme. "Im Fitnessstudio gibt es eine solche Menge Testosteron, dass man die Geburtenrate Deutschlands weit vor die Ugandas katapultieren könnte."


Rührend und sehenswert war der Beitrag von Stefanie Masnik, die Sarah Connors "Ich seh dich" in Gebärdensprache übersetzte. Dennis Pfuhl zeigte zum Vergnügen des Publikums, wie eine Ziegengattung in Muselstarre und ein Hahn in Schockstarre verfallen kann.


Alle Rollen für einen

"Dinner for Chef" - dahinter verbarg sich eine Parodie auf "Dinner for one", gespielt von Stefan Haufe und Tom Ohnerast. Sie imitierten eine Leseprobe, in der Tom Ohnerast alle Rollen der Schauspieler übernehmen musste. Er konnte einem fast leid tun, denn schon allein das "Schmois zu Don Camillo", der "Festungslikör zu Figaro" und der "Rosé-Wein zu Hotzenplotz" waren eine echte Herausforderung. Dann musste er sich ja auch noch an alle Texte erinnern, die am Schluss - wie könnte es anders sein - schon etwas undeutlich formuliert waren.

Den "letzten Vorhang" dann tatsächlich geschlossen hat Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein. "Ihr seid alle schon fast Kronacher geworden, wir sind nahe zusammengewachsen. Ich bin stolz auf euch!"