Drei Jahre führte ein heute 25-jähriger Mann aus dem Landkreis Kronach ein Unternehmen im Landschaftsbau, aber wenig erfolgreich. Selbst verschuldete Misswirtschaft und schlampige Büroführung und letztlich eine hohe Schuldenlast trieben den Firmengründer im Frühjahr in die Insolvenz. Rund 52 000 Euro schuldete er zu diesem Zeitpunkt für seine 15 Mitarbeiter allein den Sozialversicherungen.

Abgerechnet wurde mit dem einst Selbstständigen am Mittwoch vor dem Kronacher Schöffengericht. Richterin Claudia Weilmünster verurteilte den Mann zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wegen Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt in 71 Fällen. Einbezogen in das Urteil wurde drei kleinere nicht einschlägige Vorstrafen des Angeklagten. Im kommenden Jahr muss sich der Angeklagte noch einmal vor Gericht verantworten. Die Wirtschaftskammer des Landgerichts Hof will ihm dann vorwerfen, weitere rund 100 000 Euro an Steuergeldern hinterzogen zu haben.

"Ob die Bewährungsgrenze dann dort überschritten wird, wird sich erst dort herausstellen", prognostizierte die Richterin in ihrem Urteil. Die Unternehmensführung des Angeklagten kritisierte sie: "Er konnte es einfach nicht. Büroarbeit war nicht seins. Geld hat gefehlt, die Zahlen haben nicht gepasst."

Chaos in der Abrechnung

Drei Jahre lang soll der angeklagte Jungunternehmer seine Arbeitnehmer gar nicht oder nur teilweise bei den Krankenkassen und der Berufsgenossenschaft angemeldet haben. Chaotisch auch die Stundenabrechnungen. 12 500 Arbeitsstunden seien falsch in Rechnung gestellt worden. Während und nach einer Geschäftsprüfung durch das Hauptzollamt waren die massiven Ungereimtheiten aufgefallen. Untermauert wurde das Verhalten des Angeklagten mit einer "Zettelwirtschaft" in dessen Büro. Ein Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet, was nun in dem Verfahren vor dem Schöffengericht mündete.

"Ich war ein junger Mensch, der glaubte, die Welt einreißen zu können. Ich machte mich selbständig, ich habe mich überschätzt", erklärte der Angeklagte und gab die Vorwürfe von Staatsanwalt Mario Geyer zu. Handwerklich habe er zwar das Geschick besessen, aber an der Bürokratie sei er später gescheitert.

Um Geld zu sparen, habe er sich via Internet über Verwaltungsangelegenheiten informiert. Irgendwann habe er erkannt, dass er so nicht weiter komme. Eine dann eingestellte Bürokraft habe aber auch nicht dafür gesorgt, dass die Lage besser wurde, im Gegenteil. Der Verwaltungsaufwand sei dann immer höher geworden, auch das Chaos.

"Ich hatte mir trotzdem hohe Ziele gesetzt. Dann habe ich komplett den Überblick verloren", gestand er sein Scheitern. Probleme habe er auch mit einem großen Kunden bekommen, der ihm noch heute Geld schulde. Eine seiner Straftaten aus dem Vorstrafenregister entschuldigte er: "Ich hatte zu viel psychischen Stress!" Heute sei er nicht mehr selbstständig, sondern Arbeitnehmer in einem Unternehmen.

"Ich glaube nicht, das der Angeklagte noch einmal in die Selbstständigkeit wechselt", hoffte der Staatsanwalt. Er lobte dessen umfängliches Geständnis und das dieser damit der Justiz ein umfangreiches Verfahren erspart habe. Berücksichtigt wurde vom Anklagevertreter auch, dass der 25-Jährige nicht aus Geldgier gehandelt habe. Kritisiert wurde: "Er hat über einen langen Zeitraum falsch gehandelt." Geyer wollte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Rat von der Richterin

"Es war nur ein kurze Episode der Selbstständigkeit", meinte hingegen Verteidiger Helmut Geiger. Er kritisierte, dass der Staat es Existenzgründern anfänglich oftmals viel zu einfach mache. Erst später komme dann das Erwachen und manchmal auch das Scheitern. Geiger glaubte, ein Jahr und vier Monate zur Bewährung reichten aus.

Die Richterin wies in dem Urteil darauf hin, dass der Angeklagte in Zukunft auch für den Ersatz des Schadens von rund 52 000 Euro aufkommen muss. Sie riet ihm: "Lassen Sie zukünftig die Finger von der Selbstständigkeit."