Dort, wo einst ein Stacheldrahtzaun Familien und Freunde über 40 Jahre lang trennte, wo wenige Meter dahinter ein Wachturm stand, da kamen am Sonntag viele Bürger aus Tettau, Spechtsbrunn sowie aus den umliegenden Dörfern zusammen. Sie erinnerten an die Trennung, an den Unrechtsstaat DDR und an die Grenzöffnung vor 25 Jahren. Sowohl für die Tettauer als auch für die Spechtsbrunner wird der 24. November 1989 ein historischer Tag bleiben.

Bürgermeister Peter Ebertsch (Bündnis für Tettau) sprach von Mut und Beharrlichkeit der Bevölkerung in der DDR. Vielen sei aber auch anhand der Entwicklungen bange gewesen. Keiner habe gewusst, welche Konsequenzen die Demonstrationen und Bewegungen mit sich brächten. Die Freude und die Begeisterung am Tag des Mauerfalls und am Tag der Grenzöffnung zwischen Tettau und Spechtsbrunn seien daher um so größer gewesen.
Mit Staunen hätten die Tettauer die Trabis begutachtet, die Bürger auf der anderen Seite des Zauns seien vom VW-Golf beeindruckt gewesen. Viele hätten es damals nicht fassen können, die nah gelegene und doch so weit entfernte Nachbargemeinde nach so vielen Jahren Stacheldraht besuchen zu können.

Ebertsch erinnerte an Freudentränen, an Umarmungen. Er wurde aber auch nachdenklich, als er davon sprach, dass zwölf Menschen am Grenzübergang Tettau / Spechtsbrunn wegen ihres Wunsches nach Freiheit ihr Leben verloren hätten. Unverständnis äußerte er darüber, dass so manche Linke die einstige DDR bis heute nicht als Unrechtstaat bewerteten.

Dankbar über die friedliche Grenzöffnung waren auch die Sonneberger Landrätin Christine Zitzmann und die Bürgermeisterin aus Sonneberg, Sibylle Abel. Teilweise erinnerten sie in ihren Reden, wie sie den Tag des Mauerfalls erlebt haben. Bürgermeister Peter Ebertsch bedauerte, dass kein Landratsvertreter des Landkreises Kronach zur Gedenkfeier nach Tettau gekommen sei.


Drang nach Freiheit

Natürlich durfte bei der Gedenkfeier die Geistlichkeit nicht fehlen. Die Pfarrerinnen Christiane Wachter und Sigrid Ullmann sowie ihr katholischer Kollege Cyriac Chittikalam dankten Gott, dass die Grenzöffnung und somit auch die Freiheit ohne Blutvergießen zu Stande gekommen sei. Sie gedachten aber auch der Opfer auf der ganzen Welt, die ihren Drang nach Freiheit mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier an der ehemaligen Grenze vom Musikverein Tettau und von der Schalmeien-Kapelle Spechtsbrunn.