Weil Heinrich Adelbert einer sich anbahnenden Arbeitslosigkeit oder gar einem Fall in Hartz IV entgehen wollte, zeigte er Mut und nahm die Belastung auf sich, eine Tätigkeit in der Schweiz aufzunehmen. So hat der in Nordhalben geborene und seit 1974 in Nurn verheiratete Heinrich Adelbert im Kanton Thurgau eine "zweite Heimat" gefunden. "Ich bin dort inzwischen seit über fünf Jahren bei einer Hochbaufirma beschäftigt", erklärt der Frankenwälder.
Den Begriff "zweite Heimat" wählt der 55-Jährige, weil er in Amriswil eine Eineinhalb-Zimmer-Wohnung sein Eigen nennt. Ansonsten ist er noch sehr eng mit dem Frankenwald verbunden, wohin er in der Regel im zweiwöchigen Rhythmus zurückkehrt, um bei seiner Familie zu sein. "Wenn ich am Freitagabend gegen 22 Uhr in Nurn eintreffe, liegen nach einer rund fünfstündigen Autofahrt 478 Kilometer hinter mir", stellt er fest. Die gleiche Strecke muss er drei Tage später auf sich nehmen, wenn er am Sonntag um 18 Uhr die Rückfahrt antritt. An den folgenden Arbeitstagen widmet er sich nahezu ausschließlich seiner Tätigkeit als Kranführer bei der Schweizer Hector Bressan AG. Zu seinem Arbeitgeber in Arbon hat er täglich nochmals eine Strecke von 15 Kilometern (einfach) zurückzulegen.

Als Maschinist gearbeitet

Nach einer 15-jährigen und einer anschließenden fünfjährigen Tätigkeit als Maschinist bei zwei Bauunternehmen im Kreis Kronach drohte Adelbert die Arbeitslosigkeit. Durch Zufall stieß er bei der Suche im Internet auf eine Züricher Leiharbeiterfirma, von der er in der Folge innerhalb eines halben Jahres fünf verschiedenen Betrieben zugeordnet wurde. Eine doch noch erfolgte Festanstellung währte nicht lange, da das Unternehmen in die Insolvenz ging. In dieser Situation stieß er dann zum Bauunternehmen Bressan, bei dem er noch heute in luftiger Höhe als Kranführer arbeitet.
Auf die Frage, ob er denn schon einmal an einen Wohnortwechsel gedacht hat, kommt von ihm ein klares "Ja". Dass er davon Abstand genommen hat, lag vor allem an seiner Frau Anita. Diese wollte ihr Elternhaus, in das inzwischen auch finanzielle Eigenmittel geflossen waren, nicht aufgeben, und sie fühlt sich auch sehr mit ihrer Heimat verbunden. Das akzeptierte ihr Mann, so dass nun eben zwischen einem dreitägigen Wiedersehen stets zwei Wochen Schweiz-Aufenthalt liegen.

Auf "Heimaturlaub"

Der "Heimaturlaub" vergeht für den Pendler wie im Flug, denn am Samstag ist er zumeist mit Holz-, Garten- oder Renovierungsarbeiten ausgelastet. Den Sonntag nennt Heinrich Adelbert den Familientag, denn mit seiner Frau hat er drei erwachsene Töchter im Alter von 30, 33 und 36 Jahren sowie fünf Enkel. Entweder kommt die Familie an diesem Tag in das Wohnhaus am Rand von Nurn oder das Ehepaar besucht die außer Haus lebenden Kinder.
Während Heinrich Adelbert mit den Arbeitsbedingungen durchaus zufrieden ist, "ärgern mich doch der viele schweizerische Bürokram und die - zwar nicht immer, aber dennoch stattfindenden - Grenzkontrollen". Was er bei der Überfahrt am Grenzübergang St. Margrethen (Kanton St. Gallen) unbedingt benötigt, sind die Bewilligung des Straßenverkehrsamts und die Bescheinigung der eidgenössischen Zollverwaltung "für die Benutzung eines unverzollten Fahrzeugs mit ausländischem Kontrollschild" - zu Deutsch: Kennzeichen - sowie die Vignette. Nachdem er zunächst eine Aufenthaltsgenehmigung für sechs Monate hatte, ist er inzwischen im Besitz eines Ausländerausweises mit einer fünfjährigen Gültigkeit sowie des Schweizer Führerscheins.

Ein lästiger Defekt

Recht ungern erinnert sich Adelbert an eine Grenzkontrolle, als er seinen jetzigen VW Golf erst kurze Zeit hatte: "Nach den erfolgten Prüfungen, ließ sich das Fenster nicht wieder schließen. Der automatische Heber hat geklemmt, was später auch zu einer Rückrufaktion des Herstellers geführt hat." Doch in dieser Nacht nutzte ihm das wenig. Er musste die noch folgenden 30 Kilometer nicht nur bei offenem Fester, sondern auch bei sehr winterlichen Verhältnissen bewältigen. Von weiteren unangenehmen Zwischenfällen ist er bisher jedoch verschont geblieben.