KronachSeit dem letzten Freischießen sind mittlerweile ein Jahr und fünf Monate vergangen. Wegen der Corona-Pandemie ist es laut Platzmeister Charly Wittig noch unklar, ob das Volksfest in diesem Jahr wieder stattfinden kann. Er geht davon aus, dass das Schützenfest nicht stattfinden wird, wenn das Oktoberfest abgesagt wird. "Wir müssen abwarten, was erlaubt und machbar ist", sagt er. Selbst wenn das Freischießen durchgeführt werden kann, hat Wittig Bedenken: "Ich gehe finanziell maximal von einer Nullnummer aus."

Der Platzmeister befürchtet, dass das Fest von der Bevölkerung nicht so angenommen wird, wenn es Zugangskontrollen und Personenbeschränkungen gibt. Kosten fallen für die Schützengesellschaft dennoch an. "Das nächste Problem ist, dass wir Hallen und keine Zelte haben - andere können einfach einen Biergarten anstelle der Zelte aufstellen", gibt er zu Bedenken. In die Hallen könne der Verein sicher nicht so viele Personen lassen wie gewohnt. Das würde sich dann auch beim Bierumsatz bemerkbar machen. "Wenn der Bierumsatz bis zu einem gewissen Niveau sinkt, kommen wir nicht mehr klar."

Wie der FränkischeTag von der Jahresversammlung im vergangenen Oktober berichtete, fehlten den Schützen nach dem letzten Freischießen 23 000 Euro in der Kasse. Für das Freischießen 2019 habe die Schützengesellschaft gegenüber einer Brauerei "erhebliche Vorleistungen" getätigt, hieß es. Außerdem seien Bierumlagen nicht bezahlt worden. Das Geld sei bisher noch nicht beim Schützenverein eingegangen. "Die Beschilderung, die Security und das Sicherheitskonzept zahlt der Schützenverein im Voraus", zählt Schützenmeister Jörg Schnitzler auf. Auch die Gage des Luftwaffenkorps, das am Eingang in der Nähe des Bierstadels der Brauerei gespielt hat, sei vom Verein bezahlt worden. "Das Korps ist ein Publikumsmagnet, viele setzen sich deswegen zum Bierstadel."

Schützenverein wartet auf Geld

Vier Monate nach der Hauptversammlung wartet der Schützenverein nach eigener Aussage noch immer auf sein Geld. "Bis dato sind keine weiteren Zahlungen eingegangen. Das Geld ist nach wie vor vollumfänglich ausstehend", sagt Schnitzler.

Die Kosten des Vereins laufen trotzdem weiter. "Unter anderem müssen die Liegenschaft und die Versicherungen bezahlt werden. Durch den Wegfall des Freischießens hatten wir im letzten Jahr keinerlei Einnahmen." Durch einen Gerichtsvollzieher hätten bis zu der Versammlung lediglich 65 Euro eingezogen werden können.

Vertrag mit Brauerei gekündigt

Fest steht, dass die Brauerei, die das Geld für die Vorleistungen angeblich nicht bezahlt hat, beim nächsten Schützenfest kein Bier mehr ausschenken wird. "Wir haben den Vertrag Anfang 2020 aufgrund des vertragswidrigen Verhaltens gekündigt. Die Brauerei ist kein Partner mehr von uns", sagt Schnitzler. Auf Anfrage des Fränkischen Tags war die Brauerei zu keiner Stellungnahme bereit. Ob der Verein sein Geld jemals wiedersehen wird, steht in den Sternen. "Wenn wir einen Insolvenzantrag stellen, müssen wir die Kosten zunächst selber tragen. Und dann ist auch unklar, ob wir das Geld zurückbekommen würden."

Um den Wegfall der Brauerei auszugleichen, würde die Gampert Bräu in diesem Jahr zusätzlich im Bierstadel, in der Halle und im Biergarten ausschenken. "Es gäbe andere Interessenten. Aber wir haben uns vor langem darauf verständigt, dass das Freischießen nur von heimischen Brauereien aus dem Landkreis Kronach beliefert wird - daran halten wir fest", sagt Schnitzler.

Schaustellern unverbindlich zugesagt

Der Schützenmeister hofft, dass er bis spätestens Mai Bescheid weiß, ob das Freischießen stattfinden kann. "Die Schausteller haben unverbindliche Zusagen erhalten. Wenn das Fest stattfindet, dürfen sie dann auch präsent sein. Aber wir wissen ja noch nicht, was passiert", berichtet Schnitzler.

Wenn der Festplatz wie in den letzten Jahren bestellt werden kann, können zwischen 50 und 60 Schaustellerbetrieben und Beschicker nach Kronach kommen. Zeitkritischer sei die Buchung der Kapellen. "Das braucht etwas mehr Vorlaufzeit. Dahingehend haben wir aber bisher noch nichts unternommen."