Die Frauen haben Blumenkränze im Haar, das Wort Nazi existiert nicht mehr, es gibt keine Deutsche und Ausländer - "nur" noch Menschen, alle liegen sich in den Armen und haben sich lieb - so bunt und phantasievoll wie die "Partnerschaft für Demokratie Landkreis Kronach" war auch die 2. Demokratiekonferenz am Donnerstagabend in der Galerie des Kronacher Kunstvereins. Viele engagierte Gremiums-Mitglieder, Initiatoren geförderter Projekte sowie Vertreter der Kommunalpolitik und weitere Interessierte waren der Einladung des Landkreises in Kooperation mit der VHS Kreis Kronach gefolgt. Die Moderation oblag Lars Hofmann und der "kitzelte" den Anwesenden in verschiedenen "Murmelgruppen"-Workshops weitere Projektideen "heraus"- so auch für ein "Kronacher Demokratiewunder".
"Das Thema Demokratie ist wichtig in unserer Zeit, in der so viele nicht wissen, wo es hingeht", zeigte sich stellvertretender Landrat Gerhard Wunder sicher. Man brauche Menschen und Institutionen, die sich hierzu bekannten. Die Politik sei aufgerufen, mit den Menschen die Diskussion zu suchen, was aber leider von der großen Politik oftmals vergessen werde.
Annegret Kestler vom VHS Kreis Kronach als Koordinierungs- und Fachstelle erhält seit September Unterstützung von ihrer Kollegin Sabine Nachtrab. Die neue pädagogische Mitarbeiterin stellte Hintergründe, Ziele und den Aufbau der Partnerschaft vor. Mit der Konferenz wolle man, so Lars Hofmann, das Projekt der Bevölkerung bekannter machen. Zugleich sollen neue Ideen entstehen und die Lust geweckt werden, sich daran zu beteiligen - beispielsweise im Begleitausschuss oder im Jugendforum.
Erfreulicherweise wurden wieder einige geförderte Projekte durchgeführt beziehungsweise sind noch am Laufen, von denen vier vorgestellt wurden.
Kronachs 2. Bürgermeisterin Angela Hofmann berichtete vom "Kronacher Mädchen-Café". Das moderierte Forum - organisiert vom städtischen Arbeitskreis "Familienfreundliches Kronach" und von Kronach Creativ - richtet sich an Mädchen von zwölf bis 16 Jahren. "Durch ihre Mitwirkung an verschiedenen Projekten soll ihre Verbundenheit zu ihrer Heimatstadt wachsen", erklärte Hofmann. 2015 wurden eine "Coole Summerparty" und Tierbetreuungskurse durchgeführt. 2016 suchte und fand man einen neuen Lieblingsplatz in der Kronachallee. Nun gehe es ans Gestalten und auch verstärkt in die Werbung. Bildungsreferent Andy Fischer stellte die letztjährige BDKJ-Aktion zum 9. November vor. Bei einem Funkprojekt liefen auf Radio Eins mit Unterstützung von Uli Noll den ganzen Tag Fragen wie "Wie würdest Du Dich fühlen, wenn man heute Dein Haus oder Deine Wohnung stürmen würde?, ... wenn man Dich heute foltern würde?, ..., wenn man Dich heute Deines Lebens berauben würde?" Christian Porzelt und Odette Eisenträger-Sarter vom Aktionskreis Kronacher Synagoge initiieren in der ehemaligen jüdischen Gebetsstätte eine Dauer-Ausstellung über jüdische Familien aus Kronach. Zudem werden 2017 in Kronach Stolpersteine - kleine, beschriftete und im Boden eingelassene Messingplatten - verlegt, und zwar vor den letzten bekannten Wohnhäusern Kronacher Juden. Für 25 Steine haben sich bereits Paten gefunden. Es wird ein Begleitprogramm geben, wobei man insbesondere Schüler einbeziehen möchte. Hanni Wachter - Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Kronach - erzählte von einer Osterbrunnen-Ausflugsfahrt Kronacher Senioren mit Asylsuchenden über fränkisches Brauchtum der Passions- und Osterzeit. Projektträger war der VdK Ortsverband Kronach.
"Einmal angenommen, über Nacht geschieht ein Wunder. Wenn Sie morgen früh aufwachen, woran merken Sie als erstes, dass das Wunder geschehen ist?", fragte Lars Hofmann die Anwesenden nach ihrem ganz persönlichen "Kronacher Demokratiewunder". Odette Eisenträger-Sarter beispielsweise schwebte der Geist der Studentenbewegung 1968 mit jeder Menge "Flower-Power" vor. "Alles ist bunt und flippig. Überall sind Peace-Zeichen angebracht", sinnierte sie. Natascha Christmann vom Struwwelpeter wünschte sich, dass alle Menschen dorthin könnten, wo sie hinwollten und durch Flucht getrennte Menschen wieder zusammenfänden. Hanni Wachter dachte an einen warmen Geldregen für Kronach, um Hilfsprojekte für Schwächere finanzieren zu können. "Das Wort Nazi gibt es nicht mehr. Alle Menschen zeigen Zivilcourage. Kronach ist bunt", erhofften sich Florian Bätz und Andy Fischer. Als Ideen für konkrete Projekte wurden unter anderem ein Bürger-Café, ein Schüler-Projekt für einen bewussteren Medien-Umgang sowie eine große Gemeinschafts-Aktion zur Verschönerung Kronachs genannt. Ein Handlungsschwerpunkt der VHS 2017 ist die Prävention gegen Rechtsextremismus sowie Cybermobbing und Mobbing Jugendlicher. Zudem will man die Bevölkerung für die Bedeutung von Wahlen sensibilisieren wie auch für die Gefahren rechtspopulistischer Ansichten. Ulrike Mahr fertigte ein "Protokoll" der Konferenz als grafische Aufzeichnung - einem sogenannten graphic recording.


Partnerschaft für Demokratie


2015 beteiligte sich der Landkreis Kronach mit der "Partnerschaft für Demokratie" am Bundesprogramm "Demokratie leben!". Ziel ist es, relevante Akteure für Aktivitäten gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit sowie für die Entwicklung eines demokratischen Gemeinwesens zusammenzubringen und somit zum nachhaltigen Aufbau lokaler und regionaler Bündnisse in
diesen Themenfeldern beizutragen. hs