Die Steinberger Sparkassen-Geschäftsstelle soll zum 31. Juli 2017 aufgelöst werden. Die drohende Schließung war Thema einer Zusammenkunft des CSU-Ortsverbands Steinberg. In einem offenen Brief an den Verwaltungsrat und den Vorstand der Sparkasse Kulmbach- Kronach üben die Steinberger CSU-Gemeinderäte Petra Öhring, Klaus Sesselmann, Werner Gareis und Jochen Gleich sowie der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft Steinberg, Alexander Öhring, harsche Kritik an der Sparkasse.

Der Verlust dieser "überlebenswichtigen infrastrukturellen Einrichtung" treffe gerade auch die älteren, körperlich eingeschränkten und sozial schwächeren Mitbürger, denen damit ein wichtiger Teil ihrer Eigenständigkeit genommen würde, heißt es in dem Schreiben.


Nicht in Kenntnis gesetzt

Besonders sauer stieß ihnen dabei auf, dass weder die Gemeindeverwaltung noch die örtlichen Mandatsträger von diesem Vorhaben vorab in Kenntnis gesetzt worden waren, um hierauf reagieren zu können. "Dass man derart schwerwiegende Vorgänge aus der Presse erfahren muss, ist für uns in keiner Weise akzeptabel", prangerte CSU-Fraktionsvorsitzender Jochen Gleich an. Die genannten Argumente für die Schließung - wirtschaftliche Gründe und die steigende Inanspruchnahme von Online-Diensten - wollen die CSU-Mitglieder nicht hinnehmen. Laut ihren Beobachtungen wird gerade die Geschäftsstelle - insbesondere der SB-Bereich - nicht nur von der Steinberger Bevölkerung, sondern auch aus den benachbarten Dörfern sowie von anderen vorbeifahrenden Kunden stark frequentiert. Darüber hinaus darf ihrer Meinung nach das Handeln eines leistungsfähigen Geldinstituts wie der Sparkasse nicht nur Wirtschaftlichkeitsinteressen mit dem Ziel der Gewinnmaximierung im Auge haben. Vielmehr müsse es auch für sich in Anspruch nehmen, unter sozialen Gesichtspunkten die Interessen und Serviceansprüche ihrer langjährigen und treuen Kundschaft zu bedienen, konform ihres gesetzlichen Auftrags (Sparkassen-Ordnung, Paragraf 1).

Eingehend auf die mobile Geschäftsstelle, betonte man, dass diese kein adäquater Ersatz für eine barrierefreie, auf kurzen Wegen fußläufig erreichbare Geschäftsstelle mit einem rund um die Uhr verfügbaren Geldautomaten beziehungsweise Kontoauszugsdrucker sein könne.

Bei dem Treffen wurde die weitere Vorgehensweise abgestimmt und Maßnahmen in die Wege geleitet, mit denen man die Sparkasse zu einer Revidierung ihres Entschlusses bewegen möchte. Um ihrer Forderung für einen Erhalt der Geschäftsstelle Ausdruck zu verleihen, findet am kommenden Freitag und Samstag, 6. und 7. Juli, eine Unterschriftenaktion beim Rewe-Markt in Steinberg statt. Weitere Listen liegen in den örtlichen Geschäften und Gasthäusern sowie bei den genannten Initiatoren aus.

Sicher zeigt sich die CSU in Steinberg darin, dass weitere Filialen im Landkreis von einer Schließung bedroht sowie weitere Einschränkungen im Serviceangebot der Sparkasse zu befürchten seien. So werden beispielsweise die Öffnungszeiten in der einzigen verbleibenden Geschäftsstelle im Ortsteil Wilhelmsthal drastisch reduziert. Die Schließung könnte daher eine weitere unangenehme Signalwirkung entfalten. Die Unterschriftenlisten wird man bei einem Termin am Donnerstag nächster Woche an Landrat Klaus Löffler übergeben mit dem Appell, sich sowohl als Landrat als auch als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Kulmbach-Kronach für einen dauerhaften Erhalt der Geschäftsstelle einzusetzen.


Nicht locker lassen

"Wir werden in unseren Bemühungen nicht locker lassen", kündigen die Kommunalpolitiker entschlossen an, denn: "Was nützen letztlich alle Bemühungen seitens der Mandatsträger sowie vieler ehramtlich engagierter Bürger um die Daseinsvorsorge auf dem flachen Land - so wie derzeit im Rahmen des laufenden Gemeindeentwicklungskonzeptes der Gemeinde Wilhelmsthal, wenn Einrichtungen der kommunalen Daseinsvorsorge Zug um Zug abgebaut werden?"



Offener Brief:

Sehr geehrte Herren des Verwaltungsrates und des Vorstandes der Sparkasse Kulmbach-Kronach,

mit Unverständnis, Entsetzen und maßloser Enttäuschung mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass die Geschäftsstelle in Steinberg Ende Juli vollständig (inkl. des SB-Bereiches!) geschlossen werden soll. Des Weiteren werden die Öffnungszeiten in der damit einzigen verbleibenden Geschäftsstelle im Ortsteil Wilhelmsthal drastisch reduziert.

Damit verliert Steinberg, der einwohnerstärkste Ortsteil der Gemeinde Wilhelmsthal, eine überlebenswichtige infrastrukturelle Einrichtung. Den zahlreichen ortsansässigen klein- und mittelständischen Betrieben sowie auch den Vereinen wird damit der Zugriff auf die für sie notwendigen Finanzdienstleistungen (z.B. Bargeldaus- bzw. Einzahlungen) erheblich erschwert.

Weder die Gemeindeverwaltung noch die örtlichen Mandatsträger wurden von diesem Vorhaben mit dem notwendigen zeitlichen Vorlauf in Kenntnis gesetzt, um hierauf reagieren zu können. Es ist für uns in keinster Weise akzeptabel, derartige scherwiegende Vorgänge erst aus der Presse erfahren zu müssen.

Die Sparkasse war für uns bisher eine verlässliche regionale Institution, die gemäß ihres gesetzlichen Auftrags (SpkO §1) gerade im vom demografischen Wandel betroffenen ländlichen Raum die Versorgung in der Fläche sichergestellt hat.

Die ehrenamtliche Arbeit zahlreicher engagierter Bürger und Mandatsträger im Rahmen des laufenden Gemeindeentwicklungskonzeptes der Gemeinde Wilhelmsthal wird dadurch konterkariert. Mit einem Federstrich am grünen Verwaltungsratstisch werden damit durch unsere gewählten kommunalen Mandatsträger gerade unsere älteren, körperlich eingeschränkten und sozial schwächeren Mitbürger zu Kunden zweiter Klasse degradiert. So wird speziell dieser Bevölkerungsgruppe ein wichtiger Teil ihrer Eigenständigkeit genommen.

Die hoch gelobte mobile Geschäftsstelle kann mit ihrer wöchentlichen Verfügbarkeit von 90 Minuten in keinem Fall adäquater Ersatz für eine barrierefreie, auf kurzen Wegen fußläufig erreichbare Geschäftsstelle mit rund um die Uhr verfügbaren Geldautomaten bzw. Kontoauszugsdrucker sein.

Selbstverständlich sind uns die wirtschaftlichen Zwänge durch die momentane Niedrigzinsphase und das damit schwierige geschäftliche Umfeld für die Sparkasse bewusst. Aber ausschließlich durch Ausdünnung des Geschäftsstellennetzes, Reduzierung von Öffnungszeiten und Ausgrenzung von langjährigen treuen Kunden kann dieses Problem nach unserer Ansicht nicht dauerhaft gelöst werden.

Dringend notwendig wären hier langfristig tragfähige, innovative Konzepte, neue Ideen und Lösungsansätze, die dem ländlichen Raum, dem demografischen Wandel und dem gesetzlichen Auftrag der Sparkassen gerecht werden.

Wir erwarten von unseren Verwaltungsräten, dass dieser Beschluss, der jeder kommunalen und christlich-sozialen Verantwortung zu wider läuft, revidiert wird. In Steinberg muss der Bevölkerung und den örtlichen Wirtschaftsunternehmen auch weiterhin zumindest eine SB-Geschäftsstelle zur Verfügung stehen.

gezeichnet
Gemeinderätin Petra Öhring
Gemeinderat Klaus Sesselmann
Gemeinderat Werner Gareis
Gemeinderat Jochen Gleich
Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft Steinberg, Alexander Öhring