Auf dem Parkplatz der Berufsschule warten einige junge Männer auf ihre Fahrstunde. Unter den Schülern ist auch Johannes Daum aus Teuschnitz. Schon kommen die Autos verschiedener Fahrschulen gefahren. Die angehenden Industriemechaniker werden in Dreiergruppen aufgeteilt. Johannes nimmt mit zwei weiteren Mitschülern im Auto der Fahrschule Kaim Platz. Fahrlehrer ist Günther Skultety.
Johannes ist 19 Jahre. Er hat seit rund zwei Jahren den Führerschein. Auch seine Klassenkollegen haben schon vor einiger Zeit ihre Fahrprüfung erfolgreich abgelegt. Trotzdem steht für sie an diesem Tag - anstelle von Deutsch oder Mathematik - Fahrschultraining auf dem Stundenplan. Und das aus gutem Grund.

Blick in die Statistik


Statistiken zeigen, dass Fahranfänger zwischen 18 und 21 Jahren überproportional an Verkehrsunfällen beteiligt sind. Untersuchungen haben zudem eine besondere Unfallgefährdung einer Teilgruppe junger Erwachsener ergeben. Diese besteht zu zwei Dritteln aus männlichen Personen der gewerblichen Ausbildungszweige. Deshalb wurde die Aktion auch in den Metall- und Elektroklassen der Schule durchgeführt. Die Veranstaltung unterteilte sich in eine moderierte Gruppendiskussion, ein beobachtetes Fahren sowie eine Abschlussdiskussion.
Johannes Daum kommt aus Teuschnitz. Er befindet sich im letzten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker bei der Firma Rauschert in Steinbach am Wald. Er erzählt: "Während der Woche bin ich täglich mit meinem Auto unterwegs, weil ich zu meiner Arbeitsstelle beziehungsweise jeden Montag zur Berufsschule fahre." Aber auch in der Freizeit an den Wochenenden sei er gut unterwegs - und zwar nicht nur im Landkreis, sondern auch darüber hinaus.

Alkohol ist tabu


"Wir wechseln uns beim Fahren ab und machen vorher aus, wer fährt. Selbstverständlich trinkt der Fahrer keinen Alkohol", betont er mit einem Blick auf die Discobesuche mit Freunden. Dieses Verhalten liege aber nicht nur an den vielen Verkehrskontrollen und der Tatsache, dass jeder von ihnen seinen Führerschein braucht. Auch der "gesunde Menschenverstand" sage ihnen, dass Fahren unter Alkohol nicht geht.
Vor der Fahrstunde haben die Schüler den Präventionsfilm "Ausgeträumt" gesehen. Darin verursacht ein alkoholisierter Fahrer einen schweren Verkehrsunfall. Zwei der Beteiligten - einer sitzt im Rollstuhl, der andere im Gefängnis - erzählen rückblickend von ihrer Vergangenheit. Der Zuschauer durchlebt den Autounfall und all das, was zum Unfall geführt hat. "Der Film war schon heftig. Und er regte zum Nachdenken über das Fahren unter Alkohol und Drogen an", meint Johannes betroffen. Die Veranstaltung hält er für sehr sinnvoll.
"Wir werden sowohl von einem Fahrlehrer, als auch von den mitfahrenden Klassenkameraden bewertet. Es ist gut, einmal von außen Kritik oder Verbesserungsvorschläge zu bekommen. Die eigenen Fehler merkt man selbst manchmal gar nicht mehr", sagt er nachdenklich.

Die "Todsünden"


Das bestätigt auch Günther Skultety: "Wir stellen immer wieder dieselben ,Todsünden‘ fest, so auch heute." Hierzu zähle, dass vor dem Abbiegen nicht in den Spiegel geschaut und oft auch das Blinken vergessen werde.
"Zudem haben die Fahrer oft nur eine Hand am Lenkrad, die andere auf der Schaltung. Das ist sehr gefährlich, gerade wenn etwas Unvorhergesehenes passiert", macht er deutlich. Auch die richtige Lenkradhaltung sei wichtig. Viele würden eher lässig hinter dem Steuer hängen oder dieses nur am oberen oder unteren Lenkradkranz festhalten, was absolut nicht gehe.
Die Ergebnisse der Fahrt beob achtungen bildeten die Basis der Schlussdiskussion, an der auch der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht Kronach, Roland Pyka, teilnahm. "Mir liegt diese Veranstaltung sehr am Herzen. Ich möchte erreichen, dass sie sich hier an der Schule fest etabliert. Das Wichtigste daran ist, dass sie Teil des Unterrichts ist - also verpflichtend für alle Schüler", betont er.
Es gebe auch die Aktion "Könner durch Erfahrung", so Pyka weiter. Jeder Fahranfänger, der ein Jahr im Besitz eines Führerscheins ist, erhält dabei schriftlich ein kostenloses Verkehrstraining angeboten. Pyka bedauert: "Das wird leider von weniger als sieben Prozent der Angeschriebenen angenommen. Und dann kommen nur diejenigen, die sowieso schon pflichtbewusst sind. Die anderen aber, die das Training nötig hätten, sind damit nicht zu greifen."