Die Tiefkühl-Pizza steht auf dem Tisch, ein Glas Cola daneben. Gerade von der Arbeit gekommen, spachtelt der Mann das Abendessen schnell in sich hinein, denn in ein paar Minuten geht es schon wieder zu einem Termin weiter.
Der Hauswirtschaftsdirektorin Christine Seemüller-Kohles und der Ansprechpartnerin für Ernährung, Regina Burkhardt, beide vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten dreht sich bei einem solchen Anblick wohl der Magen um. Mit gesunder Ernährung hat das ihrer Aussage nach überhaupt nichts zu tun.

Was kommt wie auf den Tisch?


Dabei kommt es ihnen nicht nur darauf an, was auf den Tisch gebracht wird, sondern auch wie die Nahrung zubereitet und gegessen wird. "Das Geschmacksempfinden ist wichtig", betont Christine Seemüller-Kohles. Von Kindesbeinen an sollten die Leute zu einem solchen Denken hingeführt werden.
Das sieht auch Regina Burkhardt so. Gesundes Essen heißt für sie beispielsweise, möglichst auf Fertigprodukte und Geschmacksverstärker zu verzichten. "Wir müssen wieder lernen, wie Obst, Milch oder ein Stück Fleisch schmecken", stellt sie fest.
Gerade bei der jüngeren Generation macht sie dahingehend Defizite aus. "Die jungen Leute sind mit Geschmacksverstärkern aufgewachsen. Diese konditionieren uns auf einen Geschmack, den es in der Natur gar nicht gibt. Die Leute sind getrimmt auf ,geschaffene Geschmäcker‘." Deshalb sei es besonders wichtig, dass Eltern beim Essen für ihre Kinder wieder ein großes Augenmerk darauf legen, was darin enthalten ist. Vieles lasse sich zudem einfach selber machen, wie etwa eine Bananenmilch. "Dann entscheide ich, was ich hineintue und letztlich esse."
Doch nicht nur die Inhaltsstoffe und Gewürze spielen bei einer gesunden Ernährung eine tragende Rolle, sondern auch die Art der Zubereitung. Deshalb mahnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in ihren "10 Regeln" zu einer schonenden Zubereitung des Essens. Das heißt, dass man beispielsweise Gemüse lieber dünsten als kochen sollte, oder auch, dass Fett nur sparsam zum Einsatz kommen sollte.
Für das Würzen hat Christine Seemüller-Kohles einen Tipp, um den Einsatz von Salz zu drosseln: "Würzen kann man auch mit frischen Kräutern. Sellerie zum Beispiel hebt den Geschmack der anderen Produkte." Und wenn gesüßt werden muss, dann sollte lieber zu Honig oder Bananen gegriffen werden anstatt zu Zucker. "Die bieten eine natürliche Süße."
Um sich wirklich gesund zu ernähren, gehört für die beiden Frauen auch dazu, sich Zeit für das Kochen und Essen zu nehmen, ausreichend Gesundes zu trinken und sich viel zu bewegen. An Getränken empfehlen sie Wasser, Tee oder Saftschorle (mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag). Der erste Schritt zur gesunden Ernährung werde aber schon beim Einkaufen gemacht, wie Regina Burkhardt festhält: "Alle natürlichen Lebensmittel sind toll. Alles was unsere Omas und Opas als Lebensmittel nicht erkennen würden, sollten wir vermeiden. Und die Zutatenlisten sollten wir kritisch beäugen, ob man dafür nicht schon ein Chemiebuch braucht."

10 Regeln für gesunde Ernährung


1. Vielseitig essen
Eine ausgewogene Ernährung sollte abwechslungsreich sein und nährstoffreiche sowie energiearme Lebensmittel vernünftig miteinander kombinieren.

2. Getreideprodukte und Kartoffeln
Brot, Nudeln, Reis, Getreideflocken und Kartoffeln enthalten kaum Fett, aber viele wertvolle Inhaltstoffe. Deshalb sollte man sie durchaus reichlich genießen.

3. Gemüse und Obst
Fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag sollte ein Mensch sich gönnen.

4. Milch, Fisch, Fleisch, Wurst und Eier
Milch und Milchprodukte sollten täglich aufgenommen werden, Fisch ein- bis zweimal in der Woche. Fleisch und Wurst (300 bis 600 Gramm pro Woche) sowie Eier sind - in Maßen konsumiert - wertvolle Lebensmittel.
5. Fett und fettreiche Lebensmittel
Sie liefern lebensnotwenige Inhaltstoffe, gefährden bei reichlichem Verzehr aber die Gesundheit,

6. Zucker und Salz
Beide sollten nur in Maßen aufgenommen werden.

7. Flüssigkeit
1,5 Liter am Tag sollte jeder mindestens trinken.

8. Zubereitung
Das Essen sollte schmackhaft und schonend zubereitet werden.

9. Genießen
Zum Essen sollte man sich Zeit nehmen. Das fördert das Sättigungsempfinden.

10. Gewicht und Bewegung
Viel körperliche Bewegung und das richtige Gewicht fördern die Gesundheit.