"Es wird genau in dem gleichen Trott weitergehen wie bisher", ist sich Astrid Vetter sicher, wenn sie an den Schulbeginn denkt. Ab Dienstag werden wieder Hunderte Kinder und Jugendliche ihren Schulweg zu Fuß, mit Bus und Bahn von der Rennsteig-Region nach Kronach und zurück hinter sich bringen. Dafür werden sie nach Ansicht der besorgten Mutter täglich Stunden auf Straße und Schiene unterwegs sein und sich in überfüllte Busse und Eisenbahnwagen quetschen müssen.

Ein Kind aus Lauenstein ist ihren Berechnungen nach 3,5 Stunden unterwegs, um fünf Stunden an der Schule zu verbringen. Wenn Nachmittagsunterricht ansteht, kommt der gleiche Schüler frühestens um 17.31 Uhr nach Hause - elf Stunden und 40 Minuten, nachdem er durch die Haustür gegangen ist. Auf seinem Weg hat das Kind dann eventuell noch einen Kampf um einen Platz im Zug hinter sich gebracht.

Für Astrid Vetter und ihre Mitstreiterin Tanja Jakob ein unhaltbarer Zustand, weshalb die beiden Mütter vom Rennsteig bereits 2013 die stark frequentierte Facebook-Gruppe "Schülerverkehr mit der Bahn im Landkreis Kronach" ins Leben gerufen und die politische Diskussion angekurbelt hatten. Vor allem hatten sie damals schon auf ihrer Ansicht nach zu wenig "Zugmaterial" und folglich zu wenig Platz in den Zügen hingewiesen.

Gesetz gibt Grundlage vor

Seitdem hat es zwar Nachbesserungen gegeben, von einer richtig guten Lösung ist der Landkreis nach Meinung der beiden Frauen aber noch weit entfernt. Deshalb fordern sie, die gesetzlichen Grundlagen endlich umzusetzen: gleiche Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land.

Astrid Vetter verweist auf jährlich im günstigsten Fall 840 Euro, die es koste, einen Elft- oder Zwölftklässler vom Rennsteig an die Schulen in Kronach befördern zu lassen. Das könne sich manche Familie heute gar nicht mehr leisten. "Entweder gibt es eine Pauschale, die alle zahlen, oder der Freistaat zahlt für alle - sonst ist das nicht fair", fordert sie eine politische Kurskorrektur.

"Bis die Tür nicht mehr zugeht"

Auch könne es nicht angehen, dass Kinder in Züge gestopft würden, bis die Tür nicht mehr zugehe, gleichzeitig aber bei jedem Viehtransport bessere Bedingungen für die Tiere vorgeschrieben seien.

Tanja Jakob ärgert sich in diesem Zusammenhang, dass die Eltern beim Landratsamt mit ihren Forderungen oftmals auf taube Ohren gestoßen seien. "Einem Hartz-IV-Bezieher sind solche Anfahrtswege nicht zuzumuten, den Kindern aber schon", schimpft sie über die Situation, wie sie sich im Schuljahr 2013/14 dargestellt habe.

Gerade an Freitagen rechnet sie auch heuer wieder mit Hochbetrieb auf dem Bahnsteig - spätestens wenn nach ein, zwei Wochen der Nachmittagsunterricht auf vollen Touren läuft. Und Verweise auf Mitfahrer-Zählungen in den Waggons, die nach Ansicht der beiden Mütter nicht korrekt vorgenommen wurden, oder auf Ersatzbusse, die jedoch nicht an den Rennsteig durchfahren und die Anschlussverbindungen verpassen, quittieren die Frauen mit einem müden Lächeln.

Schüler wandern nach Neuhaus ab

Ferner sehen sie MdL Jürgen Baumgärtner (CSU) in der Pflicht; er solle sich nach seinen Wahlkampfversprechungen nun auch mit aller Kraft für eine zugesagte Optimierung der Schülerbeförderung ins Zeug legen. Sonst könne es weiterhin passieren, dass Schüler aus dem Landkreis-Norden nach Neuhaus (Thüringen) aufs Gymnasium gehen, was ein Jahrgang zuletzt schon getan habe.

Und es könne zu Klagen kommen. Dies halten die beiden Frauen sogar für wahrscheinlich. Falls es bei der Schülerbeförderung heuer wieder schief laufen sollte, hat Tanja Jakob noch einen Tipp in petto: "Wenn wir die Schulcontainer aus Kronach an den Rennsteig stellen, dann können wir unsere Kinder auch dort beschulen - und sparen Millionen!"

Vereinsgründung geplant

Astrid Vetter und Tanja Jakob sprachen an, dass ein Verein gegründet werden soll, der Eltern auch bei Rechtsstreitigkeiten in Sachen Schülerbeförderung unterstützen soll.

Die beiden Frauen bitten darum, Probleme auf dem Schulweg aus der oder in die Rennsteig-Region zu dokumentieren und mitzuteilen unter E-Mail: schulweg-rennsteigregion@web.de