Die Auflösung der Personalunion bei der Sicherstellung des Notarzt- und Bereitschaftsdienstes in Steinbach am Wald Ende 2016 soll das Risiko der Organisationsverschuldung seitens der Kassenärztlichen Vereinigung beseitigen.

Der Tettauer Arzt Michael Müller, der zusammen mit seiner Kollegin Ines Pechtold den Notarzt- und Bereitschaftsdienst im oberen Frankenwald sicherstellt, sieht in dieser festgesetzten Auflösung eine ärztliche Versorgungslücke in der Rennsteig-Region. Entsprechend hat Arzt bereits Anfang Mai ein Schreiben an die Rennsteigbürgermeister, an den Landrat und an die Kassenärztliche Vereinigung verfasst.

Rund 20 Wochen sind Ines Pechtold und er pro Jahr als Notärzte im Einsatz, darunter mit jeweils sechs bis acht Wochen Bereitschaftsdienst. Sollte die Personalunion nun getrennt werden, müssten beide neben ihren 20 Wochen Notarztdienst den Bereitschaftsdienst anhängen.
"Das ist nicht zu bewältigen, da schon bisher die Dienstbelastung über 20 Wochen rund um die Uhr sehr hoch ist."

"Erfolgreiches Modell"

Die Personalunion bezeichnet Michael Müller als ein seit über 30 Jahren erfolgreiches Modell. Seines Wissens gab es nie auf Probleme, beispielsweise wegen unterlassener ärztlicher Hilfeleistung. Problem sei wahrscheinlich die fehlende Rechtsgrundlage, mutmaßt er.

Wenn nun die Personalunion in Steinbach aufgelöst wird, gäbe es seiner Meinung nach eine Möglichkeit ihn und seine Kollegin zu entlasten, indem die gesamte Bereitschaftsdienstgruppe im Landkreis Kronach, bestehend aus rund 50 Ärzten, einer Befreiung für beide vom Bereitschaftsdienst zustimmen würde. "Das wird aber nicht passieren!" Denn, so erklärt er, somit würden im Norden statt acht nur noch sechs Kollegen Dienst versehen. Die Dienstgruppe Süd müssten dann auch den Norden mit versorgen. Deren Dienstbelastung würde deutlich steigen.

Bei einer Trennung und einer Änderung der Struktur im Bereitschaftsdienst sieht Müller die Gefahr, dass - da das Gebiet ja vergrößert wird - der diensthabende Arzt aufgrund der Bevölkerungsstruktur den überwiegenden Teil seines Dienstes im südlichen Landkreis unterwegs ist.

Deutlich verlängerte Fahrstrecken, massive Verzögerungen bei den angeforderten Hausbesuchen sind die Folge. "Und da stellt sich die Frage eines Organisationsverschuldens seitens der KV!" Müller ist überzeugt, dass eine zeitnahe Abarbeitung der anstehenden Hausbesuche aufgrund der Flächengröße des Landkreises nicht sicher zu gewährleisten ist, geschweige denn, wenn - wie beabsichtigt - zwei Landkreise zusammengefasst werden sollten.

"Wir haben ein strukturell tiefgreifendes Problem", Bürgermeister Klaus Löffler (Steinbach) auf Anfrage. Er erklärte, dass er von Michael Müller einen Brief Anfang Mai erhalten habe. Am gleichen Tag habe er sich mit MdL Jürgen Baumgärtner in Verbindung gesetzt. Er hofft nun, ebenso wie MdL Baumgärtner, auf Lösungen bei einem Gespräch Anfang September in München, an dem neben Mitarbeitern der KV, auch Vertreter des Innenministeriums sowie des Ministeriums für Gesundheit und Pflege teilnehmen werden.

Er sei überrascht gewesen, dass in Steinbach am Wald die Personalunion um ein Jahr verlängert wurde, so MdL Jürgen Baumgärtner (CSU). Noch vor wenigen Wochen habe es geheißen, diese werde bereits Ende 2015 aufgelöst. Baumgärtner spricht davon, dass sich die Ausübung des Notarztdienstes und des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Personalunion in Regionen etabliert habe, in denen aufgrund örtlicher Strukturen nur eine geringe Anzahl von Vertragsärzten die Dienste versehen können. Diese Regelung gilt übrigens seit 2001.

In der Tat, so Baumgärtner, gebe es im Bayerischen Rettungsdienstgesetz keine Rechtsgrundlage für die Personalunion als zulässiges Mittel zur Beseitigung drohender Lücken im Notarztdienst. Die Politik werde einen Beitrag leisten müssen, so Baumgärtner.

"Schwelbrand" befürchtet

Er spricht davon, dass es in Bayern durchaus Regionen gebe, in denen ein Überangebot an Ärzten vorhanden sei, die gerne Notarztdienst leisten möchten, aber nicht zum Zuge kommen. Baumgärtner sieht hier Handlungsbedarf. Für ihn ist die Sicherstellung des Notarztdienstes in der Peripherie eine Sache der Organisation und der Attraktivität.

Der Tettauer Bürgermeister und Mitglied im Gesundheitsausschuss, Peter Ebertsch, spricht von einem "Schwelbrand". Auch er sieht die Politik gefordert. Verbesserungen könnte er sich dadurch vorstellen, indem angehenden Medizinern die erforderliche Notarztausbildung finanziert wird.

Das Schreiben von Michael Müller haben auch die Teuschnitzer Bürgermeisterin Gabi Weber und ihr Ludwigsstadter Kollege, Timo Ehrhardt, erhalten. Beide meinten, dass sich die ARGE-Rennsteig mit dieser Thematik auseinander setzen müsse.