In Österreich entwickelt sich die Zahl der Corona-Infizierten positiv. Während Länder wie Russland oder die Türkei weiterhin mit steigenden Infektionszahlen kämpfen müssen, sinkt in Österreich die tägliche Zuwachsrate bei den Infizierten langsam. Aufgrund der positiven Entwicklungen lockert das Land nun schrittweise die Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Momentan sind bereits kleine Geschäfte sowie Baumärkte und Gartencenter geöffnet. Ab 1. Mai nehmen dann auch alle anderen Geschäfte und Dienstleister, wie Friseure oder Fußpflegestudios, den Betrieb wieder auf. Außerdem können die österreichischen Gastronomen aufatmen: Mitte Mai dürfen Restaurants und Lokale - unter Auflagen - wieder öffnen. Bundeskanzler Sebastian Kurz spricht von der Rückkehr zu einer "neuen Normalität". Zu diesem Alltag gehören laut Kurz die besonderen Hygienevorschriften nun ebenso wie der Mund-Nasen-Schutz und die Einhaltung des Sicherheitsabstands.

Alles abgearbeitet

Durch die schrittweisen Lockerungen können viele Österreicher ihre berufliche Tätigkeit bald wiederaufnehmen. Auch für Erhard Plosky ist die Wiederöffnung seiner Praxis in Sicht. Der 57-Jährige ist Tuina-Anmo-Praktiker in Stockheims österreichischer Partnergemeinde Mühlbach am Hochkönig. Die Tuina-Anmo-Praktik ist eine Massagetechnik der traditionellen chinesischen Medizin und behandelt körperliche Probleme auf natürliche Art. Seit Mitte März darf Plosky nicht mehr arbeiten. Da seine Praxis bisher jedoch sehr gut lief, ist die erzwungene Schließung für ihn keine Existenzgefährdung. Der Alleinunternehmer ist finanziell gut aufgestellt und konnte aus der aktuellen Situation sogar einen Nutzwert ziehen. "Ich habe in den letzten Wochen alles abgearbeitet, was ich jahrelang aufgeschoben habe", erzählt er.

Die Maßnahmen der Regierung, um das Coronavirus zu bekämpfen, kann Plosky nicht widerspruchslos befürworten. "Es ist nicht absehbar, was für ein sozialer und gesellschaftlicher Schaden entstehen wird", meint der 57-Jährige. Für ihn ist es ein Wahnsinn, was in den letzten Wochen alles veranlasst und umgesetzt wurde. "Wie viele an der Grippe gestorben sind, hat in den letzten Jahren auch niemanden interessiert", erwähnt er.

Plosky findet es erschreckend, wie die Bevölkerung in kürzester Zeit gelenkt wurde. "Das System war schon immer so: Mit Angst kann man das Volk steuern", schildert Plosky seine Meinung. "Ich persönlich bin kein ängstlicher Mensch. Es liegt in der Natur des Menschen, krank zu werden und zu sterben." Durch seine berufliche Tätigkeit weiß der Österreicher außerdem, was alles ohne Medikamente und Operationen möglich ist. "Aufgrund meines Berufs habe ich eine ganz andere Meinung als der Mainstream", so Plosky. Er und sein Umfeld hätten weniger Angst vor dem Virus als vor den Nachwirkungen der Sanktionen.

Hoffnung auf Grenzöffnung

Zurzeit leidet vor allem die Wirtschaft unter der Corona-Krise. Während viele Sektoren auf Homeoffice oder Kurzarbeit ausweichen können, stehen die Tourismusbranche und die Freizeitwirtschaft nahezu still. Das trifft auch Ploskys Heimatgemeinde Mühlbach am Hochkönig. Etwa 1500 Einwohner leben in dem Ort, der sowohl im Sommer als auch im Winter ein Urlaubsmagnet ist. Skifahren, Wandern, Klettern, Radfahren - das Bergdorf im Salzburger Land hat viel zu bieten. Doch seit einigen Wochen sind die Unterkünfte geschlossen und die Bergbahnen stillgelegt.

"Es ist momentan natürlich eine katastrophale Stimmung. Aber alle im Ort und in der Umgebung denken positiv", schildert Tourismusobmann Wolfgang Bauer die aktuelle Situation. In Mühlbach ist er nicht nur Inhaber einer Bäckerei, sondern auch selbst im Tourismus aktiv. Bauer betreibt zehn luxuriös ausgestattete Ferienwohnungen. Die Apartments stehen nun leer, seine 91 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. "Ich will keinen entlassen, weil ich ein positiv denkender Mensch bin", sagt Wolfgang Bauer. Der Winterumsatz sei ihm entfallen, für die kommende Saison habe er bereits 70 Prozent Stornierungen erhalten. "Es wird sehr schwierig, für den Sommer überhaupt noch Gäste zu bekommen. Eigentlich hängt alles von der Entscheidung der deutschen Bundesregierung ab, ob die Grenzen wieder geöffnet werden", erklärt der Tourismusobmann. Denn die Region Mühlbach lebt vor allem von deutschen Touristen.

Bis sich der Tourismus wieder normalisiert habe, vergehe ein Jahr - schätzt Bauer. "Wir können zufrieden sein, wenn die Wintersaison wieder einigermaßen normal läuft", sagt er. Bauer selbst lebt momentan von den Einnahmen seiner Bäckerei. Durch sein zweites Standbein müsse er noch nicht um seine Existenz bangen. Bei anderen Unternehmern in der Urlaubsregion sehe es da schon anders aus.