"Das Grüne Band wird ein alternativer Jakobsweg." Ein bisschen lehnte sich Kai Frobel, Naturschützer und Geoökologe, mit dieser Bemerkung schon aus dem Fenster, aber 1393 Kilometer geschützte Natur an einem Stück sind auf jeden Fall ein gutes Argument. In den Gasthof "Wasserschloss" in Mitwitz hatte ihn, den "Vater des Grünen Bandes", der Landesbund für Vogelschutz (LBV) Steinachtal geholt, um "30 Jahre Grünes Band" gebührend zu feiern. "Back to the roots" also, denn rund um Mitwitz nahm das Projekt damals seinen Anfang.

Geschwitzt hatten die Veranstalter schon, da war noch gar nichts passiert. Aber der Saal war schon lange vor Beginn hoffnungslos überfüllt. "Dass es so viel Zuspruch gibt, hätten wir nicht zu hoffen gewagt", verrät Ulrich Münch vom LBV. Versprochen hatten sich die vielen Zuhörer unter anderem Informationen zu diesem Band, das sich quer durch Deutschland schlängelt und vor allem seltenen Tier- und Pflanzenarten Schutz und Heimat bietet.

"Es ist das, was von dieser scheußlichen Grenze übrig geblieben ist. Aber viele seltene Arten haben nur überlebt, weil es den Todesstreifen der DDR gab." Gerne wollte er das nicht eingestehen, aber genau dieser Umstand ist schon lange wissenschaftlich belegt. Auch im Schatten der Grenze habe sich viel erhalten, und Schwarzstörche, Fischotter, Laubfrösche und Wildkatzen seien dankbar dafür. "Wahrscheinlich sind es jetzt schon rund 1500 seltene Arten, die man dort zählen kann." Jetzt gehe man daran, einzelne Schutzgebiete zu verbinden, um noch mehr Lebensraum für Flora und Fauna zu schaffen.

"Fast ein Wunder"

Kai Frobel kann es auch heute kaum glauben, dass dies alles entstanden sei, weil er damals in Gummistiefeln und bewaffnet mit Fotoapparat, Fernglas und Vogelbestimmungsbuch losgezogen sei. "Es ist fast ein Wunder." Sein Streifzug führte die Zuhörer durch die 80er Jahre, als Tier- und Vogelschutz kaum auf irgendeiner Agenda gestanden hätten. "Die Geburtsstunde des Grünen Bandes war der 9. November 1989", meinte er stolz und er kann sich noch genau an diesen Tag erinnern: "Vor allem habe ich schon lange vorher überlegt: Wie sachste zu dem Ding?". Grünes Band sei ihm dann am plausibelsten erschienen und so heißt dieses Naturdenkmal immer noch.

Seine Brücke von damals zu heute spannte sich über die Kooperation mit Landwirten hin zu einer sehr wichtigen Zukunftsaufgabe, nämlich dem Lückenschluss. Und mit Verschwörermiene verkündete Frobel: "98,8 Prozent des Grünen Bandes sind jetzt bereits bundesweit unter Schutz gestellt." Und vom "lebendigen, ökologischen Denkmal" quer durch Deutschland, von dem schon 1100 Kilometer als Naturmonument ausgewiesen wurden, führte ihn sein Weg zum "Europäischen Grünen Band." Erstaunte Rufe der Zuhörer zeigten, dass dieses Projekt nur wenigen Menschen bekannt sein dürfte. 12 400 Kilometer sei es lang und 24 Staaten daran beteiligt. Angestrebt werde der Status "UNESCO Weltkulturerbe". "Das ist eine europäische Vision."

Südkorea hat eine Vision

Frobel wartete aber noch mit weiteren, verblüffenden Tatsachen auf. Seine Bilder von Südkoreas Grenzbefestigungen weckten zwar das Interesse des Publikums, zauberten aber auch ratlose Mienen. "In Südkorea kennt man das Grüne Band Deutschland vielleicht besser als in Deutschland selbst." Stille ...Verblüffung ... Die Zuhörer schauten ungläubig und einige schüttelten sogar mit dem Kopf. Doch Kai Frobel löste auf: "Die Grenze von Nord- und Südkorea ähnelt durchaus der damaligen innerdeutschen Grenze. Und Südkorea hat die Vision, dass, sollte diese Grenze einmal verschwunden sein, hier ebenfalls ein Grünes Band entsteht. Wir leisten derzeit sozusagen Entwicklungshilfe, auch im Bereich Wiedervereinigung. Die Südkoreaner wollen unbedingt wissen, wie das damals bei uns gelaufen ist."

Seine Bilder zeigten Museen und Ausstellungen, die teils sogar in deutscher Sprache über das Grüne Band informieren. "Die sind da viel besser aufgestellt als wir in Deutschland." Und weil die Gelegenheit günstig erschien, richtete er seinen Appell schon mal an den künftigen Bürgermeister und die Verantwortlichen des Wasserschlosses: "Wie wäre es denn mit einem Naturkundemuseum zum Grünen Band hier im Wasserschloss, wo alles seinen Anfang genommen hat?"