Hätten die Studierenden im Master "Zukunftsdesign" das sagen, sie würden das Motto für den Lucas-Cranach-Campus möglicherweise mit einem Wort beschrieben: "Machen". Das hängt in Rot in einem der Seminarräume auf dem Loewe-Campus, das "Mitmachen" forderten auch die Studierendenvertreter der Hochschule Coburg im Januar von den Verantwortlichen. Was folgte war ein kurzes Gewitter in der sonst überraschend ruhig und gezielt laufenden Planung des größten Bildungsprojekts der Landkreisgeschichte.

Wie sich herausstellt, handelte es sich immerhin um ein reinigendes Gewitter. Das erklären die Studierendenvertreter Franziska Walcher und Rüdiger Hümmer, die sich an diesem Tag Zeit genommen haben, um auf Anfrage des FT die Entwicklungen rund um den LCC neu zu bewerten und ein paar Dinge richtigzustellen, die im Eifer der Diskussion zum Jahresanfang offensichtlich untergegangen waren.

Es sei nie die Absicht der Studierenden gewesen, das Projekt zu zerreden, erklärt Franziska Walcher. "Die Intention war eine komplett andere", sagt sie. Statt überzogene Kritik zu üben, wollten die Studierenden ein Mitspracherecht haben. Schließlich geht es ja um sie und ihre neuen Kommilitonen auf dem Kronacher Campus.

Im Januar haben sie einige Forderungen an die Präsidentin der Hochschule, Christiane Fritze, geschickt. In dem offenen Brief setzten sich die Studierendenvertreter für genügend bezahlbaren Wohnraum ein, für eine gute Nahverkehrsanbindung nach Coburg, am besten eine Direktverbindung. Auch bei Gastronomie- und Freizeitangeboten forderten die Studierendenvertreter Nachbesserungen.

Auch Franziska Walcher und Rüdiger Hümmer hatten den Brief unterzeichnet. Sie ist die Vorsitzende des studentischen Parlaments, er studiert Zukunftsdesign und ist studentischer Vertreter im Senat. Die beiden trennen 33 Jahre, aber in vielen Standpunkten sind sie sich einig. Das, was der Brief in den ersten Tagen ausgelöst hat, war so nicht beabsichtigt. Es sei nicht das Ziel gewesen, den Standort zu kritisieren, sondern zu partizipieren, erklärt Rüdiger Hümmer. Es sei schlichtweg falsch aufgefasst worden.

Die beiden Studierendenvertreter stehen vor dem Güterbahnhof, als sie die Entwicklung seit Februar bewerten. Dort, wo bald ein wichtiger Teil des LCC entstehen soll. Der neue Master "Autonomes Fahren" der Hochschule Coburg soll einziehen und das Gebäude mit einer Brücke mit dem Carl-Link-Bau auf der anderen Straßenseite verbunden werden. Dahinter: Wohnungen für die Studierenden.

Die beiden waren zu einem offiziellen Ortstermin eingeladen und sind von den Versprechen der Kronacher Organisatoren angetan. Die Wohnungen Richtung Haßlach sollen günstig sein, manche sogar für Familien geeignet. Wenn die verschiedenen Wohnungsbauprojekte so wie versprochen umgesetzt werden, sollte es damit kein Problem geben. Zudem steht noch in den Sternen, wie viele Studenten tatsächlich in Kronach leben werden oder pendeln. Doch auf lange Sicht sieht auch Franziska Walcher eine Chance für einen lebendigen Studienort Kronach: "Kronach kann viel Werbung damit machen, dass es so schön ist." In Kombination mit den zukunftsweisenden Studiengängen spricht sie sogar von einem fränkischen Heidelberg, zu dem sich der LCC entwickeln kann. Rüdiger Hümmer ergänzt: "Das Ziel ist es, dass die Leute nach Kronach kommen, weil Stadt und Campus einen guten Ruf haben."

Die Verknüpfung von Wirtschaft und Bildung ist für die beiden eine Chance. Natürlich sei das nur der Beginn, das ist beiden bewusst. Die Studierenden wollen an den Entscheidungen beteiligt sein und ihre Ideen einbringen. Eine davon spricht Rüdiger Hümmer auf dem Weg zur Kühnlenzpassage aus: "Wenn ich hier stehe, will ich gleichzeitig auf dem Campus und in der Stadt stehen." Das heißt, der Campus soll direkt als Teil der Stadt gebaut werden, Studierende und Gebäude nicht wie Fremdkörper wirken.

Nach und nach gehen sie alle Punkte durch, die auf dem Brief versammelt sind: Es gibt mittlerweile einen Direktbus nach Coburg. Da ist man auf einem guten Weg. Das Semesterticket gelte nun auch bis Kronach. Freizeitgestaltung wägen beide noch ab: Das werde sich auch mit den Studenten entwickeln.

Hans Rebhan ist gerade mit dieser Entwicklung zufrieden. "Der Brief ist Vergangenheit", sagt er. Für ihn gehe es um die Gegenwart und die Zukunft. Wobei er gerade in der jüngsten Vergangenheit das Engagement der Studierendenvertreter hervorhebt. Es habe Workshops gegeben und viele Ideen, die die beiden Vertreter eingebracht haben, sollen auch umgesetzt werden.

Hans Rebhan antwortet

Rebhan ist als Vizepräsident der IHK auch im Vorstand des LCC-Kommunalunternehmens. Er berichtet, von den Ideen, die aus der Zusammenarbeit mit den Studierenden beider Hochschulen entstanden sind.

Unter anderem wird der Fokus stärker auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und den einzelnen Studiengängen am Campus gerichtet. Co-Working-Space zwischen Studierenden, Wirtschaft und Freelancern sei eine Idee gewesen. Eine weitere: Statt einer Mensa, die erst ab 1000 Studierenden Sinn mache, schmiedeten die Verantwortlichen Pläne, um die Gastronomie in Kronach an Bord zu holen, also mehrere, dezentrale Möglichkeiten, günstig ein Mittagessen zu finden.

Das waren die ersten Projekte, die die Organisatoren zusammen mit den Vertretern der Hochschulen in Coburg und Hof umgesetzt haben. In Zukunft soll das Mitspracherecht mit der Gründung der Stiftung institutionalisiert werden. Von beiden Hochschulen werden die Studierendenvertreter einen festen Platz im Gremium erhalten, verspricht Rebhan.

Er weiß, dass weder Rom noch der Campus an einem Tag gebaut wurden. "Es wird nicht alles gleich dastehen", schließlich werden auch erst nach und nach die Studierenden eintreffen. Erst wird nächstes Jahr der Am 15. März werden der Zukunftsdesign-Studiengang vom Loewe-Gelände ins Carl-Link-Gebäude und von der HS Coburg "Autonomes Fahren" umziehen. Im Herbst folgt von der Fachhochschule Hof "Innovative Gesundheitsversorgung".

Ein Campus, auf dem Hochschulen, Wirtschaft und das Leben der Stadt zusammentreffen: "Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir alle mit einbinden wollen", sagt Rebhan.