Das Pflanzen von Bäumen als Erinnerungszeichen an persönliche oder geschichtliche Ereignisse lässt sich über Jahrhunderte hinweg belegen. Ihre Namen spiegeln zum Teil ganze Geschichtsepochen wider. Um manch einen Baum ranken sich Erzählungen und Sagen. Beeindruckt von der Schönheit und den Ausmaßen ist mancher Betrachter geneigt, sie oftmals älter einzuschätzen als sie in Wirklichkeit sind.

Als Beispiel sei die "alte Schwedenlinde" auf der Festung Rosenberg angeführt. Jeder Kronacher erinnert sich noch an die imposante Krone und den mächtigen Stamm des Baums, in dessen Schatten über Generationen hinweg die Teilnehmer an der Schwedenprozession am dritten Altar feierten.
Realistisch betrachtet muss diese Linde jedoch um einiges jünger gewesen sein, denn im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) konnte sie nicht an dieser Stelle gepflanzt worden sein, da der Bau der Bastion V (Maximilian), auf der sie stand, erst 1671 begonnen und 1689 fertig gestellt war.

Bisher kein sicherer Beleg

Wie es zu diesem Namen kam, ist spekulativ. Dass sie zur Erinnerung an den "Schwedenkrieg" oder als Huldigung an die Tapferkeit der Kronacher gesetzt wurde, ist denkbar, aber bislang nicht belegt. Die alte Linde fiel durch einen Sturm. Heute befindet sich an gleicher Stelle wieder ein Lindenbaum, der prächtig gedeiht. Ob sich der Name Schwedenlinde in Erinnerung an die erste Linde auf den neuen Baum überträgt, wird die Zeit mit sich bringen.

Vereinzelt trifft man noch heute in den Orten des Frankenwaldes auf mächtige Linden- oder Eichenbäume. Die meisten der Linden können mit einer eigenen Geschichte aufwarten. Man kennt oder kannte sie unter den Namen "Dorflinden", "Friedenslinden", "Hindenburglinden" oder "Hitlerlinden". Manch eine dieser Linden verdankt ihr Dasein dem "Tag des Baums", wo ganze Schulklassen mit ihrem Lehrer die Pflanzung vornahmen. Am meisten vertreten sind jedoch die so genannten "Luitpoldlinden", die bis zum Jahr 1912 zu besonderen Anlässen in fast allen Dörfern und Städten nicht nur des Frankenwaldes gepflanzt wurden. Dieser Spezies soll in diesem kleinen Beitrag nachgegangen werden.

Prinzregent Luitpold von Bayern

Wenn in Bayern über die "gute alte Zeit" geredet wird, dann fällt in den Gesprächen immer wieder der Namen des einstigen Prinzregenten Luitpold. Dies ist verständlich, denn nach dem Tod des "kunstsinnig-verschwenderischen" Königs Ludwig II. im Starnberger See empfanden die Untertanen seine Regentschaft als besonnen und bürgernah. Seine Beliebtheit im Volk schlug sich in den Geschichtsbücher nieder und noch mancher Zeitgenosse von heute hätte gerne die Zeit zurück, wie es im "Königlich Bayerischen Amtsgericht" zum Ausdruck gebracht wird, "in der das Bier noch dunkel und die Mad'l noch sittsam waren".

Nicht erst seit dem Jahr 1886, dem Jahr, in dem Luitpold als Königliche Hoheit die Regentschaft Bayerns übernahm, brachte man dem beliebten Prinzen höchste Ehrerbietung entgegen. Bereits in den Jahren 1850, 1852 und 1855 besuchte er auch Kronach, um die Artillerie auf der Festung Rosenberg zu inspizieren. Man ehrte den hohen Gast mit Reden, gehalten von den Zivil- und Militärbehörden. Die Landwehrmusik intonierte dazu mit gefälligen Musikstücken und jeweiligen Abendständchen. Sein Quartier bezog er jeweils im "Weißen Lamm" in der Oberen Stadt.

70. Geburtstag

Der eigentliche Jubel und die Verehrung seiner Person steigerten sich gewaltig mit dem Feiern der "runden" Geburtstage seiner Königlichen Hoheit. Eingebunden in die Festfolge gehörte auch in vielen Gemeinden das Pflanzen von Bäumen im Gedenken an den Landesherrn dazu. Bereits zu seinem 70. Geburtstag, am 12. März 1891, feierte die Gemeinde Schmölz ein großartiges Fest. Die Niederschriften berichten überschwänglich davon, dass zum Festtag die "Straßen mit Bäumen geziert und die Häuser mit Kränzen geschmückt" waren. Fahnen wehten von den Dächern. Der Tag begann mit einer "Tagreveille" (=Weckruf) und Glockenläuten. In einem langen Festzug marschierten die Bürger mit "fliegenden Fahnen" zum Festgottesdienst in die geschmückte Kirche. Nach dem feierlichen Gottesdienst schloss sich eine Schulfeier an. "Nachmittags 2 Uhr wurden auf dem Kreuz unter Beisein einer großen Menschenmenge vier Linden gepflanzt. Dieselben wurden den Andenken an diesen Tag geweiht und erhielten den Namen Luitpoldlinden." Alle Kinder erhielten eine Bratwurst.

Ebenfalls widmete 1891 die Gemeinde Höfles dem Jubilar einen Lindenbaum. Nachdem die alte Dorflinde am 13. Januar 1891 wegen Gefährdung der Bevölkerung gefällt werden musste, pflanzte man an gleicher Stelle am 12. März "eine neue junge Linde". Auch in Höfles beging die Bevölkerung den Tag mit Kirchgang und Schulfeier. Die Schulkinder erhielten zu Ehren des Geburtstags eine Brezel.

90. Geburtstag

Zu einem rauschenden Fest auf Landesebene gestaltete sich die Feier des 90. Geburtstags von Prinzregent Luitpold im Jahr 1911. Ein Aufruf an die Städte und Gemeinden, an geeigneten Stellen zur dauernden Erinnerung an diese seltene Feier Lindenbäume oder Eichen zu pflanzen, blieb nicht ungehört. Denn "eine solche Luitpold-Linde oder Luitpoldeiche wird das Gedächtnis an die festlichen Märztage des Jahrs 1911 für Jahrzehnte hinaus festhalten und zu einer wertvollen patriotischen Erinnerungsstätte werden" lassen. Die Kosten für die Bäumchen übernahmen die Gemeindekassen oder "patriotische Vereine" des Orts.

Die Gemeinde Neuses pflanzte anlässlich der Geburtstagsfeier zwei Linden. Die eine "an der Kreuzung Bahnhofstraße - Kulmbacher Straße - Schwedenstraße und St. Josefs Straße, wo auch seit einigen Jahren an Fronleichnam der 1. Altar steht. Die andere Linde wurde vor der Hummendorfer Brücke, bei der Abzweigung zur Hohen Weide, dem Fußweg nach Johannisthal [...] der Mutter Natur anvertraut. Beide Linden wachsen, blühen und gedeihen."

Großes Geschichtsbewusstsein

Dass die Bevölkerung von Neuses stets mit einer gehörigen Portion Geschichtsbewusstsein ausgestattet war, bezeugen eine Reihe von "Gedächtnisbäumen" im Ort, die an verschiedenste Anlässe erinnern. So belegen die Niederschriften, dass es in Neuses außer den Luitpoldlinden auch eine "Hitlerlinde" gab, die 1933 gepflanzt und nach dem Krieg gefällt wurde. Weiterhin eine "Friedenslinde" und eine "Hindenburglinde". Zudem pflanzte die Schuljugend am Tag des Baums 1954 eine weitere Linde.

Auch die mittlere Winterlinde im Schulgarten von Knellendorf erinnert an den 90. Geburtstag des Prinzregenten. Zur Pflanzung des Baums versammelten sich die Einwohner des Orts mit allen Vereinen und den Kindern im Schulhof. Der Platz war mit Ziersträuchern und dem Bildnis des Prinzregenten geschmückt. Vor dem Akt der Baumpflanzung versenkte man einen Behälter mit Münzen und Zeitungen in der Grube. Dabei war geregelt, dass der Baum und der Behälter ein Eigentum der Gemeinde bleiben. Nach den Festreden und dem Absingen der Königshymne gab es für die Kinder "Wurst und Brot".

Noch heute erinnern die beiden Luitpoldlinden vor dem alten Schulgebäude in Friesen an die feierlich begangenen Tage. Dort fand bereits am Samstag die Schülerfeier mit Reden und Gedichten statt. Lehrer Rehm hielt hierbei die Festrede "in zu Herzen gehender und beredter Weise" und zeigte den Schulkindern ein Lebensbild des Regenten auf.

Auch in Grössau

Über das Dorf Grössau findet man unter anderem folgende Berichterstattung: "Auch in unserem kleinen, vom Verkehr abseits gelegenen Bauerndorf Grössau wurde das Fest nach unseren Verhältnissen herrlich gefeiert. Um das Andenken an den so seltenen Tag den jüngeren Generationen wach zu halten, wurde ein Lindenbäumchen aus der Müllerklein'schen Baumschule in Karlstadt bestellt und am Vorabend des Festes inmitten des Ortes gepflanzt und mit Laternenlicht die Einfriedung gar vollendet.