Seit Freitagmorgen 3.00 Uhr können Autos über die neue Umgehungsstraße von Zeyern rollen. Für die Zeyerner wird somit ein lang ersehnter Traum wahr. Für sie bedeutet das ein große Entlastung. Über 15,5 Millionen Euro investierte der Bund in den rund 2,6 Kilometer langen Abschnitt.

Der Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, Servicestelle Kronach, Jens Lausmann, spricht von einem "epochalen Ereignis für die Zeyerner". Wie er erklärte, seien die Baumaßnahmen noch nicht abgeschlossen. Daher sei auch die offizielle Verkehrsfreigabe für Ende September beziehungsweise Anfang Oktober geplant.

Die "Verkehrsumlegung" sei wegen Bauarbeiten notwendig. In diesem Zusammenhang spricht Lausmann unter anderem vom Rückbau der alten B 173, von der neuen Instandsetzung des alten Radwegs, von der Beschilderung und auch von der Anbringung der Lärmschutzelemente an der neuen Umgehung. Bis zur offiziellen Verkehrsfreigabe werde nicht zuletzt deshalb eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h beziehungsweise 70 km/h angebracht.

"Für mich ist es Weihnachten und Ostern zugleich!", freut sich der Marktrodacher Bürgermeister. Norbert Gräbner hat bei diesem Projekt im Vorfeld viel Geduld, Beharrlichkeit und Verhandlungsgeschick zeigen müssen. Die Ortsumgehung beschäftigt den Rathauschef seit seinem Amtsantritt im Jahre 1996. Immer wieder setzte er sich für die Realisierung dieser Trasse ein.

Bei der Verkehrsfreigabe der Ortsumgehung Wallenfels stand er mit einem Schild "Glückwunsch Wallenfels, jetzt Zeyern" in den Reihen, um auf die Verkehrsbelastung der Zeyerner Bürger aufmerksam zu machen. Seit Jahrzehnten warteten diese darauf, dass der überörtliche Verkehr sich nicht mehr stinkend und lärmend durch ihren Ort wälzt.

Weniger Lärm, weniger Abgase

"Die Zeyerner werden dieses Ereignis bestimmt feiern", ist der Bürgermeister überzeugt. Er geht davon aus, dass durch die Ortsumgehung das Verkehrsaufkommen in Zeyern - immerhin wird die Ortsdurchfahrt täglich von rund 11 000 Fahrzeugen frequentiert - um 95 Prozent reduziert werde. "Das ist ein Erfolg!" Für die Zeyerner bedeutet dies weniger Lärm, weniger Abgase und mehr Verkehrssicherheit.

In den letzten Wochen, so berichtet er, sei er mit seinem Fahrrad regelmäßig entlang der Baustelle geradelt und habe die Fortschreitung der Baumaßnahme verfolgt. In den letzten Tagen sei ihm aufgefallen, dass einige Verkehrsteilnehmer trotz Sperrung auf der neuen Umgehungsstraße fuhren. Das hätte aufgrund der Vorrangstellung der neuen Trasse und der Ampellösung bei der bestehenden Straße leicht zu Unfällen führen können. Erfreut ist der begeisterte Radfahrer zudem, dass auch der alte Radweg zum Aldi wieder instandgesetzt wird und ein neuer auf der linken Seite von Unterrodach aus kommend gebaut wird.

"Wenn ein Werk vollbracht ist, dann ist alle Mühe und Schweiß vergessen", so der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner. Er freue sich für die Zeyerner Bevölkerung, da die Umgehung für sie mit einer viel höheren Lebensqualität verbunden ist.

"Historischer Beitrag"

Baumgärtner spricht von einer großen Solidarität seitens der Politik, auch aus den Nachbarlandkreisen Kulmbach und Lichtenfels. Insbesondere erwähnt er das Bundestagsteam Michelbach/Zeulner und spricht von einem "historischen Beitrag", den beide geleistet hätten.

Auch Landrat Klaus Löffler freut sich. Die Ortsumgehung Zeyern sei ein Segen für die Region. Er spricht von einem wichtigen Verkehrsprojekt, das nun vor dem Abschluss steht und ein Nadelöhr der B 173 zwischen Kronach und Hof beseitigt. Die Ortsumgehung, so ist der Landrat überzeugt, werde nicht nur den Arbeitsweg von zahlreichen Pendlern stressfreier gestalten, sondern darüber hinaus vielen Verkehrsteilnehmern und Gewerbetreibenden eine schnellere Anbindung an wichtige Fernverkehrsstraßen Richtung Berlin und Prag bieten.

Er freut sich zudem für die Zeyerner Bevölkerung, deren Lebensqualität über viele Jahre hinweg durch das permanent gestiegene Verkehrsaufkommen stark eingeschränkt war. Mit der Fertigstellung dieser, gerade auch mit Blick auf den geplanten Ausbau der B 173 im weiteren Verlauf bis Lichtenfels, wird Zeyern noch lebenswerter und der Landkreis als künftiger Hochschulstandort noch ein Stück weit attraktiver.

Dass Zeyern attraktiver wird, steht auch für Gräbner fest. Er geht davon aus, dass in diesem Gemeindeteil die Baunachfrage steigen wird.

Die lange Geschichte der Zeyerner Ortsumgehung

Seit über 20 Jahren hoffen die Zeyerner auf ihre Umgehung. Als schließlich seitens der Politik grünes Licht gegeben wurde, kam es im Jahre 2013 zu Differenzen mit dem DJK/SV Zeyern und dem Staatlichen Bauamt. Die Pläne sahen vor, dass die neue Trasse durch den Sportplatz führt.

Der Verein hatte Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Ortsumgehung Zeyern eingereicht, weil er sich in seiner Existenz bedroht fühlte und das Ausgleichsangebot des Staatlichen Bauamtes in Höhe von rund 300 000 Euro nicht für ausreichend hielt. Vorgesehen war die Erstellung eines Ersatzsportplatzes und eines kleinen Sportheimes mit Verpflegestation und Umkleidekabinen.

Im November 2013 beschlossen dann die Räte einstimmig, den Pachtvertrag mit dem Sportverein fristlos zu kündigen. Das Areal gehörte teilweise der Gemeinde und der Kirche. Mit dieser Entscheidung wollte der Gemeinderat dem Sportverein die Grundlage für die bereits laufende Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss zur Ortsumgehung Zeyern beim Verwaltungsgerichtshof in München nehmen.

Auch hier ging der DJK/SV Zeyern gegen die Kündigung des Pachtvertrages durch die Gemeinde vor. Dies sorgte wiederum für Trubel. Denn es ging dabei auch um die Eigentumsfrage. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gemeinde das Grundstück bereits an das staatliche Bauamt veräußert. Allerdings gab es noch keinen entsprechenden Grundbuchauszug. Die Frage stand im Raum, gegen wen der DJK/SV Zeyern klagt: Gegen die Gemeinde oder gegen die Bundesrepublik?

Die Kläger sahen damals gute Chancen, dass gegen die Kündigung des Pachtvertrags entschieden wird, denn dieser wurde im Jahre 1994 für eine Dauer von 30 Jahren unterzeichnet. Zudem ging es auch um eine Flutlichtanlage, die aus Fördermitteln des Bayerischen Landessportverbands unter der Prämisse finanziert wurde, dass bis 25 Jahre nach der Anschaffung dem Sportverein nicht gekündigt werden dürfe.

Schließlich wurde die Klage des DJK/SV Zeyern gegen Kündigung des Pachtvertrags durch die Gemeinde Marktrodach abgewiesen. Nachdem sich zu diesem Zeitpunkt auch die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss abgewiesen war und der Verein sich nicht mehr dagegen den wehrte, war ein wichtiger Meilenstein für die Realisierung der Ortsumgehung geschafft.

Allerdings stand dann die Finanzierung des Projekts in Frage. Diese für zwei Jahre, nachdem für die Ortsumgehung seitens des Bundesverkehrsministerium grünes Licht gegeben wurde, fest. Allerdings kam dann die Klage dazwischen. Die Finanzmittel für Straßenprojekte wurden aber jedes Jahr neu vergeben. Damals stand die Frage im Raum, ob man Zeyern fallen lässt und dafür die Straße Untersteinach-Kauerndorf in Angriff nimmt. Wieder fanden Gespräche im Bundesverkehrsministerium mit den Bundestagsabgeordneten Hans Michaelbach und seiner Lichtenfelser Kollegin Emmi Zeulner statt, was dann zu einem positiven Ergebnis führte.

Im Mai 2016 folgte der Spatenstich mit der damaligen parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesministerium für Verkehr, Dorothee Bär, dem Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, Gerhard Eck, der heimischen Politik und unter Mitwirkung der Zeyerner Blaskapelle. Die Sonne, der Bürgermeister und die anwesenden Bürger strahlten um die Wette. Auch wurden die Gräben mit dem Sportverein beseitigt. So meinte der Staatssekretär Eck: "Ich will eine Lanze brechen für alle Ehrenamtlichen. Wir sollten einen Schlussstrich ziehen." Und dieser Aufforderung kam man nach.