Dass es zwischen den stationierten Soldaten auf der Festung Rosenberg und der heimischen Bevölkerung in Sachen Freundschaft und Verständigung nicht immer zum Besten stand, davon berichten manche Einträge in den Büchern der Stadt Kronach. Die Festungsbesatzung führte ihr "Eigenleben". So zum Beispiel widersetzte sich die Besatzung mehrmals der Anordnung, ihr Bier aus den Kronacher Brauhäusern zu beziehen.

Das Bierprivileg missachtet

Sie begründeten es jeweils damit, dass fremdes Bier besser und verträglicher sei als das von Kronach. Manch ein Soldat sei nach dem Genusse von Kronacher Bier erkrankt, weshalb man gutes Bier aus Beikheim und Neukenroth einkaufe. Das Bierprivileg interessiere sie nicht. Besonders besorgt waren gleich fünf Kronacher Bürger über die Äußerung des Soldaten Paulus Leicht. Er "habe geredt, man soll mit den Soldaten nit zanken, es wären Soldaten unter ihnen die zünden die Stadt an und laufen danach davon." Umgehend meldeten sie die Aussage an den Magistrat der Stadt, denn Vorsicht war geboten.

Vermutlich war auch jener Festungssoldat über die religiösen Feiern und Prozessionen der Kronacher verärgert, als er am Feste "Corporis Christi" (= Fronleichnam) 1642 mit seiner Muskete von der Festung aus einen Schuss auf die Prozession abgab, die sich gerade durch die Strau bewegte. Die Gläubigen bangten um ihr Leben und waren sehr entrüstet über diese Untat.

Dieser unglaubliche Vorfall ist im Kronacher Ratsprotokoll vom 20. Juni 1642 niedergeschrieben.

Deshalb sprachen Hans Löblein samt anderen Bürgern und Offizieren wegen dieser Untat beim Rat der Stadt vor und berichteten, dass gestrigen Tages während des Umgangs und "Procehsion Corporis Christi", eine Musketenkugel vom Schloss herab auf die Prozessionsteilnehmer abgefeuert wurde. Die Kugel schlug unterhalb des Strauer Tores beim Brunnen in die Erde ein und sei als Beweismittel sichergestellt.

Der junge Hans Pfautsch ließ seiner Empörung freien Lauf. Gegenüber einem Soldaten brachte er vor, wie "unbillig" ein solches Verhalten wäre, wie gefährlich solches Tun sei und was für ein Schaden dabei hätte entstehen können.

Beschwerdeführer eingesperrt

Seine berechtigte Empörung wurde ihm aber zum Verhängnis. Denn als der Obristleutnant Meldung von den Äußerungen des Kronacher bekam, bestrafte er nicht den schießwütigen Soldaten, sondern den Hans Pfautsch. Wegen seiner öffentlichen Äußerungen ließ er ihn gefangen nehmen und zur Bestrafung ins Gefängnis stecken.

Empört über diese Ungerechtigkeit sprachen der Kronacher Erhard Dorsch und der Paulus Hainlein beim Herrn Obristleutnant vor und baten darum, "den Pfautschen wiederumb ledig zu geben"(= frei zu lassen). Der Obristleutnant rastete aber völlig aus und ließ durch den Torwärter ausrichten, "sie sollen sich Packhen (= verschwinden), oder Er wollte ihnen etwas Andersts weißen, Auch den Jungen Pfautschen Einen Schelmben (= Schelm) gescholten."

Die Bezeichnung eines Menschen als Schelm galt zu dieser Zeit als übelste Beleidigung. Der Bürgermeister und der Rat der Stadt ließen deshalb dem Obristleutnant wissen, dass durch diesen Schuss sowohl die Geistlichkeit als auch das Weltvolk sich in großer Gefahr befanden.

Sollte der Soldat wegen dieses Schusses nicht abgestraft werden, sei die ganze Bürgerschaft durch solche Mittel und heimliche Feindschaft verängstigt. Da man es leid wäre, sich mit den Soldaten abzuärgern, soll dieser Vorfall "Ihro Fürstlichen Gnaden Unterthenig berichtet werden."