Einen bedeutenden Beitrag zum kulturellen Austausch und zur Völkerverständigung bildet der von Dekanatskantor Marius Popp gegründete und geleitete "Internationale Orgelzyklus Kronach". Die hoch angesehene Veranstaltungsreihe unter der Schirmherrschaft von Landrat Klaus Löffler bringt auch in diesem Jahr wieder renommierte nationale und internationale Interpreten in die Kreisstadt und an die romantisch intonierte Steinmeyer-Orgel der Christuskirche. Mit der zauberhaften Inhye Kim aus Seoul gab sich erstmals eine Organistin aus dem Fernen Osten die Ehre.

Mit ihrer großen Klangvielfalt und ihren technischen Möglichkeiten ermöglicht die Steinmeyer-Orgel den teilnehmenden Solisten, Werke aus ihren Herkunftsländern zu interpretieren, worauf Popp besonderen Wert legt. Ein Wunsch, dem die Dozentin am Dongkuk-Konservatorium in Seoul gerne nachkam. So fand sich in ihrer kleinen orgelmusikalischen Weltreise auch eine sehr bemerkenswerte Eigenkomposition, die das Kronacher Publikum als Welturaufführung genießen durfte.

Dieses staunte zunächst einmal nicht schlecht. Als die zierliche Asiatin in die Tasten griff, trauten die Zuhörer ihren Ohren kaum: So eine zarte Person entfacht eine solche Klangfülle, als wolle sie die Christuskirche zum Einsturz bringen - was für ein Dröhnen und Brausen, was für ein einzigartiger Musikrausch! Die Luft vibriert, zittert, bebt, kitzelt sämtliche Gänsehautsensoren wach - ein Festival der fliegenden Hände, die nur so über die Tasten tanzen. Stets in höchster gedanklicher Konzentration, Wachsamkeit und Einklang mit der "Königin der Instrumente" versteht sie sich aber auch bestens auf die zärtlich-innigen Klänge - wunderbare Musik voller fein nuancierter Klangbilder!

Die Konzert-Organistin, Pianistin, Komponistin, Orgel-, Klavier- und Kompositionslehrerin studierte Orgel an der Korea National University of Arts, an der Hochschule für Kirchenmusik in Regensburg mit Prof. Franz Stoiber sowie an der Universität Mozarteum Salzburg. Drei Jahre war sie Assistentin am Dom in Regensburg, seit 2016 ist sie Dozentin am Dongkuk-Konservatorium in Seoul. Für ihr Kronacher Publikum hatte sie ein ebenso außergewöhnliches wie schönes Programm vorbereitet - gerade auch von Tonschöpfern, die nicht so oft zu musikalischen Ehren kommen, wie sie es aufgrund ihrer Ausdruckskraft verdient hätten. Hierzu zählt auch die klassisch-viersätzige Orgelsonate Nr. 4 d-Moll (op. 61) des großen Pariser Trinité-Organisten Alexandre Guilmant (1838 - 1911), die erstaunlich leichtfüßig, schwungvoll-tänzerisch daherkommt, bis sie in vollem Klang den Kirchenraum einnimmt. Trotz seiner wunderschönen Choral-Improvisationen stand der deutsche Komponist und Organist Sigfrid Karg-Elert (1877 - 1933) stets etwas im Schatten seines Zeitgenossen Max Reger.

Umso erfreulicher, dass die Organistin ihre Wertschätzung für den Jugendstilkomponisten par excellence mit "Christus der ist mein Leben", "Machs mit mir, Gott" sowie "Nun sich der Tag geendet hat" ausdrückte. Beeindruckend ist dabei die Kunstfertigkeit, mit der Karg-Elert seine Choral-Melodien immer wieder neu variiert. Bei der kleinen musikalischen Weltreise durfte er natürlich nicht fehlen: Mit Präludium und Fuge a-Moll BWV 543 spielte Inhye Kim mit Macht und Stolz eine bewegende Hommage an den Altmeister Johann Sebastian Bach (1685 - 1750).

Im wahrsten Sinne des Wortes "völlig neue Töne" schlug die Organistin in ihrer sehr beeindruckenden Eigenkomposition an. Bei ihren Variationen Pentatonik über den Choral "Liebster Jesu, wir sind hier" (op. 14), die sie als Welturaufführung präsentierte, war die fernöstliche Heimat ihrer Tonschöpferin (geb. 1976) deutlich herauszuhören. Jede Note wurde zu einem tief empfundenen Gefühl. Seinen Abschluss fand das Konzert mit einer Würdigung des irischen Komponisten Charles Villier Stanford (1852 - 1924). Trotz seines umfangreichen kompositorischen Schaffens werden heutzutage nur noch wenige seiner Werke aufgeführt, so leider auch die - von Inhye Kim glanzvoll interpretierte -- herrliche Fantasia und Tocccata d-Moll (op. 57).

Mit nicht enden wollendem Applaus sowie Standing Ovation dankten die Besucher der Musikerin, die über eine Stunde lang an diesem heißem Sommerabend mit einer majestätischen, aber nicht aufdringlichen Klangfülle das ehrwürdige Gotteshaus erfüllt hatte.


Weitere Konzerte



24. September Orgel-Duo Sabine Steinmetz (Stuttgart) und Dekanatskantor Marius Popp

22. Oktober Prof. Carlo Benatti (Mantua): Toccaten und italienische Sonaten, Werke von Germani, Yon u. a.

12. November Prof. Margherita Dalla Vecchia (Vincenza): italienische Musik der Romantik, Werke von Bossi, Petrali u. a.

Zeit jeweils sonntags um 17 Uhr.