Stefan Haufe, künstlerischer Leiter und Regisseur des "Hauptmanns von Köpenick", des ersten Abendstücks, wirkt immer etwas atemlos, wenn er das Publikum bei den Rosenbergfestspielen begrüßt. Viel Worte wolle er nicht machen, denn in der Hitze soll niemand unnötig warten, insbesondere die Darsteller nicht, die die Original-Uniform in Woll-Qualität tragen müssen.

Geschwitzt wird in den Rängen genauso wie davor, und doch ist das Publikum von Anfang an bei der Sache. Über die Qualität der Inszenierung sagt das alles, denn immerhin geht die Vorstellung über zwei Stunden.

Die Realsatire vom Schuster Wilhelm Voigt, der erst als Person wahrgenommen wird, als er in eine Uniform schlüpft, ist fast hundert Jahre alt. Aber an Aktualität hat sie wenig eingebüßt. Die Statussymbole mögen sich geändert haben, aber ihre Macht nicht. Die Geschichte von Schein und Sein hätte nicht besser umgesetzt werden können, lobt Festspielchefin Kerstin Löw ihren künstlerischen Leiter und das "First-Class-Ensemble".

Für Statisten und Kleindarsteller sei das heute die Olympiade gewesen, meinte sie und bescheinigte dem Hauptdarsteller des Hauptmanns von Köpenick, Gregor Nöllen, eine "famose Einzelleistung."

Stefan Haufe ist die Erleichterung nach der Vorstellung nicht nur anzusehen, sondern auch anzuhören: "Ich bin stolz auf die Schauspielerinnen und Schauspieler und freue mich über die Spielfreude aller Kronacher Darsteller." Besonders die letzten drei Wochen hatten es in sich. Nach der Premiere des Königs Drosselbart war vor der Premiere des Hauptmanns von Köpenick.

So viel Berlin auf ein Mal gab es in Kronach wohl noch nie. Die Publikum hatten seine Freude an der Berliner Schnauze. Aber Tom Ohnerast, besonders in seiner Rolle als Zuschneider Wabschke, gibt zu: "Der Dialekt macht es nicht einfacher!" Der Theaterklassiker fordert dem Ensemble einiges ab, denn das Stück ist ein veritables Sozialdrama, keine einfach gestrickte Action-Komödie. Stefanie Masnik, im Stück sowohl Plörösenmieze als auch Bürgermeistergattin: "Es ist textlastig und es wird mehr verhandelt."

Viel Lob vom Publikum

Das Publikum, das nach dem fulminanten Schlussapplaus sofort die Theken bei der Bastion Marie stürmt, ist voll des Lobes: Tolle Leistung, interessant und kurzweilig mit nachdenklichen Momenten. Anita Hofmann verweist auf das Schicksal der Geflüchteten von heute: "Auch sie werden oft wieder weggeschickt, weil sie keinen Pass oder nicht die richtigen Papiere haben." Eine Steigerung zum letzten Jahr bescheinigen Barbara Dooppel und Birgit Fiedler dem Team: "Wir freuen uns jedes Jahr auf einen schönen Abend!" Hans Spindler, Birgit und Alfons Dietrich und Adelheid Böhm freuten sich besonders über den Leierkasten, der nach einem berühmten Kronacher Vorbild gebaut war. Horst Frenzel war als Leierkastenmann stadtbekannt. Einen Verbesserungsvorschlag hat die Truppe in Richtung Organisation: Wenn es schon keine Pause gibt, dann wäre es doch toll, wenn zwischendurch etwas Wasser gereicht würde.

Was wäre eine Premiere ohne Ehrengäste? Die ließen sich nicht bitten und so waren Vertreter der lokalen Politik und Wirtschaft vertreten. Auch die Regierungspräsidentin von Oberfranken, Heidrun Piwernetz, gab sich die Ehre. Den Weg habe sie nicht bereut, zumal in der ganzen Stadt eine besondere Stimmung geherrscht habe. Und das Stück? "Das war spitze!" Hans-Peter Schmitz, Landrat im benachbarten Sonneberg zeigte sich etwas neidisch: "Das wäre schön, wenn wir auch so etwas Schönes hätten!" "Ja," stimmte ihm Rainer Kober von Kronach Creativ zu, "das kann sich sehen lassen." Und der stellvertretende Landrat Gerhard Wunder gab sich selbstkritisch: "Die Verbindung zum wirklichen Leben ist nicht zu übersehen. Auch bei uns sind Bürokratie und die innere Verwaltung stark ausgeprägt."