Ihm wurden die vorsätzliche unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln, Körperverletzung, Beleidigung, Betrug und besonders schwerer Diebstahl zur Last gelegt. Dem Auszug aus dem Bundeszentralregister zufolge ist der Mann dem Gericht nicht unbekannt. Ihm wurden schon vorsätzliche Körperverletzung und Untreue zur Last gelegt.


Opferstock nicht mehr sicher

Zwischen Weihnachten und Silvester 2012 soll sich der Angeklagte in der St. Anna-Kapelle in Kronach aufgehalten haben, um den dortigen Opferstock mit einem Schraubenzieher aufzubrechen. Durch eine Zeugenaussage kam heraus, dass wohl ein anderer aus einer Gruppe von drei Personen auch in der Stadtpfarrkirche versucht hat, den Opferstock gewaltsam zu öffnen. Sowohl der Zeuge als auch der Angeklagte waren nur teilweise am Tatort anwesend.
So wurde der Anklagepunkt auf Antrag der Staatsanwaltschaft, vertreten durch Michaela Heublein, fallen gelassen.


Durch Fausthieb niedergestreckt

Im Mai 2013 schlug der Angeklagte einen Bekannten seiner Exfreundin auf dem Parkplatz eines Marktes in Küps nieder. Der Geschädigte war aus dem Nachbarort gekommen, um die Frau abzuholen und somit vor den Nachstellungen des Ex freunds zu schützen. Zuerst befand sich der Geschädigte im Schwitzkasten des Angeklagten und dann: "Ich konnte gar nicht so schnell gucken, da hatte ich schon die Faust auf dem Auge."


"Ich hätte die Fahrt verweigert"

Zwei Wochen später bestellte der Angeklagte mit einem Bekannten ein Taxi. Sie fuhren damit durch den Landkreis, ohne finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben. Die Fahrt endete in Kronach und der Angeklagte übergab seine Krankenkarte als Pfand. Auf Nachfrage des Richters Jürgen Fehn gab der Taxifahrer an: "Ich hätte die Fahrt verweigert, wenn ich gewusst hätte, dass sie nicht bezahlen können."

Ende Juni beleidigte der Angeklagte schließlich einen Freund über Facebook als "dreckige Schwuchtel" und "Missgeburt". Dieser stellte daraufhin Strafanzeige bei der Polizei. Der Angeklagte gab an, bei den Beleidigungen unter Drogeneinfluss gestanden zu haben. Die Wogen scheinen sich inzwischen wieder geglättet zu haben, da der Zeuge aussagte: "Ich hatte mittlerweile schon wieder vergessen, dass ich ihn angezeigt habe."


Transport einmal anders

Im Oktober und November wurde er dann von der Polizei mit 1,26 Gramm und 4,9 Gramm Crystal-Speed bei der Einreise aus Tschechien erwischt. Die größere Menge wurde rektal transportiert. Der Richter verwies auf die Gefahren eines solchen Transports sehr eindringlich, denn bei einem Unglück mit dem Päckchen hätte der junge Mann sterben können.

Die Straftat mit den 4,9 Gramm sollte eigentlich zu einem späteren Termin verhandelt werden, doch der Angeklagte, der keinen Verteidiger hatte, stimmte zu, dass dieser Tatbestand gleich mit verhandelt werden kann. Er gab dabei an, dass er schon bei der Ausreise kontrolliert wurde und die Polizei bei ihm 150 Euro in der Börse fand. Der Polizei gab er an, dass er nur seine Freundin besuchen wolle. Nach seinem Einkauf nahm er die nächste Bahn zurück und wurde wieder von der Polizei kontrolliert, die das Geld, dass er bei der Einreise mit sich führte, vermisste. Die Beamten fanden das Rauschgift.Ein Mitarbeiter des Kreisjugendamts, der mit der Situation des jungen Mannes vertraut ist, gab an, dass der Angeklagte behebbare Reiferückstände habe und schädliche Neigungen bei ihm vorlägen. Der Angeklagte kommt aus zerrütteten Familienverhältnissen und ist drogenabhängig. Er wohnt gelegentlich bei seinem Bruder, Freunden oder im Obdachlosenheim von Kronach.


Stationäre Therapie

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von acht Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Der Richter verurteilte den jungen Mann zu einer Haftstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung auf zwei Jahre ausgesetzt wird. Auflage ist die stationäre Behandlung seiner Abhängigkeit. Der Angeklagte wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt und gegen das Urteil können binnen einer Woche Rechtsmittel eingelegt werden.

Auffällig war die Diskussionsbereitschaft des Angeklagten. So gab er an, dass er keiner stationärer Behandlung bedürfe, da er schon sechs Wochen ohne Drogen auskomme. Weiterhin habe er am kommenden Freitag ein Vorstellungsgespräch. Auf die Frage des Richters, bei welcher Firma er dies habe oder wo diese ihren Sitz habe, wusste er leider keine Antwort. Fehn beschwor den jungen Mann, in stationäre Behandlung zu gehen, da der Weg sonst vorgezeichnet sei. Der Mitarbeiter des Jugendamts stimmte dem nickend zu und versuchte auch während der Verhandlung, dem Angeklagten die Situation deutlich vor Augen zu führen. Seinen letzten Versuch, die Dinge aus seiner Sicht darzustellen, unternahm der Angeklagte noch nach der Urteilsverkündung.