Die 16-jährige Hanna blättert hektisch und gespannt in der 32 Seiten umfassenden Broschüre, die sie im DIN A4-Format in ihren Händen hält und die den Titel "Couragiertes Handeln an Schulen" trägt. Es dauert nicht lange und sie findet darin ein Foto von sich und vielen weiteren für sie bekannten Gesichtern. "Das ist ja stark," lautet ihre Einschätzung - und die Anderen stimmen ihr zu.
Die "Anderen" - das sind die 15 Mitschülerinnen und Mitschüler des Frankenwald-Gymnasiums (FWG), die zusammen mit Hanna im vergangenen und im laufenden Schuljahr Mitglieder der so genannten "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage"-Gruppe am FWG und somit Teil eines besonderen Modellprojekts des Kreisjugendrings (KJR) Kronach gewesen sind. Mittlerweile trägt diese Gruppe den Namen "Die Mut-Macher". Das Ziel ist aber dasselbe geblieben. Die engagierten Schüler treten für einen vorurteilsfreien Umgang in- und außerhalb der Schule ein. Hierzu haben sie sich in den vergangenen Monaten Kompetenzen angeeignet, um in konfliktreichen Situationen überlegt und mutig zu agieren oder im Vorfeld Streit und diskriminierende Handlungen zu vermeiden.
Unterstützt wurden sie bei der Umsetzung ihrer Ideen maßgeblich vom Kreisjugendring Kronach. Demnach ist es auch Bernd Pflaum als Vertreter des KJR, der die Dokumentation an die Schüler und den Schulleiter des FWG, Klaus Morsch, freudestrahlend übergibt. "Dieses Heft ist auch ein Dankeschön an Euch und für all das Engagement, das Ihr bei diesem Projekt an den Tag gelegt habt", erläuterte Bernd Pflaum. Zugleich soll die Dokumentation aber auch Ansporn für andere Schulen sein, dem positiven Beispiel der "Mut-Macher" zu folgen und auch die eigene Schule zu einer "Schule mit Courage" zu machen. Hierbei kann die Dokumentation ein wertvoller Leitfaden sein.
Von Lars Hofmann, der neben Martina Bock die gesamte Projektleitung inne hatte, zusammengestellt, gewährt die Dokumentation einen interessanten Einblick in die Anfänge des Projekts und die zahlreichen Aktivitäten, die von der eindrucksvollen Auftaktveranstaltung im Oktober 2010 mit über 1000 Besuchern bis hin zu den von den "Mut-Machern" zusammengestellten Workshops für die 8. Klassen mit dem Thema "Zivilcouragiertes Handeln" reichen. "Hier wird nochmals auf einen Blick deutlich, was ihr Großartiges geleistet habt," beglückwünschte auch Klaus Morsch die Jugendlichen und zollte ihnen großen Respekt für das vorbildliche Engagement, das sich auch auf die Zeit abseits des Unterrichts ausdehnte. "Ohne den Kreisjugendring und ohne Lars Hofmann wäre dieses Modellprojekt aber nicht möglich gewesen," stellte der Schulleiter fest und dankte zugleich den Lehrkräften Silke Woletz-Bauer, Matthias Simon und Matthias Schneider, die das Projekt bereits begleitet haben und dies auch in Zukunft tun werden.
"Die Projektidee lebt weiter," erklärte Matthias Simon folgerichtig. Denn auch wenn das Projekt und somit die Zusammenarbeit mit dem KJR und Lars Hofmann mit dem Abschluss des Schuljahrs eigentlich beendet ist, führen die "Mut-Macher" und die betreuenden Lehrkräfte die eigenen Ziele weiterhin mutig voran. "Die dauerhafte Fort- und somit Festsetzung des couragierten Handelns innerhalb der Schule war ein Ziel des Projekts, und wir sind froh und stolz, dass genau dies jetzt passiert," war Bernd Pflaum begeistert. Demnach haben sich die 16 Schülerinnen und Schüler für das laufende Schuljahr neben den Workshops für die 8. Klassen auch ein erneutes Ausbildungswochenende vorgenommen. Hier wollen sie den neuen thematischen Schwerpunkt "Soziale Netzwerke und Cyber-Mobbing" näher beleuchten und dabei eine 90-minütige Unterrichtseinheit erarbeiten, die sie dann in den 7. Klassen des FWG präsentieren wollen. "Hier wollen wir kreativ und auf Augenhöhe auf die Risiken der sozialen Netzwerke hinweisen und somit einen echten Denkprozess bei den jungen Mitschülern anregen," erklärt der 18-jährige Max die ehrgeizigen Ziele der "Mut-Macher". Und vielleicht gibt es dann auch über dieses neue Projekt eine Dokumentation. Bis es soweit ist, können die Jugendlichen aber zu Recht stolz auf das zurückblicken, was sie in den vergangenen 18 Monaten an ihrer Schule bewegt haben.