"Das Schlimmste war die Angst davor." Jetzt lächeln Luisa Wicklein aus Eila und Tatjana Bayer aus Teuschnitz, beide Oberstufensprecher am Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Sie haben ihr Abitur hinter sich und den Blick auf ihre Zukunft fokussiert. Was sich hinter der Angst verbarg, war die Unsicherheit, ob Abiturprüfungen in Zeiten der Corona-Pandemie überhaupt durchführbar seien. "Wir wussten lange nicht, ob wir nicht umsonst lernen, oder auch nur zu früh lernen, was überhaupt passieren wird."

Doch selbst jetzt, nachdem sie aufatmen können und sich über ihr bestandenes Abi freuen, mischt sich Enttäuschung wie bittere Galle darunter. Was ihnen Corona geraubt hat, ist all das, was für viele Abschlussjahrgänge schon lange selbstverständlich war: Abischerz, Abiball, Autocorso, Traktorfahrt, Fernreisen, fünfmal nix. "Jetzt bleibt uns nur noch die Hoffnung auf eine gebührende Zeugnisübergabe."

Tatjana Bayer hält ein Shirt in die Höhe, als wollte sie sagen: "Das wäre Ihr Preis gewesen." Darauf gedruckt ist das Motto, das sich dieser Abschlussjahrgang ausgesucht hatte: "Die goldenen 20er. Ein Abgang mit Glanz und Stil." Geplant war eine Veranstaltung mit rund 600 Leuten in der Rennsteighalle, und die im Stil der 20-er Jahre.

Glanz und Stil wollen sie sich trotzdem bewahren und sie kämpfen bis zum Schluss für einen würdigen Abgang aus dem Gymnasium. Die Zeugnisübergabe soll jetzt im Kreiskulturraum stattfinden. "Wir haben auch den Landrat und die Presse eingeladen." Doch läuft mal was schief, dann halt so richtig. "Als wir uns am Anfang besprochen hatten, was wir an Equipment im Kreiskulturraum brauchen, da haben wir auch einen WLAN-Anschluss abgefragt. Wir dachten, das sei kein Problem, weil er ja erst renoviert worden ist." Man ahnt, was kommt, kein WLAN im Kreiskulturraum. "Aber auch dafür haben wir einen Lösungsansatz gefunden." Gebraucht werde das WLAN für einen Live-Stream im Internet. "Damit unsere Verwandtschaft wenigstens auf diese Art dabei sein kann."

Ein Hygienekonzept für 130 Menschen mussten die jungen Leute mit ihren Lehrkräften und dem Direktorat ebenfalls erstellen, bei dem jeder einzelne Gast einen festen Platz mit einem Namensschild erhält. Allerdings wird auch diese Feier unter Ausschluss der Angehörigen, des Lehrkörpers oder allzu vieler Ehrengäste stattfinden. Schulleiterin Renate Leive: "Wir hatten allein schon 117 Abiturienten und wenig Spielraum, was zusätzliche Gäste betrifft. Deshalb werden nur das Direktorat, die Oberstufenkoordinatoren und die wichtigsten Ehrengäste dabei sein. Und wir drücken uns noch selbst die Daumen, dass wir die Veranstaltung am 17. Juli überhaupt genehmigt bekommen."

Vielleicht große Party 2021

In Planung sei derzeit auch noch ein Abschlussgottesdienst, bestätigt die Rektorin. "Und vielleicht gibt es ja im nächsten Jahr eine große Party für die Corona-Abiturienten 2020, die in diesem Jahr auf so vieles haben verzichten müssen."

So etwas wie "Normalität" habe dagegen beim Abi selbst geherrscht. "Wir waren in unseren Klassenräumen. Die Kurse wurden noch mal geteilt und jeder hatte einen Sitzplatz, den er während der ganzen Prüfungen behalten hat." Masken, Desinfektionsspender und Desinfektionssprays, Spuckschutz, das gehörte aber ebenfalls dazu und damit konnten alle leben. "Es war nicht angenehm, aber es gibt Schlimmeres." Und dazu habe eben die Zeit der Vorbereitung gehört. Auf "Homeschooling" hätten sich nämlich nicht nur die Schüler einstellen müssen, sondern auch die Lehrkräfte. "Da musste sich einfach jeder mit der Technik auseinandersetzen."

Am Ende habe alles ganz gut funktioniert, meinten die beiden und zeigen sich so richtig erleichtert. "Die Prüfungen waren nicht leicht, aber sie waren machbar." Geholfen habe auch die längere Vorbereitungszeit, in der man für das Abitur gelernt habe. Immerhin stand ihre ganze Zukunft auf dem Prüfstand, nicht nur ihr Abschluss.

Tatjana Bayer (Notendurchschnitt 1,9) möchte Biologie in Bayreuth studieren und später vielleicht in Richtung Forensik gehen. "Mal schauen, ich möchte zur Kripo." Luisa Wicklein (1,6) möchte später mit Kindern arbeiten und deshalb Psychologie studieren. "Spieltherapeut könnte ich mir gut vorstellen."

Die Zeit bis zum Studium überbrücken die beiden aber ziemlich unterschiedlich. Während Tatjana Bayer ein Praktikum bei Wiegand Glas im Labor absolviert, will Luisa Wicklein bei einer Schulreinigungsfirma jobben, um Geld zu verdienen. "Außerdem schaue ich mich nach einem geeigneten Studiengang um und auch nach Praktikas, bei denen ich mit Kindern agieren kann."

Ob da auch mal Zeit für Spaß und feiern bleibt? "Ja klar. Wir feiern halt in kleinen Gruppen, treffen uns privat."

FWG plant "würdigen Abschluss"

Im Frankenwaldgymnasium hat man den Abschlussgottesdienst schon organisiert, tüftelt aber noch an der Zeugnisübergabe. Schulleiter Harald Weichert: "Fest steht ein feierlicher Gottesdienst mit geschlossenem Teilnehmerkreis in der Friesener Kirche am 17. Juli." In welchem Rahmen man dann die Zeugnisübergabe stattfinden lassen will, sei noch unklar. "Wir sind noch am Überlegen, haben unterschiedliche Möglichkeiten im Visier." Eng gesteckt sei er, der Rahmen, den die geltenden Hygienevorschriften vorgeben. "Aber wir werden für einen würdigen Abschluss sorgen." Die Enttäuschung über die entgangenen "Abifreuden" nach den Prüfungen halte sich in Grenzen, meinte Weichert. "Das alte Wort für ,Abitur' hieß Reifezeugnis. Unsere Schüler leben ja nicht in einem Vakuum. Die wissen, was um sie herum los ist und können mit den Gegebenheiten durchaus umgehen. Und sie haben alle reif, vernünftig und fatalistisch reagiert.

Was beide Schulleiter bestätigen: Es gab scheinbar keinen Corona-Bonus bei den Abiturprüfungen und auch keinen "Corona-Effekt". Ergebnis und Durchfallerquote waren unauffällig und auch der Schwierigkeitsgrad lag im Durchschnitt, es gab also keine Verzerrung.

Abiturprüfungen 2020 in Zahlen

FWG Im Frankenwaldgymnasium gab es insgesamt 42 Abiturienten. 40 davon haben das Abitur bestanden. 33 Prozent legten die Prüfungen mit einem Einserdurchschnitt ab, der Gesamt-Notendurchschnitt lag bei ungefähr 2,2 Prozent. Im Frankenwaldgymnasium waren etwa acht Schüler in der mündlichen Zusatzprüfung, um ihre Noten zu verbessern.

KZG Im Kaspar-Zeuß-Gymnasium haben von 117 Abiturienten 116 bestanden. Hier haben 20,51 Prozent einen Einser vor dem Komma und neun Schüler haben das "echte Einserabitur" mit einer 1,5 oder weniger. Zwei Schüler hatten mit 1,0 abgeschlossen. Im Kaspar-Zeuß-Gymnasium waren ebenfalls acht Schüler in der mündlichen Zusatzprüfung.