Als Berater der Energie-Agentur Oberfranken ist Jürgen Ramming in den Landkreisen Kronach, Kulmbach, Bayreuth und Wunsiedel unterwegs. Im FT-Interview erklärt er, wie jeder Einzelne etwas für das Klima tun kann und warum jedes Haus individuell betrachtet werden muss. Was sind Ihre Aufgaben als Energieberater?

Jürgen Ramming: Als Energieberater kläre ich unter anderem über Dämmung, Photovoltaikanlagen und den Austausch von Heizungen auf. Viele Bürger wissen nicht, welche Zuschüsse es gibt. Weil ich nichts verkaufe, berate ich neutral und unabhängig.

Wie läuft die Beratung ab? Primär berate ich telefonisch. Viele Anliegen sind innerhalb weniger Minuten geklärt. Wenn eine Telefonberatung nicht reicht, schaue ich mir die Situation, beispielsweise die Gebäude oder die Heizungen, vor Ort an. Dann kann ich die Bürger detaillierter beraten. In welchen Situationen kommen die Bürger auf Sie zu?

Bürger melden sich unter anderem, wenn sie durch die Auszahlung eines Bausparvertrags 30 000 Euro zur Verfügung haben und die Summe sinnvoll investieren wollen. Beispielsweise für die Dämmung des Dachs oder eine neue Heizung. Andere melden sich, wenn die Ölheizung kaputt ist und eine neue Alternative eingebaut werden muss. Welche Heizungen empfehlen Sie ihren Kunden? Das kommt darauf an, in welchem Sanierungszustand das Haus ist. Davon abhängig empfehle ich alle möglichen Heizungen. Wenn das Haus gut gedämmt ist, empfehle ich eine Wärmepumpe. Wenn genug Lagerplatz für Pellets da ist, ist auch eine Pelletheizung eine Alternative. Eine beste Heizung gibt es nicht. Was für das Haus des Nachbarn die beste Lösung ist, muss nicht auch für mich die beste Option sein. Kann jeder etwas an seinem Haus verbessern, um Energie zu sparen?

Ja, ich war noch nie bei jemandem vor Ort, bei dem alles perfekt war. Irgendetwas kann man immer verbessern. Die Installation einer Solarthermie- oder einer Photovoltaikanlage kann ich beide empfehlen, sowohl für den eigenen Geldbeutel als auch für die Umwelt. Mit einer Solarthermieanlage wird warmes Wasser produziert. Sie wird, wie die Photovoltaikanlage, auf dem Dach montiert. Eine Photovoltaikanlage kann universell eingesetzt werden. Wie lange dauert es, bis sich die Installation lohnt? Je größer die installierte Anlage ist, desto teurer ist die Anschaffung. Im Durchschnitt dauert es zehn Jahre, bis man das Geld, das man aufs Dach genagelt hat, wieder in der Hosentasche hat. Wer die erzeugte Solarenergie für den Eigenverbrauch nutzt, spart je nach Vertrag bis zu 28 Cent pro Kilowattstunde Strom. Die übrige Energie kann ins Stromnetz eingespeist werden, pro Kilowattstunde bekommt der Besitzer der Anlage eine Einspeisevergütung von rund zehn Cent, der Betrag ist für 20 Jahre festgelegt. Je höher der Eigenverbrauch ist, desto schneller rechnet sich die Anlage. Wie schätzen Sie die aktuellen Diskussionen um das Klima ein?

Ich finde es sehr gut und wichtig, dass gerade ein Umdenken stattfindet und, dass viele aufwachen und selbst etwas tun wollen. Das Klimapaket (Teile wurden mittlerweile abgelehnt), das im September durch die Medien ging, greift noch lange nicht . Die Förderprogramme müssen noch umgearbeitet werden. Viele Bürger sind verwirrt und wissen nicht, was sie machen sollen. Auch wegen der angekündigten Abwrackprämie für Ölkessel, die es frühestens im Laufe des nächsten Jahres geben wird. Es herrscht noch viel Verwirrung und Unklarheit. Unabhängig davon: Was kann der Einzelne für das Klima tun?

In erster Linie Strom sparen und auf LED-Lampen umrüsten. Mittlerweile gibt es auch Photovoltaikanlagen, die auf dem Balkon angebracht werden können. So können auch Mieter ein paar Hundert Kilowattstunden Strom jährlich erzeugen. Ich vermute, dass die Fördermittel, vor allem für erneuerbare Energien, in den nächsten Jahren steigen werden.Wer eine kaputte Heizung hat, sollte jedoch nicht so lange warten. Der Umstieg, etwa auf eine Pelletheizung oder Wärmepumpen, wird jetzt bereits üppig gefördert. Langfristig werden Ölheizungen durch das Klimapaket schlechter abschneiden. Sie sind schlecht für die Umwelt und der Ölpreis wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren exorbitant steigen, auch durch die CO2-Steuer, die 2021 eingeführt wird. Je ökologischer man denkt, desto günstiger wird es auf die Dauer gesehen. Das Gespräch führte Cindy Dötschel

Heizen und Lüften mit Köpfchen

Es ist ein bisschen wie beim Fünf-Liter-Auto: Auch beim "Fünf-Liter-Haus" ist es zu einem wesentlichen Teil vom Verhalten des Nutzers abhängig, wie hoch der Verbrauch ist. Heizung und Warmwasser sind ein großer Kostenfaktor im privaten Haushalt. Mit kleinem Aufwand kann man erstaunlich große Einsparungen erreichen.

Nach der Statistik des deutschen Mieterbundes fallen für eine 70 Quadratmeter große Wohnung in einem Jahr durchschnittlich Heizkosten von 700 Euro an. Beim Einfamilienhaus liegt dieser Betrag meist um ein Vielfaches höher - abhängig vom Bauzustand, vom Heizsystem, aber auch vom Verhalten der Bewohner. Das Umweltbundesamt, die Verbraucherzentrale, der örtliche Energieberater und der Schornsteinfeger geben Tipps zum Heizen und Lüften mit Köpfchen. Hier ein Überblick: Dämmung Doppelt gedämmt hält besser. Auf den ersten Blick einleuchtend, denn im T-Shirt friert der Mensch, im Mantel nicht. Deshalb machen auch Mäntelchen und Mütze für das Haus Sinn. Aber richtig und mit Augenmaß, auch wenn die Industrie ihre Dämmstoffe gerne nach dem Motto anpreist: Es darf nicht nur ein bisschen mehr sein. Tatsächlich ist der erste Zentimeter jeder Dämmung der wirksamste; doppelte Dämmstärke bringt nicht den doppelten Effekt. Teure Dämmsysteme rechnen sich im Geldbeutel oft erst nach vielen Jahren; und dann müssen sie manchmal schon wieder erneuert werden. Umweltschützer werden argumentieren, dass es sinnvoller ist, Geld für Dämmung als für Heizung auszugeben. Dabei darf man aber den Energieaufwand und den Rohstoffverbrauch bei der Herstellung der Dämmstoffe nicht vergessen. Lüften In modernen Passivhäusern ist das Lüften kein Thema mehr: Weil die Gebäude absolut dicht sind und selbst Fenster sich oft nicht mehr öffnen lassen, wird gegen dicke Luft ein Lüftungssystem eingebaut, dass aus der warmen Abluft mittels Wärmetauscher sogar noch Energie gewinnt. Am anderen Ende der Skala stehen ältere Häuser, die durch undichte Fenster und Türen permanent "belüftet" werden - was zu der Zeit, als vornehmlich mit Einzelöfen geheizt wurde, auch sinnvoll war, um dem Feuer den notwendigen Sauerstoff zuzuführen. Hat man ein zeitgemäßes Haus ohne zugige Fenster, dann schafft vernünftiges Lüften ein gutes Hausklima, ohne Energie zu verschwenden. Vernünftig Lüften heißt: Die Fenster nicht dauerhaft kippen, sondern zwei- bis dreimal am Tag ein paar Minuten bei offenen Fenstern mit Durchzug lüften. Temperatur Ein Grad weniger Raumtemperatur bringt nach der gängigen Faustformel eine Energieeinsparung von sechs Prozent. Deshalb haben moderne Heizungen eine Nachtabsenkung als Standard. Die nutzt aber nicht immer wirklich: etwa dann, wenn Familienmitglieder spätabends noch duschen; trotz Nachtabsenkung heizt dann die Anlage, weil die Kesseltemperatur abfällt. Wegen der Trägheit vieler Heizungen und Gebäude ist der Effekt der Nachtabsenkung in der Regel minimal. Wirklich Sinn macht sie in optimal gedämmten Häusern, die bei reduzierter Heizleistung kaum auskühlen und früh schnell wieder warm werden. Effektiver als die Nachtabsenkung ist die Reduzierung der Raumtemperatur. 22 statt 23 Grad im Wohnraum, 16 oder 17 Grad im Schlafzimmer.

So heizen wir

Komfort Bis in die 1970er Jahre wurden viele Häuser mit Einzelöfen beheizt, heute ist die Zentralheizung Standard: 89,3 Prozent der Wohnungen sind laut Statistischem Bundesamt mit einer solchen Wärmequelle ausgestattet. Große Unterschiede gibt es beim Energieträger. Gas Die Gasheizung ist mit einem Anteil von knapp 50 Prozent führend auf dem Markt. Insbesondere in den Städten mit ihrem ausgebauten Erdgasnetz ist sie weit verbreitet - und beliebt, weil sehr komfortabel. Beim Gaspreis freilich hat der Kunde kaum eigenen Spielraum. Öl 26,3 Prozent der Heizungen werden mit Erdöl beheizt, was spätestens seit der Ölkrise in den 70er Jahren als Anachronismus gilt. Die Bundesregierung hat beschlossen, dass ab 2026 keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden dürfen, für alte Anlagen gibt es Übergangsfristen. Holz Besonders auf dem Land beliebt: mit der Säge in den Wald, Heizen mit Holzscheiten. Das ist nicht nur wegen des Aufwands, der notwendigen Lagerräume und der meist teureren Anlagen nicht jedermanns Sache. Die Luxus-Variante ist die vollautomatische Holzpellets-Heizung. Wärmepumpe Sie bezieht die Energie aus der Erde oder aus der Luft und funktioniert optimal in hervorragend gedämmten Häusern. Im Idealfall erzeugt man den Strom für die Pumpe selbst mit einer Solaranlage. gf

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